Autoimmunerkrankungen und Endometriose: Studie belegt einen Zusammenhang

Bei der Endometriose handelt es sich nach gängiger Definition um eine chronische gynäkologische Erkrankung, von der bis zu 15 Prozent derFrauen im gebärfähigen Alter betroffen sind [1]. Lange Zeit wurde davon ausgegangen, dass sich die Erkrankung nur auf den Bauchraum, meist sogar nur auf das kleine Becken, bezieht. Aufgrund neuerer Studien sprich jedoch viel dafür, dass es sich um eine systemische Erkrankung handelt [2]. Auch wenn die Ursachen der Endometriose bis heute nicht abschließend geklärt sind, so zeigen sich doch Auffälligkeiten im Immunsystem bei an Endometriose erkrankten Frauen. Eine Meta-Analyse hat daher den Zusammenhang zwischen Endometriose und Autoimmunerkrankungen untersucht [3]. Auch, wenn die vorhandenen Studien noch durch weitergehende, konkretere Studien ergänzt werden müssen, so deutet viel darauf hin, dass ein enger Zusammenhang zwischen Endometriose und dem Immunsystem besteht.

 

Symptome der Endometriose: Mehr als zyklusabhängige Schmerzen

Die Endometriose ist eine gutartige Erkrankung, bei der Zellverbände, die eigentlich nur innerhalb der Gebärmutter vorkommen, auch außerhalb der Gebärmutter wachsen [4]. Diese Zellverbände werden Endometrioseherde genannt, da sie von der Struktur her dem Endometrium, also der Gebärmutterschleimhaut, ähneln. Diese Endometrioseherde können in unterschiedlichen Bereiche auftreten: In den Muskelschichten der Gebärmutterwand, an der Vagina aber auch am Bauchfell, an Harnblase und Harnleiter. Ebenso können Darm, Lunge, Leber und Hautnarben betroffen sein.

Die Symptome, die mit der Endometriose klassischerweise in Zusammenhang gebracht werden, sind zyklusabhängige Unterbauchschmerzen, die auch in den Rücken und die Beine ausstrahlen können. Endometriose zählt auch zu den Ursachen für eine verminderte Fruchtbarkeit beziehungsweise Unfruchtbarkeit [5]. Allerdings haben neuere Untersuchungen gezeigt, dass es im Rahmen der Endometriose auch zu systemischen Entzündungsreaktionen sowie einer erhöhte Schmerzsensibilisierung kommt [6]. Auch ein Zusammenhang zwischen Endometriose und der rheumatoiden Arthritis [7] konnte in einer aktuellen Studie belegt werden.

Der Endometriose auf den Grund gehen: Ursachen und Risikofaktoren für das Entstehen der Erkrankung

Die genauen Ursachen der Endometriose sind bis heute nicht abschließend geklärt. Es gibt mehrere Theorien, von denen jedoch keine alle Facetten der Erkrankung erklären kann [8]. Fachleute gehen daher heute davon aus, dass die Ursache der Endometriose in einer Kombination aus hormonellen, immunologischen, anatomischen und (epi-)genetischen Faktoren zu finden ist.

Zu den wichtigsten Theorien zur Entstehung der Endometriose zählen:

  • Theorie der retrograden Menstruation: Die Anhänger dieser Theorie gehen davon aus, dass Edometriumszellen während der Menstruation über die Eileiter in den Bauchraum gelangen.
  • Coelom-Metaplasie-Theorie: Nach dieser Theorie entwickeln sich die Strukturen der Endometrioseherde aus Zellen im Peritoneum (Bauchfell), der Pleura (Brust-/Rippenfell) und der Ovarien (Eierstöcke).
  • Stammzelltheorie: Danach werden Stammzellen aus dem Knochenmark für die Entstehung der Endometrioseherde als ursächlich angesehen.
  • Lymphatische/vaskuläre benigne Metastasierungstheorie: Gemäß dieser Theorie wird Endometriosegewebe aus dem Uterus über das Lymphsystem oder die Blutbahnen in andere Körperregionen transportiert.

Endometriose und Autoimmunerkrankungen: Überblick über die Studie und deren Ergebnisse

Bei der Studie aus dem Jahr 2019 handelt es sich um eine sogenannte Meta-Studie. Das bedeutet, das bereits vorhandene Studien zu der entsprechenden Fragestellung recherchiert und gezielt ausgewertet wurden. Das Ziel der Studie war es, herauszufinden, ob auf der Basis der bestehenden Forschungsergebnisse davon ausgegangen werden kann, dass ein Zusammenhang zwischen der Endometriose und Autoimmunerkrankungen besteht.

In diese Meta-Studie wurden insgesamt 26 Studien aufgenommen, die den Richtlinien entsprachen. Diese Studien belegten, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Endometriose und Autoimmunerkrankungen gibt. Aus diesen 26 Studien wurden in einem weiteren Schritt vier Studien ausgewählt, die einerseits qualitativ die

Anforderungen des Studiendesigns erfüllten und andererseits einen signifikanten (wissenschaftlich bedeutenden) Zusammenhang zwischen Endometriose und Autoimmunerkrankungen nachweisen konnten.

Über die vier Studien, die gesicherte Ergebnisse lieferten, konnte ein Zusammenhang zwischen Endometriose und den folgenden Autoimmunerkrankungen nachgewiesen werden:

  • Systemische Lupus erythematodes: Rheumatische Erkrankung, die sich vor allem im Bereich von Haut und Gelenken, also mit Hautrötungen und Gelenkschmerzen, zeigt.
  • Sjögren-Syndrom: Erkrankung der Speichel- und Tränendrüsen
  • Rheumatoide Arthritis: Hier sind vor allem die Gelenke an Händen und Füßen betroffen.
  • Zöliakie: Betroffene haben eine lebenslange Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten.
  • Multiple Sklerose: Hierbei handelt es sich um eine chronische Entzündung des Nervensystems.
  • Morbus Crohn: Dies ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung.

Ausblick: Was sich aus den Studienergebnissen ableiten lässt

Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass weitere Studien zur Erforschung des Zusammenhangs von Autoimmunerkrankungen durchgeführt werden müssen. Denn die vorliegende Studie konnte lediglich belegen, dass es einen solchen Zusammenhang zwischen der Endometriose und einigen Autoimmunerkrankungen gibt. Dies bedeutet aber nicht, dass nicht auch ein Zusammenhang zwischen Endometriose und anderen Autoimmunerkrankungen besteht. Zudem ist die Frage zu klären, ob Endometriose Auslöser oder von Autoimmunerkrankungen ist, ob die Endometriose eine Folge von Autoimmunerkrankungen ist oder ob beiden Erkrankungen ähnliche Ursachen zugrunde liegen, also die ähnliche oder identische Auslöser haben.

Eine weitere, oben bereits erwähnte, aktuelle Studie [7], die den Zusammenhang zwischen Endometriose und der Autoimmunerkrankung Rheumatoide Arthritis (RA) untersucht hat, scheint zumindest eine Frage zu beantworten: Da in dieser Studie Frauen mit Endometriose über einen längeren Zeitraum beobachtet wurden, die zu Beginn der Studie (noch) nicht an RA erkrankt waren, scheint Endometriose jedenfalls nicht die Folge von RA zu sein. Es scheint eher so zu sein, dass die Autoimmunerkrankung der Endometriose nachfolgt oder beide Erkrankungen eine ähnliche Ursache haben.

Die Forderung der Studienautoren an behandelnde Ärzte ist, dass bei entsprechender Symptomatik und einer diagnostizierten Autoimmunerkrankung beziehungsweise einer Endometriose an die jeweils andere Erkrankung gedacht werden sollte.

Zusammenfassung:

Obwohl die Endometriose bis zu 15 Prozent der weiblichen Bevölkerung im fortpflanzungsfähigen Alter betrifft, ist über die Ursache der Erkrankung bis heute zu wenig bekannt. Neuere Studien haben Hinweise darauf geliefert, dass es sich bei der Endometriose um eine systemische Erkrankung handelt. Eine aktuelle Studie hat nun den Zusammenhang zwischen Endometriose und Autoimmunerkrankungen untersucht. Hier konnte zumindest für sechs Autoimmunerkrankungen ein Zusammenhang mit der Endometriose nachgewiesen werden. Weitere Studien müssen nun zeigen, in welcher Form sich die beiden Erkrankungen beeinflussen, verursachen oder auf gleiche Ursachen zurückzuführen sind.

Referenzen

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
Zeige alle
Teilen