Verstopfung bei Endometriose

Verstopfung, Durchfall, Blähungen und Übelkeit – Verdauungsbeschwerden sind bei Endometriose nicht selten. Einige Betroffene haben beispielsweise das Gefühl, ihren Darm nicht richtig entleeren zu können. Doch warum verhält sich die Magen-Darm-Passage so auffällig, wenn gebärmutterschleimhautartiges Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle wächst? Wir verraten Dir heute, wie Endometriose zu Verstopfungen führen kann und was dann hilft.

So hängen Endometriose und Verstopfung zusammen

Per Definition leiden Menschen dann unter einer Verstopfung, wenn sie weniger als dreimal pro Woche Stuhl absetzen können. Viel wichtiger als die Frequenz sind aber die Begleiterscheinungen. Hast Du Mühe, den Stuhl auszuscheiden, fühlt sich Dein Darm wie blockiert an oder ist der Stuhl hart sowie trocken? Das alles deutet auf eine Verstopfung hin [1]. Neben den zahlreichen Ursachen wie Flüssigkeits- oder Bewegungsmangel kann auch eine Endometriose zu Verstopfung führen. Dabei ziehen Mediziner verschiedene Theorien heran, die ich Dir gerne vorstellen möchte.

Gut zu wissen!

Betroffene berichten nicht nur über Verstopfung, sondern auch über Durchfall bei Endometriose. Vielleicht wechseln sich auch Episoden von Durchfall und Verstopfung bei Dir ab.

  1. Verstopfung durch Verwachsungen: Tatsächlich können Verwachsungen im Enddarm zu Problemen mit dem Stuhlgang führen. Blockieren Endometrioseknoten die Endpassage und lassen den Stuhlgang nicht ungehindert passieren, kann das Verstopfung verursachen. Allerdings ist das viel seltener der Fall, als Du vielleicht vermutest. In einer Studie traten bei 90 % aller Endometriose-Patientinnen Verdauungsprobleme auf. Endometrioseherde im Darm wurden aber nur bei 7,6 % der Patientinnen entdeckt. Das deutet darauf hin, dass nicht nur Verwachsungen aufgrund der Endometriose zu Verstopfung bei Endometriose führen [2]. Auch Verwachsungen nach wiederholten Operationen können zu Verdauungsproblemen führen. Auch dies ist glücklicherweise selten der Fall.
  2. Verstopfung durch Begleiterkrankungen: Viele Betroffene berichten darüber, dass sie mit weiteren Erkrankungen zu kämpfen haben. Vor allem das Reizdarmsyndrom tritt bei Endometriose-Patientinnen in Erscheinung. Studien zufolge haben Betroffene ein mindestens doppelt so hohes Risiko, ein Reizdarmsyndrom zu entwickeln [3]. Die Funktionsstörung des Darms, deren Ursache bis heute nicht gänzlich geklärt ist, kann ebenfalls Verstopfung begünstigen.
  3. Verstopfung durch Dysbiose: Wusstest Du, dass sich in Deinem größten inneren Organ, dem Darm, Billionen von Mikroorganismen tummeln? Forscher konnten mithilfe von Gensequenzen rund 1400 verschiedene Arten ermitteln. Mindestens 160 Arten befinden sich alleine in Deinem Darm [4]. Die guten Vertreter kümmern sich um die Spaltung von Nahrungsbestandteilen, unterstützen Deine Immunabwehr oder helfen bei der Synthese von Botenstoffen. Schädliche Darmbakterien können jedoch Verdauungsprobleme und Entzündungen verursachen. Gerät das empfindliche Gleichgewicht im Darm aus der Balance, bezeichnen dies Mediziner als Dysbiose. Endometriose-Patientinnen können laut einer Studie eine veränderte mikrobielle Vielfalt aufweisen. Sie beheimateten vermehrt Streptococcus, Escherichia coli, Proteobakterien und Enterobacteriaceae [5]. Eine Dysbalance im Darm kann ebenfalls zu Durchfall oder Verstopfung beitragen.

Egal welche Ursache die Verstopfung verursacht – viel Flüssigkeit und Bewegung sowie ein Gespräch mit dem Arzt sind immer eine gute Idee!

Wenn Dein Lifestyle Deine Darmbewegungen bestimmt

Wie Du siehst, gibt es bereits einige Erklärungsversuche, die schlüssig klingen. Allerdings gelingt es Medizinern nicht in jedem Fall, die Verstopfung bei Endometriose zu begründen. Dann hilft es, einen Blick auf die Lebensgewohnheiten zu werfen. Dein Darm benötigt genügend Flüssigkeit, um den Stuhlgang geschmeidig zu gestalten und auszuscheiden. Deshalb führt ein Flüssigkeitsmangel zur Verstopfung. Außerdem sind Ballaststoffe für die Verdauung wichtig. Das sind unverdauliche Nahrungsbestandteile, die das Volumen des Speisebreis erhöhen – dadurch wird ein Reiz auf die Darmwände ausgeübt, was wiederum die Darmtätigkeit anregt. Ein ganz wichtiger Punkt ist Bewegung. Wenn Du eine vorwiegend sitzende Tätigkeit hast, kann die Verdauung regelrecht „einschlafen“. Laut einer Studie können Stress und ein Hinauszögern der Toilettenbesuche ebenfalls wesentlich eine Verstopfung begünstigen [6].

In Anlehnung an die Risikofaktoren habe ich folgende Quick-Tipps für Dich:

  • Trinke ausreichend: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät zu mindestens 1,5 Liter Trinkflüssigkeit täglich [7]. Am besten bevorzugst Du Wasser und ungesüßte Kräutertees. Als echter Geheimtipp gilt warmes Wasser mit Zitrone und Ingwer, um die Verdauung anzukurbeln.
  • Nehme genügend Ballaststoffe auf: Auch hier hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine Empfehlung parat. Demnach solltest Du mindestens 30 g Ballaststoffe in die Ernährung einbinden [8]. Zur Ballaststoffversorgung tragen frisches Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte bei. Übrigens: Quellmittel wie Flohsamen, Leinsamen und Kleie können die Verdauung anregen. Dabei solltest Du unbedingt ein extra Glas Wasser (250 ml) einplanen, damit die Helfer aufquellen können.
  • Bewege Dich regelmäßig: Wenn Du Dich regelmäßig bewegst, bringst Du Deinen Kreislauf und somit auch Deine Verdauung in Schwung. Doch wie viel Bewegung ist eigentlich genug? Die Weltgesundheitsorganisation rät in ihren Richtlinien zu 150-300 Minuten mäßig intensiver Bewegung oder 75-150 Minuten intensiver Bewegung [9]. In einer Studie haben Forscher herausgefunden, dass 30-40 Minuten täglich ausreichen, um das Sterberisiko zu reduzieren und einen Schreibtischtag auszugleichen [10].
  • Reduziere Deinen Stress: Ein hektischer Alltag und die Unterdrückung der Stuhlentleerung können bei der Verdauung auf den „Pause-Knopf“ drücken. Damit das nicht geschieht, solltest Du Deinen Alltag auf Stressoren untersuchen und diese – so gut es geht – ausschalten. Das gelingt natürlich nicht immer. In dem Fall können Entspannungstechniken Deine Stressbewältigung unterstützen.

Verstopfung bei Endometriose. Was macht der Arzt?

Verdauungsprobleme können auf eine Endometriose hindeuten. Unabhängig davon, ob bei Dir bereits Endometriose festgestellt wurde oder nicht, raten wir Dir, Dich mit Deinen Beschwerden an Deinen behandelnden Arzt zu wenden. Vor allem dann, wenn Du Schmerzen hast und sich Blut oder Schleim in Deinem Stuhl befindet. Endometriose-Patientinnen mit Verwachsungen im Darm berichten vor allem während ihrer Menstruation über Blutspuren im Stuhl. Das liegt daran, dass sich die Endometrioseherde in Abhängigkeit vom Zyklus entwickeln und während der Periode „abbluten“. Befinden sich tatsächlich Herde in Deinem Verdauungstrakt werden sie von erfahrenen Medizinern im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung oder Tastuntersuchung (vaginal und rektal) entdeckt. Auch ein Ultraschall der Darmwand, eine Magnetresonanztomografie oder eine Bauchspiegelung sichern die Diagnose [11]. Mit diesen Untersuchungsmethoden gelingt es auch, ganz allgemein Endometriose festzustellen.

Gezielte Behandlungsverfahren können Verstopfung lindern

Nach der Diagnose stellt Dein Arzt einen Behandlungsplan zusammen. In Abhängigkeit davon, wo sich die Endometrioseherde befinden und wie ausgeprägt sie sind, werden sie operativ oder mithilfe von Medikamenten behandelt [12]. Mit einer Behandlung verbessern sich auch häufig die Verdauungsprobleme. In einer Studie litten 29% der Endometriose-Patientinnen unter einem Reizdarmsyndrom oder einer Verstopfung. Durch die Überweisung an einen Gastroenterologen (Magen-Darm-Spezialist) erreichten 86 % der Studienteilnehmerinnen eine bessere Stuhlentleerung und 64 % hatten weniger Schmerzen [13]. Zudem kannst Du Verdauungsproblemen selbst ein Stück weit entgegenwirken, zum Beispiel mit der richtigen Ernährung sowie Entspannung und Stressreduktion

Kurz und knapp

Verdauungsprobleme werden mit Endometriose in Zusammenhang gebracht. Neben Durchfall kann auch Verstopfung auftreten. Verwachsungen im Enddarm können die Darmpassage blockieren und so verstopfen. Außerdem können Begleiterkrankungen wie das Reizdarmsyndrom oder ein Ungleichgewicht in der Darmflora Verstopfungen begünstigen. Bei Verstopfung, insbesondere in Verbindung mit schleimigem oder blutigem Stuhl, solltest Du Dich an Deinen behandelnden Arzt wenden. Durch Tastuntersuchungen, Ultraschall, MRT oder eine Bauchspiegelung kann er feststellen, ob Du Verwachsungen in Deinem Darm besitzt. Auch ein Lebensstil mit zu wenig Bewegung, unzureichender Ballaststoffversorgung und Stress kann die Verdauung ermüden. Deshalb sind allgemeine Tipps zur Verdauungsförderung empfehlenswert. Nach der Diagnose entscheidet Dein Arzt, ob Deine Endometriose mithilfe von Medikamenten und/oder operativen Eingriffen behandelt wird. Damit hast Du eine gute Chance darauf, dass die Verdauungsprobleme nachlassen.

Referenzen

  1. Gesundheit.GV.AT: Verstopfung (Obstipation)
  2. Maroun P, Cooper MJ, Reid GD, Keirse MJ. Relevance of gastrointestinal symptoms in endometriosis. Aust N Z J Obstet Gynaecol. 2009 Aug;49(4):411-4. doi: 10.1111/j.1479-828X.2009.01030.x. PMID: 19694698.
  3. Chiaffarino F, Cipriani S, Ricci E, Mauri PA, Esposito G, Barretta M, Vercellini P, Parazzini F. Endometriosis and irritable bowel syndrome: a systematic review and meta-analysis. Arch Gynecol Obstet. 2021 Jan;303(1):17-25. doi: 10.1007/s00404-020-05797-8. Epub 2020 Sep 19. PMID: 32949284.
  4. Bundesministerium für Bildung und Forschung: Wir sind besiedelt: Darmbakterien beeinflussen unsere Gesundheit
  5. Leonardi M, Hicks C, El-Assaad F, El-Omar E, Condous G. Endometriosis and the microbiome: a systematic review. BJOG. 2020 Jan;127(2):239-249. doi: 10.1111/1471-0528.15916. Epub 2019 Sep 19. PMID: 31454452.
  6. Santacruz CC, López MO, García MV, Pérez CF, Miguel JC. Do bad habits bring a double constipation risk? Turk J Gastroenterol. 2018 Sep;29(5):580-587. doi: 10.5152/tjg.2018.17533. PMID: 30260781; PMCID: PMC6284617.
  7. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Nicht nur im Sommer: Am besten Wasser trinken
  8. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Kohlenhydrate, Ballaststoffe – DGE
  9. Bull FC, Al-Ansari SS, Biddle S, Borodulin K, Buman MP, Cardon G, Carty C, Chaput JP, Chastin S, Chou R, Dempsey PC, DiPietro L, Ekelund U, Firth J, Friedenreich CM, Garcia L, Gichu M, Jago R, Katzmarzyk PT, Lambert E, Leitzmann M, Milton K, Ortega FB, Ranasinghe C, Stamatakis E, Tiedemann A, Troiano RP, van der Ploeg HP, Wari V, Willumsen JF. World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. Br J Sports Med. 2020 Dec;54(24):1451-1462. doi: 10.1136/bjsports-2020-102955. PMID: 33239350; PMCID: PMC7719906.
  10. Ekelund U, Tarp J, Fagerland MW, Johannessen JS, Hansen BH, Jefferis BJ, Whincup PH, Diaz KM, Hooker S, Howard VJ, Chernofsky A, Larson MG, Spartano N, Vasan RS, Dohrn IM, Hagströmer M, Edwardson C, Yates T, Shiroma EJ, Dempsey P, Wijndaele K, Anderssen SA, Lee IM. Joint associations of accelero-meter measured physical activity and sedentary time with all-cause mortality: a harmonised meta-analysis in more than 44 000 middle-aged and older individuals. Br J Sports Med. 2020 Dec;54(24):1499-1506. doi: 10.1136/bjsports-2020-103270. PMID: 33239356; PMCID: PMC7719907.
  11. Endo App: Verdauungsbeschwerden bei Endometriose
  12. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Leitlinienprogramm. Diagnostik und Therapie der Endometriose. August 2020.
  13. Meurs-Szojda MM, Mijatovic V, Felt-Bersma RJ, Hompes PG. Irritable bowel syndrome and chronic constipation in patients with endometriosis. Colorectal Dis. 2011 Jan;13(1):67-71. doi: 10.1111/j.1463-1318.2009.02055.x. PMID: 19832874.

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