Schritt für Schritt zum richtigen Ernährungsberater

Bei Endometriose macht eine Ernährungsumstellung Sinn, denn es ist möglich, mit der Ernährung viele Symptome wie Entzündungen, Schmerzen und Wachstum der Endometrioseherde zu lindern. Doch insbesondere dann, wenn deine alltäglichen Ernährungsgewohnheiten weit entfernt von der Ernährung ist, die bei Endometriose empfehlenswert ist, solltest du einen Ernährungsberater um Hilfe bitten, um nicht weitere Gesundheitsprobleme durch Mangel- oder Fehlernährung hervorzurufen oder deine Symptome damit noch zu verschlimmern.

Insbesondere dann, wenn du beschließt dich nur noch vegetarisch oder vegan (warum, liest du hier), vielleicht auch glutenfrei oder glutenreduziert (mehr dazu hier) zu ernähren, solltest du die Ernährungsumstellung zu deiner eigenen Sicherheit und Gesundheit von einem Profi begleiten lassen. Auch dann, wenn du die Low FODMAP Ernährung (mehr dazu hier) für dich ausprobieren möchtest oder zusätzlich noch Unverträglichkeiten oder Allergien vorliegen. Doch wie findest du den für dich geeigneten Ernährungsberater?

Ernährungsberater

Jeder darf sich Ernährungsberater nennen

Die Berufsbezeichnung „Ernährungsberater“ ist in Deutschland nicht gesetzlich geschützt. Das bedeutet: Nicht jeder, der sich „Ernährungsberater“ nennt, ist auch medizinisch ausgebildet. Jeder der behauptet, Pommes mit Mayo seien gesund, darf sich genauso „Ernährungsberater“ nennen wie Menschen, die ihr Geld mit dem Verkauf von „gesundheitsfördernden Mittelchen“ (zum Beispiel Nahrungsergänzungsmittel) verdienen oder solche, die tatsächlich eine fundierte Ausbildung oder ein Studium in dem Bereich absolviert haben.

Es ist für dich erstmal richtig schwierig, den richtigen Ansprechpartner zu finden. Auch manche Ärzte verdienen sich nämlich ein „kleines“ Zubrot durch den Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln und beraten dadurch weniger neutral, als du es vermuten würdest. Doch wie findest du eine Ernährungsberatung, der du vertrauen kannst?

Wann ist ein Ernährungsberater seriös?

Die Grenzen zwischen „gut ausgebildet“ und „Verkaufsberater“ sind fließend, da ja auch Ärzte oder andere medizinische Berater manchmal Produkte verkaufen, die ihre fachlich fundierte Beratung „ergänzen“. Ein seriöser Ernährungsberater wird dir vielleicht Produkte empfehlen, dir diese Produkte aber nicht selbst verkaufen. Ein vertrauensvoller Ernährungsberater ist nur Berater und nicht Verkäufer und vermittelt auch keine Verkäufe an „Partner“ oder „Kollegen“. Schickt er dich beispielsweise in einen bestimmten Laden, um dort ein bestimmtes Produkt zu kaufen, welches dort auch „zufällig“ vorrätig ist, kann es sich um ein Provisionsgeschäft handeln und es ist auch Vorsicht geboten.

Ein paar Kriterien, anhand derer du beurteilen kannst, ob Produktverkauf oder Wissensvermittlung im Fokus stehen sind:

  • Verkauft der Berater Produkte?
  • Hat er eine wissenschaftliche oder medizinische Ausbildung (z.B. durch die Bundesärztekammer)?
  • Ist es ein Ernährungsmediziner, Oecotrophologe oder Diätassistent?
  • Werden die Kosten im Rahmen der Präventionsprogramme oder aufgrund der ärztlichen Notwendigkeitsbescheinigung von der gesetzlichen Krankenkasse (in Deutschland) ganz oder teilweise übernommen?
  • Ist er vielleicht von der gesetzlichen Krankenkasse anerkannt?

Es müssen natürlich nicht alle Kriterien gleichzeitig zutreffen. Manche Ernährungsmediziner zum Beispiel arbeiten nicht mit gesetzlichen Krankenkassen zusammen, sind aber trotzdem top ausgebildet und können dir weiterhelfen. Im Zweifelsfall vereinbare einen Probetermin und entscheide danach, ob du dich dort weiterhin in guten Händen fühlst oder nicht.

Nahrungsergänzungsmittel
gegen Blähungen

Es muss kein Spezialist sein

Nicht alle Ernährungsberater sind fit im Thema „Ernährungsumstellung bei Endometriose“. Aber ein qualifizierter Ernährungsberater ist gut ausgebildet, um zum Thema Reizdarm, Blähungen, Histamin, vegetarische oder vegane Ernährung und anderen Endometriose-spezifischen Ernährungsthemen zu beraten und eine diesbezügliche Ernährungsumstellung langfristig zu begleiten. Vielleicht rufst du vorher an und erklärst, worum es dir geht und gibst deinem neuen „partner in Crime“ so die Chance, dir optimal vorbereitet zu begegnen!

Es kann sein, dass eine solche Beratungsstelle nicht in deinem Heimatort ist und du etwas fahren musst, um zur nächstgelegenen qualifizierten Ernährungsberatung zu kommen, aber es ist der einzige richtige und sinnvolle Weg, um wirklich Hilfe zu bekommen. Schließlich gehst du auch in ein Endometriosezentrum und nicht zum Internisten, obwohl beide sich mit „Bauchweh“ beschäftigen, oder?

Wo finde ich „meinen“ Ernährungsberater?

Über die Webseiten folgender Berufsverbände lässt sich eine fachkundige Ernährungsberatung in der Nähe finden:

  • Berufsverbands Oecotrophologie (VDOE)
  • Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner e.V. (BDEM)
  • die Deutsche Gesellschaft der qualifizierten Ernährungstherapeuten und Ernährungsberater e.V. (QUETHEB)
  • Verband für Ernährung und Diätetik e.V. (VFED)
  • Verband der Diätassistenten (VDD)

Erkundige dich dann, welche Beratungsangebote die Praxis, die dich begleiten soll, anbietet. Gibt es grundsätzlich nur Einzeltermine oder sind es Gruppentermine? Ein Gruppentermin kann, auch wenn das für dich zunächst abschreckend klingt, sehr sinnvoll sein, denn du lernst andere Betroffene kennen und kannst von ihren Erfahrungen, Rückschlägen und Erfolgen lernen. Auch Einzeltermine machen Sinn. Hauptsache, du fühlst dich wohl und gut aufgehoben und bist dir sicher, dass du nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und nicht nach Marketingstrategien beraten wirst!

Ernährung

Bitte nicht!

Eine Ernährungsberatung kann nur erfolgreich sein, wenn du dich nicht nur „berieseln“ lässt, sondern aktiv mitmachst, Fragen stellst, zuhause ausprobierst und motiviert an der Ernährungsumstellung mitarbeitest. Der Ernährungsberater kann dir nur sagen, wie es funktioniert, umsetzen musst du es aber selbst.

Eine individuelle und persönliche sowie fachlich fundierte Ernährungsberatung ist nicht durch online-communities und gut gemeinte Ratschläge aus sozialen Medien zu ersetzen. Bitte vertraue keinesfalls Menschen, die dir im Zuge einer „Beratung“ (egal ob on- oder offline) auch Produkte, zum Beispiel Vitamintabletten oder sonstige Nahrungsergänzungsmittel verkaufen möchten. Mehr zum Thema Nahrungsergänzungsmittel und Endometriose erfährst du hier.

Wichtig ist für den langfristigen Erfolg auch, dass diese Ernährungsberatung nicht einmalig erfolgt, sondern die gesamte Ernährungsumstellung begleitet. In den ersten Wochen sollte daher eine engmaschige, wöchentliche Beratung stattfinden, später reicht es monatlich oder vierteljährlich. Ziel ist es, dir das nötige Wissen und Verständnis zu vermitteln und dich so lange anzuleiten, bis du deine neue Ernährung fast fehlerfrei anwendest.

Eine begleitende Ernährungsberatung ist nämlich nicht nur dafür da, um Mangel- oder Fehlernährung und daraus resultierende Gesundheitsrisiken auszuschließen, sondern auch, um „Ausrutscher“ und „Rückfälle“ zu erkennen und dich behutsam wieder „auf Kurs“ zu bringen.

Dein Körper ist individuell und gehört in die Hände von medizinischem Fachpersonal! Schließlich gibst du dein Auto auch dem Mechaniker zur Reparatur und nicht dem Verkäufer, oder? Wir wünschen dir viel Erfolg!

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Silke Neumann (zertifizierte Ernährungsberaterin)
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