Das hilft gegen Blähungen

In einer Studie gaben 96% aller Endometriosepatientinnen an, zumindest gelegentlich unter Blähungen zu leiden. Frauen ohne Endometriose gaben dies nur zu 65% an. Dies bedeutet einerseits, dass auch mehr als die Hälfte gesunder Frauen unter Blähungen leiden, Endometriosepatientinnen jedoch um 31% häufiger. Blähungen sind also ein Problem, was viele Frauen betrifft. Doch was hilft gegen Blähungen?

Blähungen bei Endometriose

gegen Blähungen

Der sogenannte „Endo Belly“ geht oft mit Blähungen einher.

Blähungen sind bei Frauen ein häufiges Phänomen, vor allem zu Beginn oder kurz vor der Periode. Bei Endometriosepatientinnen ist das häufig ausgeprägter. Viele berichten sogar von einem sogenannten „Endo-Belly“. Der Bauch ist aufgebläht und viel größer als sonst, luftgefüllt und sowohl unangenehm als auch für einige emotional belastend.

Eine richtige Erklärung hat man hierfür bisher nicht. Es wird angenommen, dass Entzündungsreaktionen durch die Endometriose im Bauch zu vermehrten Blähungen führen. Dabei ist das unabhängig von der Lokalisation der Endometriose. Es ist also nicht etwa so, dass der Endo-Belly oder vermehrte Blähungen zwingend eine Darmbeteiligung bräuchten. Zudem haben manche Frauen auch einen Endo-Belly ohne von Blähungen zu berichten.

Trotz der Häufung von Blähungen und anderen Magen-Darm-Beschwerden bei Endometriose sollten immer auch andere Ursachen ausgeschlossen werden. Manche Erkrankungen treten oft assoziiert mit Endometriose auf, andere sind ganz unabhängig davon.

Wie so viele Dinge in der Medizin werden auch Blähungen von vielen Seiten beeinflusst. Krankheiten wie die Endometriose sind also nur ein Baustein und andere Faktoren und Ursachen sollten für einen optimalen Plan gegen Blähungen immer mitbetrachtet werden.

Ursachen von Blähungen klären

Ursache von Blähungen klären

gegen BlähungenBlähungen sind, ganz kurz gesagt, nichts anderes als „Luft im Bauch“. Die Luft sammelt sich in der Regel im Dickdarm. Doch wie kommt sie da rein? Bevor gegen Blähungen etwas unternommen werden kann, muss zunächst die Ursache geklärt werden, denn oft ist nicht die Endometriose selbst die Ursache der Beschwerden, sondern etwas ganz anderes, oder mehrere Sachen spielen zusammen.

Faktoren und Ursachen die zu außerdem Blähungen führen:

  1. Schnelles Essen
  2. Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  3. gestörte Darmflora
  4. Diätprodukte mit Zuckerersatzstoffen
  5. Blähende Lebensmittel
  6. Ungünstige Kombinationen von Nahrungsmitteln
  7. Krankheiten die mit Blähungen einhergehen

1. Schnelles Essen

Stress

Stress und Hektik ist ein Grund für Blähungen

Oft liegt es daran, dass wir zu schnell gegessen haben und beim hastigen Schlucken auch Luft mit in den Verdauungstrakt befördern. Oder die Nahrung nicht richtig gut zerkleinert und zerkaut haben, bevor wir sie schlucken. Teilweise liegt es also gar nicht an den Lebensmitteln selbst, sondern an der Art und Weise, wie wir sie essen.

Oft wird in der Hektik des Alltags nicht mehr richtig gekaut und die Nahrung wandert dann nur grob zerkleinert und kaum eingespeichelt in den Verdauungstrakt. Was dabei vergessen wird: beim sorgfältigen Kaufen wird die Nahrung zu einem Nahrungsbrei verarbeitet, in dem durch den Speichel und dessen Enzyme bereits eine Art „Vorverdauung“ abläuft. Kauen wir zu kurz oder zu schlecht, findet dieser Vorgang schlichtweg einfach nicht mehr statt. Kommt Stress dazu, schlucken wir auch oft noch unbewusst Luft mit herunter, die dann für bekannte Beschwerden sorgt.

Auch wenn für die Blähungen noch andere Ursachen vorliegen, sollte also auf ausreichend Zeit beim Kauen geachtet werden, um die Blähungen nicht zu verstärken.

2. Nahrungsmittelunverträglichkeit

Tagebuch

Ein Ernährungstagebuch ist ein wirksamer Begleiter.

Eine weitere Ursache von Blähungen sind zum Beispiel Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Um das heraus zu finden ist es sinnvoll, eine Art „Ernährungstagebuch“ zu führen, in dem notiert wird, wann was und wieviel gegessen wurde und wie stark die Blähungen (oder andere Verdauungsbeschwerden) danach waren. Denkbare Nahrungsunverträglichkeiten wären:

Zöliakie (Sprue) / Glutenunverträglichkeit

Fruchtzuckerunverträglichkeit

Milchzuckerunverträglichkeit

Milcheiweißallergie

Dabei handelt es sich um eine nicht vollständige Liste. Nur ein Arzt kann wirklich feststellen, ob und welche Nahrungsmittelunverträglichkeit vorliegt! Übrigens, zum Thema Gluten haben wir eine interessante Zusammenfassung: Warum glutenfreie Ernährung bei Endometriose hilfreich sein kann

3. gestörte Darmflora

Darmflora

Eine gesunde Darmflora harmonisiert die Verdauung, stärkt das Immunsystem und die Psyche.

Ernährungsumstellung, Stress oder Antibiotika verändern im Alltag unsere Darmflora. Es kommt zu einer Gleichgewichtsstörung der Darmflora (Dysbiose). Manchmal kann es dabei auch zu einer bakteriellen Fehlbesiedlung führen. Durch die damit verbundene gestörte Verdauung kann es auch zu Blähungen kommen.

Eine Ernährungsumstellung, beispielsweise hin zu mehr Ballaststoffen durch Vollkornprodukte, frisches Obst und Gemüse kann auch der Grund dafür sein, dass plötzlich Blähungen auftreten. Die gute Nachricht: die Darmflora besitzt keine große Ausdauer und reagiert auf ein geändertes Essverhalten innerhalb weniger Tage durch Anpassung der Bakterien. Liegt es nicht am veränderten Essverhalten, kann die Darmflora durch Lebensmittel, die reich an gesunden Milchsäurebakterien sind unterstützt werden: Kefir, Joghurt, Sauerkraut, Kimchi,…

4. Diätprodukte mit Zuckerersatzstoffen

Viele Produkte, die mit „Zuckerfrei“ beworben werden, enthalten statt Zucker andere Zuckeraustauschstoffe, die bei erhöhtem Konsum Blähungen und Durchfall auslösen können. Meist wird auf der Verpackung schon „vor übermäßigem Verzehr“ gewarnt. Zu diesen Stoffen zählen: Sorbit (E 420), Mannit (E 421), Isomalt (E 953), Maltit (E 965), Lactit (E 966) und Xylit (E 967)

Grundsätzlich ist es besser, auf solche Stoffe komplett zu verzichten und den Zuckerkonsum generell zu minimieren.

5. Blähende Lebensmittel

Kohl

Kohl ist in vielerlei Hinsicht bei Endometriose nicht empfehlenswert.

„Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen“ ist ein bekanntes Sprichwort. So auch „Erbsen, Bohnen Linsen bringen den Po zum Grinsen“. Warum ist das so? Zum einen enthalten Hülsenfrüchte viel gesunde Ballaststoffe. Wer sich sonst ballaststoffarm ernährt, hat seine Darmflora von dieser natürlichen Kost entwöhnt und bereitet ihr mit einem Großaufgebot an Ballaststoffen Mühe. Das hat dann also wenig mit Hülsenfrüchten zu tun und passiert genauso bei Volkkornprodukten oder Obst und anderem Gemüse.

Zum anderen enthalten Hülsenfrüchte Stoffe, die schwer verdaulich sind. Dem kann man aber ganz einfach vorbeugen: Das Einweichwasser wegschütten, ebenso das reichliche Kochwasser und auch die Flüssigkeit aus der Dose! Damit ist ein Großteil dieser Stoffe schon entfernt, bevor sie Blähungen bereiten können. Weitere blähende Lebensmittel wie Zwiebeln oder Kohl sollten im Hinblick auf Blähungen eher gemieden werden. Kohl ist bei Endometriose aus anderen Gründen ungünstig: So effektiv wirken Obst und Gemüse bei Endometriose

Auch kalte Erfrischungsgetränke wie Cola und Limo können Blähungen verursachen oder verstärken. Die eiskalten Flüssigkeiten sind nicht gut für gewisse Verdauungsenzyme und können durch die viele Säure des Getränks in Verbindung mit der Kälte auch die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen. Dies und die darin enthaltene Kohlensäure, welche zusätzlich Luft in den Bauch „pumpt“, können auch zu Blähungen führen.

6. Ungünstige Kombination von Lebensmitteln

Currywurst Pommes

Schwer verdaulich: fettes Fleisch mit Fettgebackenem und fetter Sauce.

Eier (und Zwiebeln) enthalten Schwefelverbindungen, die bei der Verdauung im Darm zu Gasbildung führen. Besonders in Kombination mit Fett kann sich da eine recht „explosive“ Mischung bilden. Generell gilt: je fetter die Speise, desto schwerer ist sie zu verdauen. Kommen dann noch „blähfreudige“ Lebensmittel wie Fleisch, Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Kohl oder Ei dazu, kombiniert mit schlechten Essgewohnheiten, die zusätzlich Luft in den Verdauungstrakt „pumpen“, dann sind Blähungen garantiert.

Fleisch braucht generell wesentlich länger zur Verdauung als pflanzliche Kost. Besonders in Kombination mit Fett liegt das Fleisch dann nicht nur „wie ein Stein im Magen“, sondern belastet auch die Darmbakterien. Bei der Verdauung von fettem Fleisch können daher auch Blähungen entstehen. Auch die Kombination aus magerem Fleisch mit fetten Beilagen (z.B. Pommes) bewirkt das gleiche! Warum tierische Nahrung bei Endometriose generell nicht empfehlenswert ist: Vegane Ernährung bei Endometriose

7. Ungünstige Kombination von Lebensmitteln

Liegt es nicht am Essverhalten und/oder einer gestörten Darmflora, so können auch Erkrankungen zu Blähungen führen, ganz unabhängig von Endometriose. Daher müssen anhaltende Blähungen immer vom Arzt abgeklärt werden, denn dahinter können sich zum Beispiel folgende behandlungsbedürftige Krankheiten verstecken:

Erkrankungen der Galle und/oder Gallenblase

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Erkrankungen der Leber

Darmkrebs

Darmparasiten

Auch das Reizdarmsymptom führt zu Blähungen und viele Frauen, die von Endometriose betroffen sind, leiden darunter. Was bei Reizdarmsyndrom hilft, haben wir hier erklärt: Das Reizdarmsyndrom und Endometriose

Was hilft gegen Blähungen?

Obst Gemüse

Ein verändertes Essverhalten hilft äußerst effektiv gegen Verdauungsbeschwerden.

Meist sind Blähungen also auf keine Krankheit zurückzuführen, sondern durch das eigene Essverhalten beeinflussbar – mit oder ohne Endometriose. Aber auch, wenn eine Krankheit als Grund vorliegt, lohnt es sich zusätzlich am Essverhalten zu arbeiten und beruhigende Nahrungsmittel/Tees in den Alltag zu integrieren.

Ein verändertes Essverhalten bringt schon große Verbesserungen. Dabei muss individuell ausgetestet werden, welche Lebensmittel Blähungen oder den Endo-Belly triggern. Ein Ernährungs- und Symptomtagebuch ist hierzu hilfreich.

Es kann also hilfreich sein, die oben genannten Lebensmittel oder – kombinationen zu vermeiden.

Zusätzlich gibt es noch viele kleinere und größere Tipps und Tricks, um Blähungen vorzubeugen oder sie zu lindern, wenn sie auftreten.

  1. Gewürze und Heilkräuter gegen Blähungen
  2. Entspannung
  3. Bewegung
  4. Lefax und Co.

1. Gewürze und Heilkräuter gegen Blähungen

Wer richtig kocht (siehe Hülsenfrüchte) und schlau würzt, kann auch blähende Lebensmittel wie Bohnen, Linsen oder Kohl ohne Beschwerden genießen. Es gibt viele Gewürze, die sogar traditionell mit blähenden Lebensmitteln verwendet werden.

Gewürze

Viele Gewürze helfen, Blähungen vorzubeugen oder sie zu lindern.

Kümmel / Kreuzkümmel

Fenchelsamen

Anis

Pfefferminze

Melisse

Ingwer

Ein starker Tee (besser: Sud) aus diesen Küchenzutaten lindert Beschwerden. Es kann auch helfen, ein paar Tropfen aus diesen Gewürzen gewonnene ätherische Öle auf ein Stück Würfelzucker zu tröpfeln und langsam im Mund zergehen zu lassen. Bitte nur echte ätherische Öle verwenden und keine synthetisch hergestellten Duftöle. Nur echte ätherische Öle haben Wirkung gegen Blähungen!

Bei Kümmel, Anis und Fenchelsamen kann man auf die indische Tradition des „mouthwash“ (Mundwäsche) zurückgreifen: nach dem Essen wird dort eine kleine Portion (etwa ein Teelöffel) in buntem Zucker glasierte Samen serviert. Diese dienen natürlich in erster Linie dazu, nach dem knoblauchreichen Essen den Mundgeruch zu mindern, aber haben den weiteren Effekt, Blähungen durch die an Hülsenfrüchten reiche indische Kost zu verhindern. Eine kleine Portion gemischter Fenchel-. Kümmel- oder Anissamen langsam und gut zerkauen hilft wirklich gegen Blähungen. Vorbeugend und auch dann, wenn der Bauch schon drückt.

2. Entspannung entspannt auch den Bauch

Spaziergang gegen Blähungen

Ein Spaziergang entspannt und reguliert die Verdauung.

Blähungen können zu Bauchkrämpfen und Verspannungen führen, aber umgekehrt kann Anspannung auch zu Verdauungsbeschwerden führen. Entspannungstechniken helfen, auch die Verdauung zu regulieren, um Blähungen vorzubeugen und den Bauch zu entkrampfen, um Blähungen zu lindern.

Dazu gehören Atemtechniken, sanfte Gymnastikübungen sowie schonende Massage (auch der Bauchdecke) und Stressbewältigungstechniken, welche grundsätzlich das Allgemeinwohl fördern. Auch moderate Bewegung, zum Beispiel der berühmte Verdauungsspaziergang, entspannt Kopf und Bauch.

3. Bewegung hilft gegen Blähungen

Ein Verdauungsspaziergang hilft, die Verdauung, insbesondere die Darmbewegung, in Schwung zu bringen, sodass Blähungen seltener entstehen können. Bewegungsmangel führt nämlich zu Verstopfung – und Verstopfung führt zu Blähungen. Allein deshalb sollte man schon dafür sorgen, mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren.

Auch im Hinblick auf Endometriose ist Bewegung in jeder Hinsicht förderlich: Im Tierversuch konnte sogar gezeigt werden, dass moderate bis intensive körperliche Aktivität die Größe der Endometrioseherde verringern konnte. Je länger der Verdauungsspaziergang, desto besser!

4. Lefax und Co.

Tabletten

Freiverkäufliche Mittel gegen Blähungen wirken meist nicht besser als ein Verdauungsspaziergang oder o.g. Hausmittel.

Es gibt einige freiverkäufliche Medikamente die bei Blähungen helfen. Lefax sind beispielsweise Kautabletten, Sab Simplex als Alternative wird in Tropfenform eingenommen. Diese Präparate sind nebenswirkungsarm und können ebenfalls eingesetzt werden.

Aus Erfahrung kann man aber sagen, dass diese Medikamente oft nicht viel besser wirken, als ein Fenchel-Anis-Kümmel Tee und ein Spaziergang. Daher nicht zu viel erwarten und lieber an der Prävention arbeiten.

Die Wirkung ist individuell und jeder sollte seine individuelle Strategie gegen die Blähungen finden!

Fazit

Blähungen sind leider ein häufiger Begleiter von Endometriose. Die Hintergründe dieser Verbindung sind noch nicht ganz geklärt, aber auch generelle Erkenntnisse über Blähungen können zur Linderung der Beschwerden beitragen.

Hinter Blähungen stecken manchmal ernsthafte Erkrankungen oder Lebensmittelunverträglichkeiten die immer abgeklärt werden sollten. Dauerhafte Blähungen sollten daher vom Arzt untersucht werden.

Meist sind aber ungesunde Ernährungsgewohnheiten oder das unter Endometriosepatientinnen häufige Reizdarmsyndrom ein Grund für Blähungen. Mehr zum Reizdarmsyndrom und Endometriose hier. Auch individuelle Reaktionen auf manche Lebensmittel können eine Rolle spielen. Ein Ernährungs- und Symptomtagebuch kann daher sinnvoll sein.

Mit richtiger Ernährung, Bewegung, Reduktion von Stress und gesunder Lebensweise kann man Blähungen effektiv vorbeugen. Kommt es dennoch dazu, helfen Naturheilmittel, die Symptome zu lindern.

Silke Neumann
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