Hormonelle Therapie bei Endometriose

Hormonelle Therapie bei Endometriose

Endometriose wird durch Gebärmutterschleimhautartige Zellen, die außerhalb der Gebärmutter wachsen, ausgelöst. Diese Zellen sind wie die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) durch die weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene und Progesterone/Gestagene) beeinflussbar, aber nicht heilbar!

Die richtige Therapie bei Endometriose sollte immer individuell festgelegt und wird zumeist eine Kombination aus verschiedenen Therapieoptionen (siehe Übersicht) beinhalten.

Medikamentöse Therapien, die den Hormonhaushalt beeinflussen, werden daher in der Regel zusätzlich zur Operation als anschließender Schutz vor Rezidiven, aber auch zur Symptomkontrolle und in manchen Fällen als Alternative zu einer (erneuten) Operation  eingesetzt. Die Hormonelle Therapie bei Endometriose verringert den Östrogenspiegel und erhöht den Progesteronspiegel auf verschiedene Arten und Weisen. Der richtige Weg ist von den individuellen Beschwerden, dem Risikoprofil aber auch von der Lebensplanung abhängig.

Die drei wichtigsten Therapieoptionen sind:

1. Gestagentherapie

Gestagene

Das Gestagen Dienogest ist die am häufigsten eingesetzte hormonelle Therapie bei Endometriose.

Gestagen (=Progesteron, Gelbkörperhormon) ist ein weibliches Geschlechtshormon. Es gibt viele verschiedene synthetisch hergestellte Gestagene, die vor allem aus Pillenpräparaten bekannt sind.

Eine Therapie mit Gestagenen, führt bei den Betroffenen zu einer Schmerzreduktion und generellen Symptomverbesserung.

Für das Gestagen Dienogest  konnte in vielen großen Studien eine Verbesserung der Endometriose-Beschwerden nachgewiesen werden. Ebenso konnte eine Reduktion der Endometrioseherde und eine Hemmung der Neubildung von Nerven in den Regionen gezeigt werden. Dienogest wirkt also auch direkt an der Ursache des Schmerzes. [2]

Dienogest ist das einzige offiziell zugelassene Gestagen zur Endometriosetherapie. Hierbei wird es in der Regel im Langzyklus verabreicht. [2]

Hormonspirale – Intrauterin Pessar

Die Hormonspirale als hormonelle Therapie bei Endometriose bietet sich insbesondere bei Frauen mit Endometriose in der Gebärmutterwand (Adenomyose) an, da die Hormone hier direkt lokal wirken können.

2. Einphasige Kombinationspräparate

Die Pille

Kombinationspillen enthalten Östrogen und Gestagen.

Kombinationspillen sind unter Frauen sehr weit verbreitet. Sie werden im Volksmund auch einfach als „die Pille“ bezeichnet. Sie bestehen aus einer Kombination von den zwei Hormonen Östrogen und Gestagen. Einphasig bedeutet, dass alle Pillen der Packung die gleiche Hormonkombination beinhalten – es sind also alle Pillen, die im Monat eingenommen werden, gleich.

Kombinationspillen mit Östrogenen und Gestagenen und die Spirale mit Hormonfreisetzung haben besonders im Langzyklus eine mildernde Wirkung auf die Symptome. Sie sind in Deutschland zur Endometriosetherapie allerdings nicht offiziell zugelassen. Sie können aber nach Aufklärung des Arztes eingesetzt werden. Dies wird als off-label-use bezeichnet.

Für verschiedene in Kombipillen enthaltene Gestagene ist eine Wirkung gegen Endometriosebeschwerden nachgewiesen worden, vor allem im Langzyklus. Am besten untersucht und dafür zugelassen ist wie bereits ausgeführt Dienogest. Kombipräparate mit Dienogest sind ebenfalls geeignet und führen bei Einnahme im  Langzyklus durch Ausbleiben der Periode zu einer Schmerzlinderung. Bei allen anderen Gestagenen gibt es unterschiedliche Stärken der Wirkung bei Endometriosebeschwerden. [1,2,4]

3. GnRH Analoga

Spritze

GnRH Analoga werden per Injektion verabreicht.

Durch GnRH Analoga wird über die Hormonachsen des Gehirns die Östrogenproduktion vermindert und damit das Wachstum der Endometriose verlangsamt.

GnRH Analoga werden immer seltener in der Endometriosetherapie eingesetzt. Da GnRH Analoga zu einer sehr starken Östrogenspiegel-Senkung führen, die mit den Wechseljahren vergleichbar ist, haben sie stärkere Nebenwirkungen und können in der Regel nur über 6 Monate eingesetzt werden. Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Knochenstörungen führen dazu, dass immer zusätzlich auch geringe Dosen Östrogen eingenommen werden müssen, um die Nebenwirkungen zu behandeln (Add-back Therapie).

Aufgrund dieser Nebenwirkungen und den neuen Gestagen Therapien rückt die GnRH Analoga Therapie in den Hintergrund und wird nur noch selten eingesetzt.

Weitere Hinweise zur hormonellen Therapie

Hormone beeinflussen die Endometriosezellen und Herde. Vereinfacht kann man sagen, dass Östrogen die Endometriose fördert, Gestagene sie hemmen. Hormone stellen dabei einen guten Therapieansatz dar.

Dabei ist auch der Zeitpunkt und die Länge der Einnahme relevant. Auch das Nebenwirkungsprofil sollte vor der Einnahme mit dem Arzt durchgesprochen werden.

Aufgrund von Nebenwirkungsprofilen und Lebenssituation sollte die Entscheidung immer individuell erfolgen. Eine Krankenkassenübernahme kann in manchen Fällen beantragt werden.

Gestagene und Kombinationspillen – Therapie im Langzyklus

Langzyklus

Insbesondere im Langzyklus konnten Verbesserungen durch Gestagentherapie oder auch Kombipräparate (mit Kombinationen aus Östrogen und Gestagen) erreicht werden. Das heißt die Einnahme erfolgt über mehrere Monate mit Pillenpausen alle 3 bis 12 Monate. Durch Ausbleiben der Blutung sollen sowohl neue Herde als auch die Schmerzen vermieden werden.

Bei schmerzhaften Perioden wird die Einnahme im Langzyklus (also ohne Pause) in der Leitlinie zur hormonellen Empfängnisverhütung empfohlen.
Es gibt keine Hinweise auf erhöhte Risiken durch den Langzyklus einer hormonellen Verhütung im Vergleich zur normalen Einnahme mit monatlichen Pausen. [1]

Postoperative hormonelle Therapie bei Endometriose

Hormonelle Therapie nach Operation

Nach einer Operation treten in 40-50 % der Fälle neue Endometrioseherde oder -beschwerden innerhalb der ersten 5 Jahre auf. Daher wird oft direkt nach einer Operation zu einer Gestagentherapie (i.d.R. Dienogest) im Langzyklus als postoperative Prophylaxe geraten um das Neuauftreten der Endometriose zu unterdrücken oder zu verlangsamen. [3]

So kann auch bei mehrfach rückkehrender Endometriose die Zeit zwischen den OPs durch Gestagengabe in einigen Fällen verlängert werden. [3]

Abhängigkeit der Therapiewahl von der Lebens- und Beschwerdesituation

Lebenssituation: Kinderwunsch

Besonders bei jungen Frauen oder Verdachtsfällen ohne Komplikation und ohne Hinweis auf Darmbeteiligung wird die Hormontherapie mit Gestagenen (Dienogest) oder Kombinationspräparaten auch als Alternative zur operativen Therapie angeboten. Sie ist deutlich weniger invasiv und kann über einen langen Zeitraum Linderung bringen.

Allerdings ist eine komplette Heilung der Endometriose durch hormonelle Therapie nicht möglich. Nach Absetzen der Therapie kehren die Beschwerden in der Regel zurück.

Aufgrund der empfängnisverhütenden Wirkung ist diese Art der Therapie bei (aktuellem) Kinderwunsch nur begrenzt sinnvoll.

Übernahme durch die Krankenkassen

Krankenkassen zahlen

Übernahme durch Krankenkasse

Die Therapiekosten werden bei Dienogest in der Regel von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen (ggf. mit Zuzahlung). Wichtig ist hierbei die zur Verordnung führende Diagnose.

Eine zur Verhütung oder off-Label zur Endometriose verschriebene Pille muss privat bezahlt werden.

Im Alter unter 20 Jahren übernehmen die Krankenkassen auch alle zur Verhütung verordneten Pillenpräparate.

Referenzen

1.
AWMF. AWMF Leitlinie Hormonelle Empfängnisverhütung [Internet]. 2020 [cited 2020 Apr 28]. Available from: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-015.html
1.
Ferrero S, Remorgida V, Venturini PL, Bizzarri N. Endometriosis: the effects of dienogest. BMJ Clin Evid [Internet]. 2015 Jun 9 [cited 2020 Apr 28];2015. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4461025/
1.
Guo S-W. Recurrence of endometriosis and its control. Hum Reprod Update. 2009 Aug;15(4):441–61.
1.
Tosti C, Biscione A, Morgante G, Bifulco G, Luisi S, Petraglia F. Hormonal therapy for endometriosis: from molecular research to bedside. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 2017 Feb;209:61–6.
Nadine Rohloff
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