Interview mit Silke Neumann zu Hausmitteln bei Endometriose

Heute geht es um Hausmittel bei Endometriose. Dieses Thema wird häufig angefragt, weil man natürlich selber auch zu Hause etwas gegen die Endometriose machen möchte.

Manche Hausmittel haben eine nachgewiesene Wirkung, andere wiederum nicht. Und da viele Hausmittel, oder solche, die es sein sollen, auch Lebensmittel sind, spreche ich heute darüber mit meiner Ernährungsberaterin Silke. Welche Hausmittel machen Sinn, welche vielleicht eher nicht?

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Interview mit Silke Neumann, zertifizierte Ernährungsberaterin, über Hausmittel bei Endometriose

Dr. med. Nadine Rohloff: Die Hausmittel sind ja oft auch in der Ernährung oder in den ernährungsnahen Bereichen verortet und deswegen bin ich hier mit Silke, unserer zertifizierten Ernährungsberaterin. Vielleicht kannst du einmal ganz kurz sagen, was Hausmittel denn eigentlich sind und wie man das beschreiben würde.

Silke Neumann: Hausmittel sind Sachen, die man im Prinzip zu Hause hat, also Lebensmittel oder nicht verschreibungspflichtige Dinge, die man benutzen kann – ob die jetzt eine nachgewiesene Wirkung haben oder nicht – aber die man in traditionell überlieferten Empfehlungen nutzt, um gewisse Leiden zu mindern oder zu heilen. Ein Teil davon kommt aus der Überlieferung und manches ist auch wirklich wissenschaftlich erwiesen, dass es hilft. Manches ist einfach traditionell verwurzelt. Da benutzen halt die Deutschen das eine und die Amerikaner das andere Mittel, weil das so seit Generationen überliefert wurde.

Dr. med. Nadine Rohloff: Wenn man sich jetzt Hausmittel vorstellt, die zum Beispiel bei Endometriose oder Schmerzen hilfreich sein sollten, was müssten die für Eigenschaften haben? Kann man das beschreiben, welche Eigenschaften wichtig sind?

Silke Neumann: Wenn man unter Endometriose leidet, hat man Schmerzen und Entzündungen. Also sollte ein Hausmittel, das bei Endometriose hilfreich ist, entweder schmerzlindernd wirken oder entzündungshemmend wirken oder vielleicht eine krampflösende oder abschwellende Wirkung haben – was diese Endometriose-Symptome auslöst in irgendeiner Art und Weise lindern kann.

Grüntee verlangsamt das Wachstum von Endometriose-Herden.

Ingwer wirkt entzündungshemmend und blockiert im Körper Rezeptoren, die für die Schmerzweiterleitung zuständig sind.

Kurkuma sollte immer zusammen mit schwarzem Pfeffer angewendet werden.

Rotes Fleisch fördert laut Studien die Schmerzen bei Endometriose.

Bio-Produkte haben einen besseren Gesundheitseffekt als konventionell angebautes Obst und Gemüse.

Zu Grüntee gibt es tatsächlich schon Studien, dass er bei Endometriose hilft, also das Wachstum der Endometriose-Herde verlangsamt.

Dr. med. Nadine Rohloff: Das Beste ist natürlich, wenn es schon Ergebnisse dazu gibt, die vielleicht auch Endometriose-spezifisch sind. Gibt es denn Hausmittel, bei denen solche Eigenschaften – entweder die entzündungshemmenden Eigenschaften oder vielleicht sogar bei Endometriose speziell etwas nachgewiesen ist – helfen können?

Silke Neumann: Als Hausmittel würde ich fast den Grüntee gar nicht nennen, weil es halt ein Lebensmittel ist, aber zu Grüntee gibt es tatsächlich schon Studien, dass er bei Endometriose hilft, also das Wachstum der Endometriose-Herde verlangsamt. Es ist aber an sich ein Lebensmittel; ich würde es jetzt nicht als Hausmittel bezeichnen, das sind dann vielleicht eher Cremen oder so etwas. Aber Grüntee hilft, beispielsweise als Match oder Eistee – oder einfach zum Frühstück einen dicken Pott Grüntee – und kann diese Symptome bei Endometriose lindern und vor allem auch das Wachstum der Endometriose-Herde. Das ist erwiesen.

Dr. med. Nadine Rohloff: Zumindest in Tierversuchen war das. Es gibt – wie es oft ist bei Ernährungsstudien – noch nicht wahnsinnig große Studien, aber es gibt zumindest Hinweise im Labor, was ja schon mehr ist, als bei vielen anderen Hausmitteln.

Wie ist es zum Beispiel mit Ingwer? Das ist auch ein Lebensmittel. Aber Ingwer und Ingwer-Tee sind ja auch in aller Munde – zurecht?

Silke Neumann: Ja, man könnte fast sagen, dass Ingwer ein Superfood ist. Ingwer wirkt sehr ähnlich wie eine Schmerztablette, wie Ibuprofen zum Beispiel. Es blockiert Rezeptoren im Körper, die für die Schmerzweiterleitung zuständig sind. Wenn ich also Ingwer esse, wirkt das ähnlich, ich habe dadurch ein geringeres Schmerzempfinden. Ingwer wirkt auch noch entzündungshemmend und ist einfach lecker.

Dr. med. Nadine Rohloff: Sehr gut. In vielen Tees gegen Frauenleiden – es gibt ja solche Frauentees oder Hormontees – und Tees, die zum Beispiel gegen Periodenbeschwerden empfohlen werden oder von den Teepackungen her empfohlen werden, ist Frauenmantel enthalten. Gibt es denn da schon Erkenntnisse zu?

Silke Neumann: Auch da gibt es Studien, das sind aber immer Tierversuchsstudien, also nicht an Menschen getestet. Da muss man jedes Mal noch einmal schauen, wie sehr man das dann auf Menschen übertragen. Aber bei Frauenmantel hat man tatsächlich festgestellt, dass es dazu führt, dass die Endometriose-Herde und Zysten schrumpfen können. Deswegen ist Frauenmantel-Tee nicht nur in der Naturheilkunde als ein Frauentee übermittelt, sondern auch tatsächlich wirksam.

Dr. med. Nadine Rohloff: Du hattest vorhin noch die Entzündungshemmung angesprochen. Gibt es sonst noch Hausmittel, die entzündungshemmend wirken?

Silke Neumann: Kurkuma ist im Moment genauso wie Ingwer in aller Munde. Kurkuma wirkt entzündungshemmend, da muss man aber aufpassen, dass Kurkuma immer in Kombination mit Piperin – also mit schwarzem Pfeffer – zusammen anwendet. Da gibt es ja auch wieder zig Möglichkeiten: Zum Beispiel golden Latte, sodass man also mit einer pflanzlichen oder tierischen Milch einen Teelöffel Kurkuma und noch Zimt und auch immer diese Prise Pfeffer dazu, etwas Entzündungshemmendes und Leckeres zu sich nimmt – statt Süßigkeiten vielleicht.

Viele Hausmittel wirken relativ sanft und sind dadurch natürlich nicht so einschlagend, dass man es einmal trinkt und plötzlich geht es einem gut.

Dr. med. Nadine Rohloff: Ich finde, was bei den Hausmitteln auch immer noch wichtig ist, ist, dass viele Sachen nicht so – also der Ingwer ist zum Beispiel in den Studien schon vergleichbar gewesen mit einer Ibuprofen-Tablette – aber viele Sachen wirken halt relativ sanft und sind dadurch natürlich nicht so einschlagend, dass man es einmal trinkt und plötzlich geht es einem gut. Das finde ich immer noch ganz wichtig zu erwähnen. Das heißt, das sind Sachen, die man über einen längeren Zeitraum immer mal wieder regelmäßig zu sich nehmen. Den Ingwer würde ich jetzt mal ein bisschen ausklammern, der auch eine kleine direkte Wirkung hat.

Silke Neumann: Kurkuma kommt in der deutschen Küche ja auch nicht so oft vor. Aber man kann es sich ja einfach mal kaufen und gucken, ob man es mag und wie man es zubereiten kann. Mag ich das vielleicht in meinem Gemüse, gefällt mir diese golden Latte und kann ich die vielleicht einfach statt Nachtisch als Tee trinken, sodass man einfach mal offen für Neues ist und so etwas ausprobiert.

Dr. med. Nadine Rohloff: Genau. Wir haben ja jetzt schon gesagt, dass viele von diesen Hausmitteln am Ende Lebensmittel. Ernährung ist ja am Ende des Tages auch ein Hausmittel. Gibt es vielleicht etwas, was du uns sagen kannst – wie sieht gute Ernährung denn bei Endometriose aus?

Silke Neumann: Im Prinzip auch entzündungshemmend und schmerzlindernd, indem man also diese Lebensmittel wieder integriert und Lebensmittel bevorzugt, die zum Beispiel Entzündungen hemmen, wie Omega-3 Fettsäuren – sodass man Omega-3 Fettsäuren zum festen Bestandteil macht. Das heißt, alle Omega-3 Fettsäuren, auch die aus Fisch oder Fischölkapseln oder Rotalgen. Dass man viel Obst und Gemüse isst, weil da wiederum Antioxidantien enthalten sind. Antioxidantien sind auch wichtig bei Endometriose, weil sie Zellschäden vorbeugen können. Viel frisches Obst und Gemüse und dass man insgesamt eine ausgewogene Ernährung hat – also von allem etwas. Dazu gehört auch Eiweiß und möchte ich das rote Fleisch ein bisschen ausklammern, weil es dazu wiederum Studien gab, dass es bei Endometriose Schmerzen fördert. Man sollte sich eher pflanzenbasiert ernähren und auch Bio-Produkte bevorzugen, weil es da auch wieder Hinweise gibt, dass ein großer Konsum von Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau, die mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden, den Gesundheitseffekt von Obst und Gemüse nicht ganz so zeigen konnten. Man sollte also eher auf Bio-Produkte setzen.

Dr. med. Nadine Rohloff: Das ist ja schon mal eine ganze Menge. Wenn man sich daran hält, hat man schon einiges geschafft. Generell ist so eine Ernährung auch noch zusätzlich gesund.

Silke Neumann: Vor allem ist es vorbeugend vor allen anderen Erkrankungen.

Dr. med. Nadine Rohloff: Vielen Dank für die Einschätzung zu den Hausmitteln, Silke.
Falls jemand noch Fragen hat oder Hausmittel kennt, zu denen er sich fragt, ob sie Sinn machen, kann uns auch gerne noch einmal schreiben. Dann können wir gucken, ob wir das in den nächsten Interviews auch noch einmal besprechen können. Danke Silke!

Das war das Interview zum Thema Hausmittel. Wir haben uns jetzt natürlich daran orientiert, die eher bei den Lebensmitteln verortet sind. Wenn du zu Hausmitteln noch Fragen hast und dich fragst, ob wirklich etwas dahintersteckt oder ob es tatsächlich nur ein Mythos ist, dann melde dich bei uns und stelle deine Frage, dann können wir es hier in dem Podcast aufnehmen.

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Sandra Fleck
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