Interview mit Silke Neumann über Superfoods

Was steckt hinter dem Begriff „Superfoods“?

Ich spreche heute mit unserer Ernährungsberaterin Silke vor allen Dingen über die Früchte, die man zu den „Superfruits“ zählt, und bespreche mit ihr, ob die wirklich so super sind und ob man das bei Endometriose braucht.

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Interview mit Silke Neumann, zertifizierte Ernährungsberaterin, über Superfood

Dr. med. Nadine Rohloff: Herzlich willkommen! Heute bin ich hier mit der Silke, unserer Ernährungsberaterin, zum Thema „exotische Superfrüchte“, also letztendlich Superfruits, wie man das vielleicht kennt, und Endometriose. Was macht da Sinn, sollte man nur noch Superfood kaufen oder muss das sein? Silke ist unsere Ernährungsberaterin, die auch bei der Endometriose App mithilft, und schon lange dabei ist. Sie ist unsere Expertin für alles rund ums Essen.

Vielleicht magst du einfach ganz kurz erklären, was Superfrüchte denn überhaupt sind. 

Silke Neumann: Früchte, die durch super Marketing als Superfrüchte dargestellt werden. Also, es sollen Früchte sein, die besonders reich sind an irgendwelchen gesunden Sachen, wie Vitaminen, Mineralstoffen, sekundären Pflanzenstoffen. Und an gutem Marketing natürlich auch, das einem suggeriert, dass das nur in dieser bestimmten Frucht in dieser hohen Konzentration vorkommt.  

Dr. med. Nadine Rohloff: Meistens sind es überraschenderweise Sachen, die sehr weit weg wachsen, exotisch sozusagen. Kannst du da vielleicht ein paar Beispiele nennen?

Superfruits sind exotische Früchte, die als besonders gesund gelten.

Heimische Alternativen sind beispielsweise Preiselbeeren, schwarze Johannisbeeren, Sauerkirschen, Sanddorn und Heidelbeeren.

Getrocknete oder industriell verarbeitete Früchte enthalten weniger Vitamine als frisches Obst.

Cranberries bzw. Preiselbeeren können bei Harnwegsinfektionen in der Naturmedizin verwendet werden.

Silke Neumann: Ganz easy ist zum Beispiel die Cranberry aus Nordamerika, das ist jetzt gar nicht so exotisch. Aber das ist einfach nur der nordamerikanische Verwandte unserer Preiselbeere. Die Cranberry hat natürlich sehr viele Vitamine und Mineralstoffe und kann auch bei Harnwegsinfektionen in der Naturmedizin verwendet werden. Aber genau dasselbe hat natürlich auch die europäische Preiselbeere und die kann man genauso gut verwenden und muss nicht diese teuren Cranberrys kaufen oder den Saft davon trinken. Es gibt einfach fast zu allen Superfruits eine regionale Alternative.

Dr. med. Nadine Rohloff: Es ist witzig, dass man hierzulande, finde ich, fast von der Preiselbeere weniger häufig mittlerweile hört, als von der Cranberry – so vom Namen her.

Silke Neumann: Ja, die Preiselbeere klingt so nach Oma, so antiquiert.

Vitamin C ist wasserlöslich, deshalb sind getrocknete Früchte ärmer an Vitamin C als frische Früchte.

Dr. med. Nadine Rohloff: Ich finde, was auch immer sehr exotisch klingt, ist die Goji-Beere.  

Silke Neumann: Die kommt aus China und ich weiß nicht, wie die da angebaut wird, aber bestimmt nicht so Bio, wie es in der EU passieren würde. Da wäre ich sowieso vorsichtig. Die hat einen recht hohen Gehalt an Vitamin C, aber die kommt meistens getrocknet in Europa und damit ist das mit dem Vitamin C nicht mehr so weit her.  

Dr. med. Nadine Rohloff: Vitamin C ist ja auch wasserlöslich. Das heißt, dann ist die getrocknete Goji-Beere nicht so toll.

Silke Neumann: Nö, aber man kann es ja vermarkten. Dann lieber die Johannisbeere – vor allem die schwarze Johannisbeere hat viel mehr Vitamin C schon in der frischen Form. Wenn ich eine frische Goji-Beere und eine frische schwarze Johannisbeere nehme und die miteinander vergleiche, dann hat die Johannisbeere schon so mehr Vitamin C als die Goji-Beere. Es macht also viel mehr Sinn, aus dem Garten die Johannisbeeren zu essen als aus China die Goji-Beere herzufliegen. 

Sauerkirschen hatten wir ja schon mal als entzündungshemmend dargestellt – also bei Endometriose wirksam.

Silke Neumann, zertifizierte Diät- und Ernährungsberaterin

Dr. med. Nadine Rohloff: Dann bleiben wir doch mal bei den regionalen Superfrüchten. Kannst du uns noch ein paar regionale nennen, die man quasi vielleicht eher als ihre exotischen Pendants nutzen kann und am Ende des Tages auch billiger bekommt? 

Silke Neumann: Sauerkirschen! Sauerkirschen hatten wir ja schon mal als entzündungshemmend dargestellt – also bei Endometriose wirksam. Und die Sauerkirsche hat halt nicht nur diese entzündungshemmenden Stoffe, die auch erwiesenermaßen helfen, sondern genauso Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, die für den gesamten – also nicht nur bei Endometriose – Körper gesund sind. Da braucht man keine Akai-Beeren aus China schicken lassen, sondern einfach Sauerkirschen vom Baum.  

Sanddorn ist auch so ein Produkt.

Dr. med. Nadine Rohloff: Ja, das stimmt. 

Silke Neumann: Sanddorn ist eigentlich ein norddeutsches Superfood. Es wird halt nur nicht so vermarktet. 

Dr. med. Nadine Rohloff: Was ist mit der Heidelbeere? Die mag ich zum Beispiel sehr gerne. 

Silke Neumann: Heidelbeere ist auch super: Die hat halt eine intensive, dunkle blaue Farbe, ganz tolle sekundäre Pflanzenstoffe, also diese Farbstoffe da drin. Diese wirken auch positiv auf die Gesundheit. Da ist wirklich in heimischen Obst fast mehr drin, als in Import-Superfruits. 

Dr. med. Nadine Rohloff: Ich fasse mal zusammen: Das heißt, das heißt, die Superfruits sind vielleicht gesund, aber es gibt auch regionale Superfruits, die eigentlich mindestens genauso gesund sind, wenn nicht sogar besser. Die kriegt man hier auf regionaler Qualität, sind billiger, man kann sich einfach im Supermarkt umgucken und ist schnell fertig. 

Silke Neumann: Man bekommt sie vor allem in unverarbeiteter Form. Wenn ich mir die Sauerkirschen oder die Blaubeeren im Laden kaufe, dann sind die frisch und als ganze Frucht und nicht irgendwie verarbeitet oder getrocknet, als Saft oder irgendwelche Pülverchen, sondern in der natürlichen Form. Dann muss man beachten, dass man halt das Zusammenspiel aus allen Stoffen, die in diesem Obst enthalten sind – auch die Ballaststoffe aus der Schale, usw. – als Zusammenspiel betrachtet und nicht isoliert; dass man halt sagt, „ich esse die Sauerkirsche nicht als Obst, weil da muss ich Kerne spucken oder sowas, sondern ich nehme den Saft“ und dann hat man halt wieder einen Stoff weniger, nämlich die Ballaststoffe aus der Schale und aus dem Fruchtfleisch, die im Saft wieder nicht enthalten sind. Der Saft ist wieder erhitzt und damit gehen Vitamine verloren. Es ist immer besser, die Frucht als Ganzes zu essen. 

Smoothies lieber frisch zu Hause machen, als ein gekauftes Produkt zu konsumieren.

Dr. med. Nadine Rohloff: Und wie ist das mit Smoothies? Wenn man wirklich jetzt die frischen Beeren einfach püriert? 

Silke Neumann: Solange man sie nicht schält – wenn ich jetzt einen Smoothie mache und da einen geschälten Apfel reintue, dann gehen mir wieder ein paar Ballaststoffe flöten. Wenn ich den Apfel als Ganzes reintue mit der Schale und natürlich ohne Kerngehäuse, dann habe ich das alles als ganzes Produkt. Das kann ich schon als Smoothie essen. Aber dann bitte nicht als gekaufter Smoothie – der ist dann halt auch nicht mehr frisch, auch wenn er gekühlt ist – sondern selber zu Hause machen. Dann ist es so, als würde ich in den Apfel selber reinbeißen. Am besten ist es wirklich, den Apfel oder das Obst einfach so zu sich zu nehmen und zu snacken, statt das Ganze zu pürieren. Wenn man natürlich gerade eine Zahn-OP hatte und nicht beißen kann, ist das eine Lösung. Aber ansonsten würde ich einen Obstsalat schnippeln oder so einfach aufschneiden und in einen Apfel beißen. Das ist schon das gesündeste. 

Dr. med. Nadine Rohloff: Und auch lecker! Es ist ja auch fast ein Ersatz für Schokolade, weil es ja auch süß ist. 

Dann vielen Dank für dieses hohe Lied auf die regionalen Früchte. Bis zum nächsten Mal. Danke! 

Silke Neumann: Bitte! 

Welche heimischen Superfrüchte hast du im Schrank? Wenn du dazu noch Fragen oder Anmerkungen hast, dann melde dich gerne in unserer Facebook-Gruppe „Endometriose verstehen, beobachten, austauschen“ oder aber per E-Mail. 

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Sandra Fleck
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