Minimalinvasive Diagnose

Bis zur Diagnosestellung der Endometriose dauert es im Schnitt vier bis elf Jahre [1]. Dies liegt einerseits daran, dass die Endometriose trotz ihrer großen Verbreitung noch immer nicht bei allen Ärzten als Auslöser von zum Teil massiven Beschwerden berücksichtigt wird.

Zudem kann die Endometriose eine große Vielzahl unterschiedlicher Symptome auslösen und zum Teil sogar symptomlos sein. Und schließlich stand lange Zeit nur die invasive Maßnahme der Operation mit Eröffnung des Bauchraums als sicheres Instrument der Diagnose zur Verfügung.

Eine solche große Operation ist heute aus diagnostischen Gründen in der Regel nicht mehr erforderlich. Die Diagnosestellung kann meist nicht-invasiv oder minimalinvasil erfolgen. 

In diesem Artikel erfährst du:

  • was genau die Endometriose ist,
  • welche Symptome die Endometriose auslösen kann,
  • was minimalinvasiv bedeutet und
  • welche minimalinvasiven Methoden der Diagnostik bestehen.

Symptome der Endometriose: Erkrankung mit vielen unterschiedliche Gesichtern

Rund zehn Prozent aller Frauen im reproduktionsfähigen Alter sind von Endometriose betroffen. Das sind alleine in Deutschland etwa 1,7 Millionen Frauen. Endometriose entsteht, wenn sich Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutter ansiedelt. Diese Ansiedelungen werden Endometrioseherde genannt. Sie können sowohl im kleinen Becken aber auch im gesamten Bauchraum und sogar in der Lunge und im Gehirn auftreten. Warum sich die Gebärmutterschleimhaut bei manchen Frauen außerhalb der Gebärmutter ansiedelt, ist noch immer nicht abschließend geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass eine Vielzahl unterschiedlicher Ursachen verantwortlich ist [2].

Die Endometriose verursacht sehr unterschiedliche sowohl lokale als auch systemische Beschwerden: Zu den klassischen Symptomen zählen die zyklusabhängigen Schmerzen im Bauch, die jedoch auch in Bauch und Becken ausstrahlen können. Diese Schmerzen können jedoch auch chronisch sein, das bedeutet, dass sie zyklusunabhängig auftreten. Hinzu kommen weitere Symptome wie Blutungsstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit sowie eine reduzierte Fruchtbarkeit sowie eine allgemeine Erschöpfung.

Auch hier sind die Prozesse, die als Auslöser für einige der Symptome verantwortlich sind, noch nicht abschließend geklärt. All diese Faktoren erschweren eine schnelle Diagnosestellung ebenso wie eine Behandlung der Erkrankung.

Diagnostik: Den Ursache der Symptome auf der Spur

Eine gesicherte Diagnose der Endomeriose lässt sich bis heute nur durch eine Bauchspiegelung erzielen. Dies stellt zwar noch immer einen operativen Eingriff dar, dieser ist jedoch weit weniger belastend als das Eröffnen des Bauchraums, was in Zeiten vor der Entwicklung der minimalinvasiven Operationsmethoden erforderlich war.

Auch wenn bis heute noch keine Screening-Methode gibt, die eine exakte Diagnose zulässt, gibt es heute eine Reihe von aufeinander abgestimmten nicht-invasiven Diagnostikinstrumenten, die in der Zusammenschau eine recht gesicherte Diagnosestellung erlauben [2].

Der Begriff „invasiv“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „eindringend“. Nicht-invasiv beziehungsweise minimalinvasiv steht daher für nicht-eindringend und nur wenig eindringend. Es geht also um die Unterscheidung von diagnostischen Maßnahmen, danach, ob dabei die körperliche Unversehrtheit besteh bleibt oder nicht.

Anamnesegespräch: Das Arztgespräch [3]

Hat eine Patientin Blutungsstörungen, Unterleibsschmerzen, die unter Umständen zyklusabhängig sind, Probleme schwanger zu werden und weitere Symptome, die auf eine Endometriose hindeuten, dann ist das Anamnesegespräch der erste Schritt auf dem Weg zur Diagnose. Hierbei handelt es sich um ein ausführliches Gespräch, bei dem sowohl allgemeine Fragen gestellt werden, als auch symptomorientiere Fragen. Um Schmerzen einordnen zu können wird die so genannte Schmerzskale von null bis zehn verwendet. 

Tastuntersuchung: Gynäkologische Untersuchung [2]

Besteht nach dem Anamnesegespräch weiterhin der Verdacht auf Endometriose, so steht als weiterer Schritt eine gynäkologische Untersuchung mittels Spekula zur Verfügung. Ein Spekulum ist ein Instrument, mit dem die Scheide leicht aufgespreizt werden kann, um das hintere Scheidengewölbe abtasten zu können. Teilweise wird zudem eine rektale Palpation, also ein Abtasten durch den Anus, durchgeführt. Hier ist die Studienlage nicht eindeutig, ob dies einen Vorteil bringt. Laut Leitlinienprogramm kann dies jedoch zu einer Vermeidung einer diagnostischen Operation (Bauchspiegelung) beitragen.

Ultraschall: vaginale und rektale Sonographie sowie Nierensonographie [2, 3]

Als weiteres nicht-invasives Diagnostikinstrument steht der Ultraschall zur Verfügung. In erster Linie geht es hier um den so genannten transvaginalen Ultraschall, bei dem die Ultraschallsonde in die Scheide eingeführt wird. In der Regel wird die Untersuchung mit voller Blase durchgeführt. Zusätzlich kann eine Ultraschalluntersuchung durch den Anus durchgeführt werden. Dies erfolgt in der Regel zur Vorbereitung einer Operation. Eine Ultraschalluntersuchung der Niere erfolgt über die Bauchdecke.

MRT: Magnetresonanztomografie beziehungsweise Computertomografie

Bei der Magnetresonanztomografie, auch als Computertomografie bekannt, handelt es sich wie auch bei der Sonografie um ein bildgebendes Verfahren.

Da das MRT nur in radiologischen Praxen oder Krankenhäusern durchgeführt werden kann, kommt diese Untersuchung nur dann in Betracht, wenn der Ultraschall keine ausreichenden Ergebnisse gebracht hat. Mittels MRT lassen sich der Verdacht auf eine tief-infiltrierende Endometriose sowie Endometrioseherde in der Blase abklären [2, 3].

Blutuntersuchung: Blutabnahme statt Bauchspiegelung

Bereits vor einigen Jahren wurde diskutiert, ob bestimmte Tumormarker, wie CA125, im Blut einen Nachweis für das Vorliegen einer Endometriose liefern können [2]. Diese Vermutung konnte jedoch nicht bestätigt werden. Vor ein paar Jahren wurden im Rahmen einer Metastudie [9] 141Studien analysiert, um potentielle Blutmarker zu identifizieren, über die die Diagnose Endometriose gestellt werden können. Allerdings konnte über keine der Studien ein Blutmarker gefunden werden, der in der Praxis eine Diagnosestellung durch Endoskopie ersetzen könnte. Die Macher der Studie weisen darauf hin, dass einige der Blutmarker im Rahmen von weiteren Studien vertiefend erforscht werden sollten.

Ein neueres Forschungsprojekt mit dem Namen MOMENDO könnte jedoch die Basis für eine Diagnose der Endometriose über eine einfache Blutabnahme eröffnen [4]. Im Rahmen dieses Forschungsprojektes stellt sich heraus, dass das invasive Wachstum der Endometriosezellen über kleine Regulationsmoleküle gesteuert wird. Diese Regulationsmoleküle werden microRNAs genannt. An der Uni Münster wurde 2017 eine Studie gestartet, wie diese microRNAs als Krankheitsmarker für Endometriose eingesetzt werden können. [5, 6] Noch handelt es sich um eine Methode, die sich in der Erforschungsphase befindet. Sollte diese jedoch bei Patientinnen zum Einsatz kommen können, so wären Bauchspiegelungen zur Diagnosestellung einer Endometriose nicht mehr notwendig.

Fragebogen: Systematische Anamneseerfassung

Um eine Endometriose diagnostizieren zu können, werden auch Fragebögen eingesetzt [7]. Über diese werden grundsätzlich die Themen abgefragt, die auch im Anamnesegespräch erfragt werden sollten. Allerdings sorgt die Verwendung von Fragebögen den Vorteil, dass keine Aspekte vergessen werden. Zudem werden diese Fragebögen, wie der der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen, als Basis für weitergehende Forschungen eingesetzt. Zudem tragen Fragebögen dazu bei, dass unterschiedliche Diagnostikmaßnahmen besser aufeinander abgestimmt werden, was zu einer schnelleren Diagnosestellung beitragen kann [8].

Übrigens ist es Endo-App möglich, seine eigene Anamnese zu erstellen: Hier werden ausführliche Angaben zum Zyklus, Endometriose Symptome, Therapie, Gynäkologie und anderen Vorerkrankungen abgefragt.

Dies hat den Vorteil, dass du bei einem Arztbesuch oder vor einer Operation alle wichtigen Daten zu deiner Erkrankung – wie deine Symptome, hormonelle Therapien und Operationen, Schwangerschaft und Kinderwunschbehandlungen sowie Kontaktdaten von Haus- und Frauenarzt – mit nur wenigen Klicks zur Hand hast.

Laparoskopie: Bauchspiegelung mit und ohne Gewebeentnahme

Dis bislang einzig sichere Möglichkeit, die Verdachtsdiagnose der Endometriose zu bestätigen oder auszuräumen, ist die Laparoskopie [3]. Anders als bei einer herkömmlichen Bauchoperation, bei der der Bauchraum mit einem großen Schnitt eröffnet wird, handelt es sich bei der Laparoskopie um eine so genannte Schlüsselloch-Operation. Diese erfolgt unter Narkose, ist jedoch für die Patientin weniger belastend als eine klassische Bauchoperation. Hierbei werden zwischen einem und drei kleinen Schnitten von zirka einem Zentimeter im Bereich von Nabel und/oder Leisten gesetzt, durch die Endoskope in den Bauchraum eingeführt erden. So können die Organe im Bauchraum über eine Kamera im Endoskop betrachtet und sogar Proben entnommen werden, die dann später untersucht werden können. Diese diagnostische Maßnahme zählt zwar zu den minimalinvasiven Diagnoseinstrumenten, ist jedoch weit invasiver als die zuvor dargestellten.

Zusammenfassung:

Die Diagnosestellung der Endometriose verläuft in mehreren Schritten. Sie reichen von nicht-invasiv bis minimalinvasiv. Sie umfassen in der Regel:

  • Anamnesegespräch
  • Bildgebende Verfahren: Ultraschall und MRT/CT
  • Fragebogen
  • Bauchspiegelung

Die Bauchspiegelung gilt laut Leitlinienprogramm als Goldstandard in der Diagnostik der Endometriose. Neue Forschungsansätze gehen dahin, dass Endometriose über eine Blutuntersuchung festgestellt werden kann.

Referenzen

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