Ernährungsberatung bei Endometriose – Gespräch mit Nicole Heinze

Ernährungsberatung bei Endometriose kann eine große Hilfe sein.

Nicole Heinze ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und selbstständige Ernährungsberaterin für Frauen.

Ihr Forschungsgebiet ist der Einfluss von Ernährung bei Endometriose – und somit ist sie eine wunderbare Gesprächspartnerin zum Thema Ernährungsberatung bei Endometriose!

Wie bist du denn zum Thema Ernährung bei Endometriose gekommen?

Nicole: Ich habe vor acht Jahren Ernährungsberatung studiert. Danach habe ich noch einen Master in Gesundheitswissenschaften gemacht. Ich bin durch meine damalige Dozentin und jetzige Kollegin Dr. Iris Brandes zum Thema gekommen. Ich wollte meine Masterarbeit unbedingt bei ihr schreiben. Ihr Thema war Endometriose und meines war Ernährung. Die beiden Themen wurden sozusagen zusammengepackt und dabei bin ich hängengeblieben.

Wie ist denn gerade der Stand der Forschung bei Ernährung und Endometriose?

Nicole: Es ist schwer, der Stand der Forschung ist noch ein bisschen mau. Es wird zwar geforscht, aber nur an wenigen Orten weltweit. Vieles basiert dabei auf Erfahrungsberichten.

Es ist natürlich schön, wenn man etwas hat, von dem die Frauen sagen, das hilft mir. Erfahrungsberichte können hilfreich sein, wenn die Forschung noch nicht so weit ist. Aber allein daraus sind meistens keine richtigen Aussagen über Dos and Don’ts möglich.

Und es wird in allen möglichen Richtungen geforscht aber oft noch nicht genug zu jedem Thema: Es werden zwei Studien zu Vitamin D gemacht, zwei Studien zu glutenfreier Ernährung. Wenn aber zwei Studien, die zu einem Bereich gemacht werden, sich auch noch widersprechen oder von unterschiedlicher Qualität sind, ist die Aussage der Studien getrübt. Der Stand der Forschung ist also noch etwas ausbaufähig.

Von den Erkenntnissen, die es gibt – welche sind die drei wichtigsten, die du uns verraten kannst?

Nicole:

Punkt 1: Ernährung nimmt Einfluss auf die Endometriose. Mit der Ernährung können die Symptome, verändert, verringert und verbessert werden.

Punkt 2: Dies geschieht über eine ganz normale Ernährung. Das heißt, es braucht dafür keine Nahrungsergänzungsmittel. Solche Mittel sind nicht nötig, solange vom Arzt oder durch eine Blutuntersuchung kein Mangel nachgewiesen wurde und nicht zusätzlich zur Endometriose ein Kinderwunsch ansteht.

Punkt 3: Bei der Endometriose muss die Ernährung genauso individuell sein wie die Erkrankung. Jede Trägerin hat eigene Symptome, die Endometriose sitzt an anderen Orten, die Stadien sind anders. Häufig geht es mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien oder Kreuzallergien einher. Auf diese Dinge sollte individuell geschaut werden. Da müssen die Ernährungsfachkräfte mit der Patientin Hand in Hand arbeiten. Sonst funktioniert es meiner Meinung nach nicht.

Es ist also gut, sich gesund zu ernähren. Man muss aber auf sich selber schauen. Es gibt also keine IMMER gültigen Verbote?

Nicole: Im Sinne von Verbot gibt es nichts Zwangsläufiges. Man sollte da immer individuell auf sich schauen. Wenn man sich gesund ernährt, macht man erstmal alles richtig.

Was gibt es für Mythen? Gibt es Dinge über Endometriose, die du gehört hast, die nicht oder nicht ganz stimmen?

Nicole: Es gibt nicht das eine Ernährungs-Endometriose-Buch: Es gibt solche Bücher. Aber die allgemeingültige Ernährung bei Endometriose ist ein Mythos, weil es nicht DIE richtige Ernährung bei Endometriose gibt. Da die Frauen unterschiedlich sind, kann es nicht eine Ernährung geben, die allen hilft. Das ist schon im normalen Leben so, das ist bei Endometriose auch so. Dann gibt es die pauschalen Aussagen: „Du hast Krämpfe, nimm doch Magnesium.“ Das ist eine schwierige Aussage. Ein Wadenkrampf kann auch mit Wassermangel oder mit einem Kaliummangel zusammenhängen.

Es kursieren allein über normale Ernährung unglaublich viele Aussagen, die teilweise zweifelhaft sind. Diese basieren manchmal auf einer Studie, obwohl 25 Studien etwas anderes sagen. Man muss es hinterfragen. Das heißt aber nicht, dass es nicht gut ist, wenn die Frauen, die von Endometriose betroffen sind, darüber berichten, was ihnen geholfen hat. Das sollte besser gesammelt werden, damit man auswerten kann, was denn wirklich helfen kann. So können die ganzen Mythen ausgeschlossen werden und am Ende hat man mehr Richtwerte.

Es ist einfach bei allen Empfehlungen wichtig darauf zu achten, was einem individuell hilft.

Sprechen wir über einzelne Sachen, die bei diesen Erfahrungsberichten häufig zu Tage kommen, wie beispielsweise das Thema Milch. Zu Milchprodukten und Endometriose gibt es sehr polarisierende Meinungen.

Nicole: Milchprodukte werden schon allgemein sehr stark diskutiert. Aufgrund meiner Forschung kann ich in Bezug auf Endometriose keinen Vor- oder Nachteil von Verzicht oder Verzehr von Milchprodukten ableiten. Es gibt eine Studie aus 2004. Diese besagt, dass es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Milchverzehr und Endometriose gibt. Es gibt aber auch ein Buch, das empfiehlt darauf zu verzichten. Aber ein anderes Review sagt hingegen, dass es helfen kann probiotische Lebensmittel zu konsumieren.

Es gibt zum aktuellen Stand keine klaren Aussagen: Beide Seiten werden propagiert. Für mich ist der richtige Weg damit umzugehen, auf die betroffene Frau und deren Bauchgefühl einzugehen. Also hat die Frau das Gefühl, dass ihr Milch gut tut?

Wo kann man denn eine Ernährungsberatung bei Endometriose finden?

Einzelne Ernährungsberatungen sind auf Frauengesundheit spezialisiert haben. Es gibt aber sehr wenige, die sich speziell auf Endometriose und Ernährung spezialisiert haben.
Ich habe mich Anfang des Jahres selbständig gemacht, auch weil es so ein Angebot aktuell fast nicht gibt. Aus der Forschungsarbeit habe ich extrem viel über Ernährung bei Endometriose gelernt. Aber während der Forschungsarbeit in der Universität habe ich auch gemerkt, dass mir die Praxis fehlt.

Der Bedarf nach wissenschaftlich fundierter Ernährungsberatung ist da und gleichzeitig hilft es der Forschung, wenn ich aus erster Hand mitbekomme welche Probleme da sind. Die Praxis braucht mich und ich brauche die Praxis quasi (lacht).

Vorher wusste ich nicht, wen ich empfehlen konnte, wenn ich darauf angesprochen wurde, wer eine solche Ernährungsberatung macht.

Wo findet man dich genau?

Nicole: Mich findet man aktuell auf meiner Homepage: www.dein-lebensmittelpunkt.de. Dazu gibt es einen Instagram-Account. Da findet man auch alles zu meinem Kursen zum Thema Frauengesundheit und zu den aktuellen Kursen im Bereich Kinderwunsch, Schwangerschaft, Stillzeit. Dazu soll jetzt noch ein Endometriose-Ernährungskurs kommen. Da kann man Kontakt zu mir aufnehmen und dort findet man mich – online. Und in der realen Welt in der Frauenarztpraxis.

Wie läuft eine Ernährungsberatung bei Endometriose generell ab?

Nicole: Das ist individuell. Bei mir gibt es am Anfang ein Kennenlerngespräch, damit man feststellen kann, ob wir auf einer Wellenlänge liegen und es für die nächste Zeit – zwei Monate oder auch länger – funktionieren kann. Und dann sind regelmäßige Termine sinnvoll um zu schauen, ob alles geklappt. Aber wie es nun mal so ist, Ernährung ist eine individuelle Sache und das heißt ich erarbeite mit jeder Frau einen individuellen Fahrplan für die weiteren Termine.

Wenn keine Vorerkrankungen vorliegen, kann das Ganze mit der Unterstützung der Krankenkasse stattfinden. Im Moment bin ich dabei die Zertifizierung und Zulassung für die Krankenkassenerstattung zu bekommen.

Bei einer Frau mit Endometriose ist es anders: Dazu muss die betroffene Person ein Schreiben des Arztes mitbringen, dass es in Ordnung ist, ein Ernährungscoaching durchzuführen. Dafür benötigt die Ernährungsberatung auch eine bestimmte Zulassung, sonst muss das (wie aktuell bei mir noch) aus eigener Tasche bezahlt werden. Ich hoffe, dass sich dies aber in Zukunft ändern wird und ich dies künftig mit der Unterstützung der Krankenkassen anbieten kann.

Hast du noch etwas zum Schluss, was jeder mitnehmen sollte?

Nicole: Wenn ihr euch entschließt, etwas mit Ernährungsberatung zu machen: Informiert euch.

Es hilft, wenn ihr eine Ernährungsberatung in Anspruch nehmt bei Personen, die Erfahrung mit Rheuma, Zöliakie und/oder Lebensmittel-Unverträglichkeiten haben. Das hilft dabei, dass sich diese Personen in das Thema Endometriose hineindenken können, weil Ernährungsberatung bei Endometriose entzündungshemmend sein sollte und auch die Unverträglichkeiten eine Rolle spielen. Wissen um entzündliche Erkrankungen hilft also.

Am besten sucht ihr euch jemand, der einem Berufsverband (bspw. VDOE, VDD, DGE, BfD) angehört, denn da könnt ihr sicher sein jemanden mit guter Ausbildung zu haben. Oder ihr könnt von der Krankenkasse eine Liste mit den Ernährungsberatern holen. Darauf sind zwar nur solche, die mit der Kasse abrechnen können, aber ihr findet dort auch nur richtige Ernährungsberater, die wissen, was sie tun.

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Dr. med. Nadine Rohloff
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