Histamin und Endometriose – Ein Interview mit Nicole Heinze (Ernährungsberaterin)

Heute spreche ich mit Nicole Heinze, der Ernährungsexpertin aus der medizinischen Hochschule Hannover und Expertin zum Thema Ernährung bei Endometriose. Wir sprechen insbesondere über das Thema Histamin und was es für dich bei Endometriose bedeutet.

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Dr. med. Nadine Rohloff: Ich bin heute hier mit Nicole. Sie ist Ernährungsberaterin, arbeitet an der Medizinischen Hochschule Hannover und ist auch selbstständige Ernährungsberaterin. Vielleicht magst du dich einmal kurz vorstellen und erzählen, wie du zur Endometriose als Endometriose-Ernährungsspezialistin?

Nicole Heinze: Ich bin tatsächlich damals durch meine Dozentin zu dem Thema gekommen, Dr. Iris Brandes, die sich schon seit Ewigkeiten mit dem Thema auseinandersetzt. Dann haben wir überlegt, wie wir tatsächlich im Rahmen meiner damaligen Abschlussarbeit das Thema Ernährung und Endometriose zusammenbringen. Und dann habe ich darüber geschrieben und seitdem hänge ich im Bereich Frauengesundheit und in der Ernährungs- und Endometriose-Szene. Ich liebe es einfach. Es ist einfach total zu meinem Herzensthema geworden. Ich möchte es nicht mehr missen und es gibt noch so viel zu entdecken. Jeden Tag lerne ich etwas dazu und das ist total schön, auch mit allen Endometriose-Patientinnen dann zu arbeiten.

Dr. med. Nadine Rohloff: Ihr habt auch gerade ein Projekt ins Leben gerufen, wo es generell um Frauengesundheit geht, aber Themen, die auch für Endometriose-Betroffene interessant sein können. Magst du dazu noch einmal kurz etwas erzählen?

Nicole Heinze: Ich sitze in Hannover und habe meine Räumlichkeiten mit in der Frauenarztpraxis von einer Kollegin. Dann haben wir noch eine Psychologin mit im Boot und wir drei haben uns gedacht, irgendwie wollen wir das Thema Frauengesundheit und das Wissen darum weiterbringen und haben für Hannover Seminare ins Leben gerufen.

Aktuell sind für dieses Jahr vier Seminare geplant zum Thema Weiblichkeit, wo tatsächlich alle Frauen hinkommen können und all ihre Fragen stellen können. Bringt eure Fragen mit und alles, was euch zum Thema Weiblichkeit einfällt auf den Ebenen Ernährung, Gynäkologie/Frauenheilkunde, Psychologie. Wir versuchen, alles abzugrasen; dafür nehmen wir uns zwei Stunden Zeit, auch in einem kleinen Rahmen von zehn bis 15 Personen. Da müssen wir dann schauen, wie gerade die Corona-Auflagen sind, aber das ist so unser Plan. Das startet am 22.04.2022.

Über Nicole

Nicole Heinze arbeitet als Ernährungsberaterin und ist zusätzlich an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) angestellt. Dort hat sie zu den verschiedensten Ernährungsthemen geforscht und bereits ein Buch veröffentlicht.

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Nicoles Buch:
Ernährung und Endometriose. Zusammenhänge, Hindernisse und Möglichkeiten
Hamburg, Diplomica Verlag GmbH 2018.
ISBN: 978-3-96146-615-3

Dann am 22.06.2022 haben wir das Thema Kinderwunsch auch ganz groß und mit dem Ziel, dass sich tatsächlich alle, die da sind, vernetzen können, und einfach offen darüber gesprochen wird, was ein Kinderwunsch auch einfach mit sich bringt. Auch da wieder mit unseren drei Kernthemen.

Am 15.09.2022 geht es dann allgemein um die Schwangerschaft: Was es mit den Nährstoffen zu beachten gibt; wie verändert sich der Körper; was macht es vielleicht auch mit meiner Psyche als werdende Mutter – und auch die Ängste, die vielleicht mit einer Geburt einhergehen. Das sind alles Dinge, die wir thematisieren wollen.

Und am 14.11.2022 haben wir dann das Thema Familienleben: Wie finde ich mich mit Kind im Thema Sexualität wieder mit meinem Partner; was verändert sich da; wie verändert sich der Ablauf; wie komme ich in der ersten Zeit mit dem Stillen zurecht; wie komme ich auf meine Nährstoffe; wie falle ich selbst als Frau nicht hinten runter, wenn dann erst einmal ein kleiner Knirps im Mittelpunkt steht. Also das ist auch ein ganz großes Paket. Das ist der Start von hoffentlich ganz vielen tollen Vorträgen und einem schönen Austausch. Das Ganze findet dann auch bei FeminityHealth statt.

Dr. med. Nadine Rohloff: Sehr cool! Heute wollten wir uns ja über das Thema Histamin unterhalten. Das ist ja auch ein großes Thema, was im Zusammenhang mit Endometriose immer wieder genannt wird, und wir bekommen auch immer wieder viele Fragen dazu. Deswegen sprechen wir heute einmal mit der Expertin und fangen ganz vorne an: Was ist Histamin?

Nicole Heinze: Histamin zählt zu den sogenannten biogenen Aminen. Letztendlich ist es nichts anderes als ein Stoff, der ähnlich auch hormonell wirken kann oder auch im Gewebe mitwirkt oder auch als Neurotransmitter in unserem Körper arbeitet, der eigentlich im Grunde nichts anderes als eine vermittelnde Aufgabe im Körper übernimmt, aber ganz gerne mal Entzündungsprozesse mit triggert. Das kann man sich vorstellen, wie beispielsweise bei einem Mückenstich: Der Körper bildet dann eine Entzündung aus, so einen kleinen Hubbel auf dem Arm, der juckt und der erst einmal abgebaut werden muss. Und das kann halt auch im Körper durch das Histamin passieren. Da entstehen dann keine Pickel, aber es ist ein Entzündungsprozess.

Dr. med. Nadine Rohloff: Es ist ein Botenstoff, der auch andere Aufgaben hat, aber halt auch Entzündungsprozesse mit triggert. Jetzt ist natürlich die Frage: Welche Funktion oder welchen Effekt hat Histamin auf die Endometriose? Warum ist das vielleicht bei Endometriose besonders wichtig zu wissen?

Nicole Heinze: Auch bei der Endometriose haben wir ja Entzündungsprozesse. Dadurch müssen alle Betroffenen besonders vorsichtig sein und auch grundsätzlich darauf achten, dass die Entzündungsprozesse eher niedrig gehalten werden. Da kann es auch helfen, vor allem da Endometriose ja häufig mit Allergien eingeht – ich habe total viele Frauen bei mir in der Beratung, die Endometriose und Fruktoseintoleranz, Histaminintoleranz, diverse Allergien oder Kreuzallergien haben. Da gibt es eine sehr enge Verschränkung mit dem ganzen Thema.

Dr. med. Nadine Rohloff: Histamin ist im Körper normalerweise auch vorhanden. Wie hängt das denn mit den Hormonen zusammen? Hormone sind ja bei der Endometriose auch allgegenwärtig. Hängt das irgendwie zusammen?

Nicole Heinze: Histamin ist ja auch ein Gewebshormon bzw. kann als Gewebshormon fungieren. Dadurch gibt es eine Beeinflussung mit Östrogen. Also wenn unser Histaminspiegel im Körper hoch ist – aus welchem Grund auch immer, weil wir von außen zu viel zuführen, weil wir zu viel Stress haben, weil der Abbau des Histamin im Körper nicht richtig funktioniert – dann ist auch unser Östrogenspiegel hoch. So kann sich das tatsächlich auch potenzieren, wenn der Östrogenspiegel hoch ist, ist der Histaminspiegel hoch. So kann man es rein theoretisch immer weiter hochschrauben, wenn man es nicht auf natürliche Weise senkt – durch unseren Zyklus sinkt das Östrogen ja irgendwann wieder durch den Gegenspieler Progesteron. Den brauchen wir auch, um den Östrogenspiegel wieder zu senken und demnach auch das Histamin wieder etwas runterzubekommen. Da gibt es halt den direkten Zusammenhang. Es kann nicht ins Unermessliche steigen, denn irgendwann steigen halt die Probleme im Körper an. Aber es beeinflusst sich gegenseitig und hängt halt zusammen.

Dr. med. Nadine Rohloff: Das ist spannend. Ich fasse nochmal zusammen: Histamin wird ja auch im Körper produziert und das hängt auch mit dem Östrogenspiegel zusammen. Das heißt, es beeinflusst sich wechselseitig. Histamin fördert Östrogen, Östrogen fördert Histamin. Und normalerweise ist dies während des weiblichen Zyklus einfach ein Teil davon. Du hast gesagt, Stress kann auch Histamin beeinflussen. Welchen Einfluss hat es?

Nicole Heinze: Stress tut ja viele Dinge in unserem Körper, die wir auch gar nicht so in Gänze erfassen können. Aber es kann halt sein, dass er sich auf unsere Darmgesundheit mit auswirkt. Im Dünndarm wird auch ein wichtiges Enzym gebildet, was das Histamin mit abbaut. Das DAO – also Diaminooxidase – wird als Gegenspieler des Histamins genannt und baut es ab, wenn die Darmflora gut aufgebaut ist – also nicht durch Stress beeinflusst ist. Dann kann es sein, dass, wenn mehr Histamin gebildet wird, es leichter abgebaut wird. Ein großer Punkt beim Stress ist unser Stresshormon Cortisol. Cortisol steht am Ende einer ganz langen Bildungskette. Irgendwo in dieser Bildungskette steht der Histamin- bzw. Östrogengegenspieler Progesteron. Das heißt, wenn wir Stress haben bzw. der Körper gesagt bekommt, wir müssen jetzt Cortisol – also Stresshormone – produzieren – aus welchen Gründen auch immer – wird Progesteron einfach mal ins Cortisol umgebaut. Dann fehlt es unserem Körper aber als Gegenspieler.

Dr. med. Nadine Rohloff: Das hat dann natürlich komplexe Einflüsse auf die Endometriose, aber auch auf den Östrogenhaushalt und damit wiederum auf den Histaminhaushalt. Das heißt, zu viel Histamin ist nicht gut. Es wird ja nicht nur vom Körper produziert, sondern ist auch in vielen Nahrungsmitteln enthalten, weswegen es ja total super ist, dass wir gerade miteinander sprechen. Welche Rolle spielt denn Histamin in der Ernährung?

Nicole Heinze: Eine relativ große, möchte ich fast sagen – zumindest, wenn ich mit meinen Klientinnen über das Thema Histamin spreche, höre ich oft: „Jetzt kann ich bald gar nichts mehr essen“. So ist es natürlich nicht! Aber Histamin ist viel in geräucherten Lebensmitteln vorhanden – alles, was lange (wie Salami) zum Trocknen hängt, Räucherfisch. Und die zwei großen Punkte, die viele Menschen momentan in die Verzweiflung treibt, sind Tomaten, Tomatensaucen und Schokolade. Also Kakao ist halt ein Histaminlieferant bzw. setzt es frei.

Dr. med. Nadine Rohloff: Was würdest du denn empfehlen, wenn man Tomaten und Schokolade – man möchte vielleicht weniger Histamin essen – ersetzen will? Pesto vielleicht?

Nicole Heinze: Tatsächlich hast du bei Pesto alte Käsesorten, die auch viel Histamin enthalten. Bei Pesto nimmt man ja standardmäßig Parmesan, der ja auch locker drei bis sechs Jahre reift, bevor er genutzt wird. Also ist er relativ histaminhaltig. Bevor ich hier aber komplett alles kaputt mache: Es ist so, dass jeder Mensch seine individuelle Histaminschwelle hat, wann es für ihn zu viel wird. Und diese zu finden, ist halt die Aufgabe. Das heißt, man kann vielleicht in der ersten Phase zum Beispiel Tomatensauce durch Ajvar – also eine Paprikasauce – ersetzen, um überhaupt erstmal eine Alternative zu haben. Aber eine histaminfreie oder histaminarme Ernährung ist nichts für immer. Das ist etwas, was man mal eine Zeit lang machen kann, wenn man tatsächlich eine Histaminintoleranz hat – was ca. ein bis fünf oder ein bis acht Prozent der Bevölkerung betrifft – dann muss man halt ein bisschen vorsichtiger oder halt ein weniger Histamin zu sich nehmen. Als Übergang empfehle ich tatsächlich meinen Klientinnen, erstmal zwei Wochen nur weiße Schokolade zu essen – ich weiß, es ist nicht das Gleiche wie eine gute Zartbitterschokolade.

Dr. med. Nadine Rohloff: Aber das geht? Das ist ja eigentlich auch gut zu wissen!

Nicole Heinze: Ja, weil da halt nicht das Kakaopulver verwendet wird, sondern das Öl bzw. das Kakaofett. Das hat halt nicht diesen Effekt.

Dr. med. Nadine Rohloff: Du hast gerade schon gesagt, es gibt die Histaminintoleranz und es gibt natürlich eine Schwelle, wo man selber merkt, dass es jetzt zu viel Histamin ist. Man merkt also diesen entzündungsfördernden Einfluss. Wie fängt man an: Sollte man versuchen, alles mit Histamin wegzulassen? Wann, würdest du sagen, merkt man, dass eine Histaminintoleranz vorliegt? Welche Menschen müssen vielleicht viel darauf achten, die ja – Gott sei dank – in der Minderheit sind?

Nicole Heinze: Eine Histaminintoleranz merkt man weniger als eine Laktose- oder Fruktoseintoleranz. Diese merkst du ja im Bauch: Du bist mehr aufgebläht und die Verdauung funktioniert nicht so gut. Gerade bei Laktoseintoleranz geht das ja mit Durchfall einher. Eine Histaminintoleranz ist eher etwas, bei der man die Symptome eher im Kopf merkt. Das hat vielleicht jeder schonmal irgendwie durchgemacht: Wenn man zum Beispiel abends zusammengesessen hat, einen schönen alten Rotwein getrunken hat, schöne Käseplatte dazu, am besten noch ein bisschen Räucherwurst. Und am nächsten Tag hatte man vielleicht auch ein bisschen Kopfschmerzen wegen des Alkohols. Aber einige bekommen dann auch eine verstopfte Nase, also die Nase geht zu. Das ist eine typisch allergische Reaktion: Kopfschmerzen, Allergien, gerade auch Ausschlag im Dekolleté oder auch im Gesicht, wenn man rote Flecken bekommt. Also ist dies schon ein Zeichen, dass es vielleicht ein bisschen zu viel Histamin war. Aber das ist auch mal überhaupt kein Problem und gerade, weil du jetzt noch einmal gefragt hast, wann und wie man das Ganze machen kann: Gerade in der ersten Zyklushälfte soll das Östrogen ja auch erstmal für den Eisprung mit ansteigen. Da ist es meistens gar nicht so schlimm und Histamin wird teilweise auch besser vertragen. In der zweiten Zyklushälfte wäre ich dann ein bisschen vorsichtiger, wenn ich dann auch merke, dass ich darauf reagiere – mit Kopfschmerzen, mit einer dichten Nase, ein bisschen Ausschlag. Dann wäre es eher ein Punkt, wo man in der zweiten Zyklushälfte histaminhaltige Lebensmittel reduzieren sollte.

Dr. med. Nadine Rohloff: Vielleicht auch in Bezug auf Endometriose, weil im Zyklus häufig auch die Beschwerden vermehrt da sind – dass man wirklich in der zweiten Zyklushälfte auch ein bisschen darauf verzichtet, damit man dann auch diesen kurzfristigen Effekt für die Entzündung nicht hat. Also in der zweiten Zyklushälfte könnte man vielleicht mal ausprobieren, weiße Schokolade statt Zartbitterschokolade oder Paprikasauce durch Tomatensauce zu ersetzen.

Nicole Heinze: Das könnte man ausprobieren. Wichtig ist aber auch – was ich als Basis von allem nehme – auf die Darmgesundheit zu achten. Wenn man sich unsicher ist, wie es „da unten“ überhaupt aussieht, weil man lange vielleicht aufgrund von Blasenentzündung oder anderer Problematiken Antibiotika genommen hat: Macht dann ruhig noch einmal eine Kur, indem ihr dann bestimmte Darmbakterien noch einmal mit zuführt. Das ist ein ganz großer Punkt. Und man sollte ausreichend trinken. Dann kann man natürlich – wenn man möchte – noch auf entzündungshemmende Nahrungsmittel grundsätzlich achten, um insgesamt die Entzündungen im Körper gering zu halten. Aber auch die gehen meistens schon in Richtung histaminarm.

Dr. med. Nadine Rohloff: Das ist auch ein wichtiger Punkt: Histamin ist nicht das Einzige, was man bei der Ernährung beachten muss. Am wichtigsten ist, dass man sich durchgängig gesund ernährt. Eine histaminarme Ernährung kann ein Bonus sein, wenn man merkt, es tut einem gut. Und vielleicht auch noch mal der Hinweis: Manches kann man selber mal ausprobieren, aber wenn man wirklich das Gefühl hat – gerade beispielsweise bei der Histaminintoleranz – und einem das alles bekannt vorkommt, wäre auch total wichtig, eine Ernährungsberatung persönlich zu machen.

Nicole Heinze: Für die Eigenrecherche ist aber auch ganz wichtig: Lasst euch nicht verrückt machen! Es gibt im Internet so viele Infos, was denn Histamin enthält, was alles so „böse“ und schlecht ist. Findet es für euch selbst heraus und zur Not sucht euch Hilfe und Unterstützung. Leider ist es so, dass die Histaminintoleranz ähnlich gut untersucht wie die Endometriose ist. Da sind teilweise sehr individuelle Meinungen im Internet unterwegs. Was helfen kann, ist, sich einfach mal alternative Rezepte herauszusuchen. Also, ernährt euch nicht selbstständig strikt nach irgendeinem Plan, weil ihr das Gefühl habt, ihr müsstet euch histaminarm ernähren. Das geht meistens nach hinten los, führt zu Frustration und noch mehr Stress im Körper – das brauchen wir ja nicht. Ich habe mir irgendwann einmal auf Anraten von einer Kollegin ein Rezeptbuch für Histamin besorgt. Das ist jetzt keine bezahlte Werbung – ich fand es einfach nur ganz gut, ein paar Alternativen zu haben.

Dr. med. Nadine Rohloff: Also, es ist gar keine bezahlte Werbung – wir kennen die Dame alle nicht. Aber es geht ja einfach nur darum – es muss ja nicht dieses Buch sein – aber man kann sich ja einfach mal histaminarme Rezepte heraussuchen.

Nicole Heinze: Es ist halt recht gut recherchiert von Anne Kamp – Histaminintoleranz Genussrezepte. Und das ist mir auch ganz wichtig: Verliert den Spaß am Essen nicht! Ich erzähle auch immer viel tagein, tagaus und die Klientinnen sind dann erstmal verzweifelt und wollen am liebsten alles über den Haufen schmeißen und sofort strikt alles durchziehen, was ich irgendwie ansatzweise als negativ deklariert haben könnte. Da ist es wichtig, ein bisschen Entspannung reinzubringen und auf sich selbst zu achten. Dazu gehört halt auch, zu genießen.

Dr. med. Nadine Rohloff: Das finde ich ganz wichtig, zu sagen. Wenn man hört „Keine Tomaten“ und dann keine Tomaten mehr essen kann. Aber so ist es ja dann auch nicht gemeint, aber man schaut, wie viel man verträgt. Wenn man dann auf bestimmte Dinge verzichtet, sollte man immer schauen, was man essen kann, das trotzdem schmeckt.

Nicole Heinze: Sehr interessant ist übrigens, je frischer die Tomaten sind, desto weniger Histamin enthalten sie. Und es ist wohl so, dass diese „Wasserbomben“ aus den Niederlanden, die eigentlich gar nicht so richtig nach Tomate schmecken, dass die am wenigsten Histamin haben. Also, diese Tomaten, die eigentlich nur aus Wasser bestehen.

Dr. med. Nadine Rohloff: Je weniger Geschmack, desto weniger Histamin?

Nicole Heinze: In dem Fall stimmt es leider.

Dr. med. Nadine Rohloff: Also, Tomatenmark zum Beispiel – als Gegenteil – ist dann eher konzentriert. Das ist aber auch wieder ein Punkt: Je frischer man selber kocht, desto besser und desto weniger macht es etwas aus. Im Vergleich zur Fertigsauce ist es vielleicht besser, frisch zu kochen generell.

Nicole Heinze: Ja, und wichtig ist, wenn etwas übrig bleibt – gerade jetzt, wenn es draußen noch kalt ist – stelle es raus, damit es schneller abkühlt. Denn, wenn es eher langsam abkühlt, ist die Möglichkeit, dass sich mehr Histamin bildet, höher. Also, schnell herunterführen und schnell aufwärmen, das sind zwei Tipps, die ein bisschen gegen das Histamin wirken.

Dr. med. Nadine Rohloff: Spannend! Gibt es sonst noch etwas, das du sagen möchtest?

Nicole Heinze: Passt auf euch auf, achtet auf euch selbst und seht euren Körper nicht als Feind. Euer Körper, euer Kopf – das bist alles Du, das ist ein und dieselbe Person. Und du möchtest nicht dein Leben lang mit dir selbst im Krieg sein. Also versuche einfach, da irgendwie die Lücke zu schließen und ein bisschen Ruhe reinzubringen – und auch das mit der Ernährung nicht komplizierter zu machen, als es sowieso schon ist. Lasst die ganzen Gedanken und das ganze Komplizierte bei den Ernährungsfachkräften und nehmt euch nur das, was ihr braucht!

Dr. med. Nadine Rohloff: Das ist doch ein schönes Schlusswort. Ganz lieben Dank, Nicole. Bis zum nächsten Mal!

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Dr. med. Nadine Rohloff