Milchprodukte bei Endometriose

Im Hinblick auf ihre Eigenschaft als gute Lieferanten für Calcium sollten Milchprodukte bei Endometriose ein gesunder Bestandteil der täglichen Ernährung sein. Das enthaltene Calcium kann die Produktion der bei Endometriose wichtigen Hormone positiv beeinflussen und so Entzündungen verringern und das Immunsystem stärken. Aufgrund der negativen Wirkung von Histaminen und tierischen Fetten sind manche Milchprodukte deutlich besser geeignet als andere. Auch vegane Calciumquellen können eine Alternative sein.

Fettarme Milchprodukte senken das Endometrioserisiko

Calcium und Magnesium aus Milchprodukten sind bei Endometriose hilfreich

Eine Studie in den USA konnte zeigen, dass Frauen, die pro Tag mindestens drei Portionen fettarme Milchprodukte aßen, ein 18 % geringeres Risiko hatten, an Endometriose zu erkranken. [1] Weil die Forscher vermuteten, dass dies mit dem in Milchprodukten enthaltenem Calcium zu tun hatte, untersuchten sie auch den Vitamin D Spiegel dieser Frauen. Vitamin D ist eine Art „Einbauhelfer“, ohne welches das Calcium nicht vom menschlichen Körper richtig verwertet werden kann. Das Ergebnis der Studie war eindeutig: Die Frauen mit dem höchsten Vitamin D Spiegel hatten ein um 24 % verringertes Risiko, an Endometriose zu erkranken. [1]

Entgegen mancher Behauptungen ist es übrigens unwahrscheinlich, dass die geringen Mengen Hormone in tierischer Milch eine gesundheitsschädliche Auswirkung auf den menschlichen Körper haben. Auch wenn Milch im Vergleich zu anderen Lebensmitteln mehr Östrogen enthält – im Vergleich zur körpereigenen Produktion ist die vom Körper aus der Milch aufgenommene Menge im Promillebereich, also sehr niedrig. [3]

Calcium verringert Entzündungen

In Tierversuchen mit Mäusen wurde bewiesen, dass Calcium oxidativen Stress und Entzündungsvorgänge im Körper vermindert. Oxidativer Stress ist ein körpereigener Vorgang, bei dem Zellen geschädigt, Entzündungsreaktionen hervorgerufen und Alterungsprozesse beschleunigt werden. Der Tierversuch mit Mäusen [4] zeigte, dass auch Milchprodukte diesen oxidativen Stress verringern.

Man vermutet also, dass Milchprodukte durch ihren Calciumgehalt Entzündungsreaktionen hemmen, indem sie über das Calcium bestimmte Hormone (Angiotensine) positiv beeinflussen. Darüber hinaus stärken sie das Immunsystem, indem sie gewissen Botenstoffe des Immunsystems (Zytokine) fördern.

Auch Magnesium ist bei Endometriose hilfreich

Das in Milchprodukten enthaltene Magnesium ist bei Endometriose hilfreich: Es entspannt nicht nur die Muskulatur und kann dadurch entkrampfend gegen Schmerzen wirken, es senkt auch die Entzündungsmarker im Blut sowie stärkt das Immunsystem durch die vermehrte Produktion der Zytokine.

14 Jahre Forschung mit über 70.000 Frauen

Milchprodukte

Milchprodukte bei Endometriose vorbeugend wirksam

Amerikanische Forscher untersuchten in einer über 14 Jahre andauernden Studie mit über 70.000 Frauen, [1] wie unter anderem Milchprodukte sich im Hinblick auf Endometriose verhalten und legten ihr besonderes Augenmerk auf folgende, in Milchprodukten enthaltene Stoffe:

  • Calcium
  • Magnesium
  • Phosphor
  • Vitamin D.

Der „Einbauhelfer“ von Calcium, Vitamin D, hat eine kleine Sonderrolle, da es in Milchprodukten in nur geringen Mengen vorhanden ist und vom menschlichen Körper unter Sonnenlicht selbst gebildet wird. [5] Mehr zum Thema Sonnenlicht und Vitamin D hier.

Die Ergebnisse nach 14 Jahren zeigten: Je mehr magere Milchprodukte, desto geringer das Endometrioserisiko (18 %) und je besser die Versorgung mit Calcium, Magnesium und Phosphor aus Milchprodukten, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, an Endometriose zu erkranken. [1]

Bei Vitamin D konnte nur gezeigt werden, dass eine optimale Versorgung mit dem Vitamin das Endometrioserisiko um bis zu 24 % senken konnte, nicht jedoch, aus welcher Quelle das Vitamin aufgenommen werden soll: Sonnenlicht, Milchprodukte oder Nahrungsergänzungsmittel.

Welche Milchprodukte machen bei Endometriose Sinn?

Milchprodukte bei EndometrioseTierische Fette sind grundsätzlich ungesund, weil sie unter anderem Entzündungen fördern und weitere negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Stichwort: Cholesterin, Arteriosklerose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Daher sollten grundsätzlich nur fettarme Milchprodukte konsumiert werden, damit der positive Effekt auf Endometriose nicht durch den negativen Effekt entzündungsfördernder tierischer Fette wieder zunichtegemacht wird.

Hartkäse ist ungeeignet

Je weniger Wasser ein Milchprodukt enthält, desto mehr Calcium, Magnesium und Phosphor sind darin enthalten. Ein lang gereifter, eher trockener Käse wie Gouda enthält also viel mehr davon als ein Glas Milch. Leider ist Gouda aber ein Hartkäse und Hartkäse enthält grundsätzlich viel Histamin. Bei Endometriose sollte beachtet werden, dass Histamin die Beschwerden der Krankheit (Schmerzen, Entzündungen, …) verschlimmern und auch die Psyche negativ beeinflussen kann.[2]

Histamin ist ein natürlicher Botenstoff, der bei jedem gesunden Menschen vom Körper selbst gebildet wird und dort unter anderem an Entzündungsreaktionen und dem Schmerzempfinden beteiligt ist. Außerdem konnte eine amerikanische Studie zeigen, dass Frauen, die mit ihrer Ernährung viel Histamin aufnehmen, ein bedeutend höheres Risiko haben, an Depression oder Angststörungen zu leiden. Hartkäse (Parmesan, Gouda, Emmentaler …) ist daher bei Endometriose nicht empfehlenswert.

Empfehlenswert sind die folgenden Magermilchprodukte bei Endometriose

Milchflaschen

Nicht alle Milchprodukte bei Endometriose gleichermaßen gut geeignet

  • Magermilch
  • Fettarmer Joghurt
  • Magerquark
  • Frischkäse
  • Buttermilch
  • Ayran
  • Kefir
  • Dickmilch
  • Schmand (statt Sahne oder Creme Fraîche).

Sind pflanzliche Milchprodukte eine gute Alternative?

Sojamilch

Pflanzliche Milchprodukte bei Endometriose nur dann besser, wenn mit Calcium angereichert.

Pflanzliche Milchprodukte aus Soja, Nüssen oder Getreide werden immer beliebter. Ihre Zusammensetzung schwankt jedoch stark mit dem Herstellungsprozess und dem Ausgangsprodukt, sodass sie zunächst nur gemeinsam haben, dass sie keine gesundheitsschädlichen tierischen Fette enthalten.

Nüsse und Mandeln beispielsweise enthalten vergleichsweise viel Calcium, Reis und Soja dagegen nur sehr wenig. Um dem Calciumgehalt von Kuhmilch (ca. 120 mg/100ml) [5] zu erreichen, werden pflanzliche Milchprodukte oft künstlich mit ähnlichem Calciumgehalt angereichert. Nur dann stellen sie im Hinblick auf Calcium und dessen Wirkung auf Endometriose eine gesunde Alternative zu Kuhmilchprodukten dar.

Weitere nicht tierische Quellen für Calcium sind: Nüsse, Mandeln, Leinsamen, manches Mineralwasser und Rotalgen. Letztere sind bei Endometriose auch sehr förderlich, da sie Omega-3 Fettsäuren enthalten, welche Entzündungen und Schmerzen verringern.

Milchkannen

Milchprodukte können bei Endometriose helfen!

Fazit:

Mindestens drei Portionen fettarme Milchprodukte pro Tag senken das Risiko an Endometriose zu erkranken. Fettarme Milchprodukte können aufgrund ihres Gehaltes an insbesondere Calcium und Magnesium durch Endometriose verursachte Entzündungen und Schmerzen lindern. Trotzdem sollte Hartkäse vermieden werden, denn er enthält viel Histamin, welches Schmerzen und Entzündungen fördert und sich negativ auf die Psyche auswirken kann. Pflanzliche Milchprodukte enthalten weniger Calcium und sollten daher mit Calcium angereichert sein.  Vegane Calciumlieferanten sind beispielsweise Nüsse, Mandeln und Rotalgen.

Referenzen

1.
Harris HR, Chavarro JE, Malspeis S, Willett WC, Missmer SA. Dairy-Food, Calcium, Magnesium, and Vitamin D Intake and Endometriosis: A Prospective Cohort Study. Am J Epidemiol [Internet]. 2013 Mar 1 [cited 2020 May 8];177(5):420–30. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3626048/
1.
Orazov MR, Radzinskiy VY, Khamoshina MB, Nosenko EN, Tokaeva ES, Barsegyan LK, et al. [Histamine metabolism disorder in pathogenesis of chronic pelvic pain in patients with external genital endometriosis]. Patol Fiziol Eksp Ter. 2017 Jun;61(2):56–60.
1.
Snoj T, Majdič G. MECHANISMS IN ENDOCRINOLOGY: Estrogens in consumer milk: is there a risk to human reproductive health? European Journal of Endocrinology [Internet]. 2018 [cited 2020 May 28];R275–86. Available from: https://eje.bioscientifica.com/view/journals/eje/179/6/EJE-18-0591.xml
1.
Zemel MB, Sun X. Dietary calcium and dairy products modulate oxidative and inflammatory stress in mice and humans. J Nutr. 2008 Jun;138(6):1047–52.
1.
Ausgewählte Fragen und Antworten zu Calcium [Internet]. [cited 2020 May 8]. Available from: https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/faqs/calcium/#lm
Silke Neumann
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