Durchfall bei Endometriose

Das Chamäleon unter den Frauenkrankheiten – so wird Endometriose auch genannt. Ein Blick auf die Symptome zeigt, dass diese Bezeichnung für die Vielfalt an Beschwerden steht, die Frauen bei der Erkrankung heimsuchen kann. Neben den klassischen Symptomen wie Unterbauchschmerzen oder Menstruationsstörungen können auch Verdauungsprobleme auftreten. Vor allem dann, wenn diese Symptome im Vordergrund stehen, kann dies Mediziner und Patientinnen auf eine falsche Fährte locken. Ich verrate Dir heute, warum Durchfall bei Endometriose-Betroffenen durchaus eine Rolle spielt und wie die Beschwerden gelindert werden können.

Verdauungsbeschwerden – auch das ist Endometriose

Endometriose ist ein Symptomwandler. Während bei einer Frau die Unterleibschmerzen im Vordergrund stehen, klagen andere über Rückenschmerzen oder Unfruchtbarkeit. Verdauungsbeschwerden bei Endometriose sind ebenfalls keine Seltenheit [1].

Dazu zählen:

  • Übelkeit [1]
  • Völlegefühl [1]
  • Schmerzen beim Stuhlgang [1]
  • Durchfall [2]
  • Verstopfung
  • Starkes Dranggefühl vor dem Stuhlgang
  • Blut im Stuhl

Gut zu wissen!

Nicht immer lässt sich Durchfall bei Endometriose zweifelsfrei erklären. Möglicherweise können sich auch Entzündungsprozesse, die im Bauch stattfinden, auf den Darm auswirken und so die Beschwerden hervorrufen.

Diese Entzündungsbotenstoffe werden auch hinter dem Phänomen des Endobelly vermutet.

Warum kommt es bei Endometriose zu Durchfall?

Es gibt verschiedene Gründe, warum Du bei einer Endometriose unter Durchfall leiden kannst. Lass uns gemeinsam die Ursachen erforschen.

  • Durchfall durch Krämpfe: Klassischerweise treten bei Endometriose Unterleibschmerzen auf. Meistens geschieht das in Abhängigkeit von der Regelblutung, sie können aber auch mitten im Zyklus oder in Verbindung mit dem Geschlechtsverkehr auftreten. Patientinnen beschreiben sie nicht selten als krampfartig [3]. Wenn sich alles in Deinem Bauch zusammenkrampft, ist der natürliche Funktionsablauf im Darm gestört. So kann es passieren, dass der Stuhl zu schnell die Dickdarmpassage durchläuft. Überschüssige Flüssigkeit kann dem Stuhl nicht ausreichend entzogen werden – es kommt zu Durchfall.
  • Durchfall durch Endometriose im Darm: Endometriose ist dadurch gekennzeichnet, dass sich gebärmutterschleimhautartiges Gewebe außerhalb der Gebärmutter ansiedelt. Die sogenannten Endometrioseherde können innerhalb und außerhalb des kleinen Beckens auftreten [1]. Selbst Endometriose im Gehirn ist möglich. Durchfall kann auf Verwachsungen im Enddarm hindeuten.
  • Durchfall durch ein verändertes Mikrobiom: Im Darm tummeln sich Billionen von Mikroorganismen. Die Gesamtheit der dort siedelnden Mikroorganismen nennen Mediziner Darm-Mikrobiom. Es gibt gute und schlechte Bakterien. Solange die förderlichen Bakterien das Zepter in der Hand halten, ist die Darmflora intakt. Das ist wünschenswert, denn sie besitzt zahlreiche Aufgaben im Körper. Die guten Bakterien zersetzen Nahrung und unterstützen das Immunsystem [4]. Interessant ist, dass das Mikrobiom bei Endometriose anders ausfallen kann. Es zeigten sich vermehrt Proteobakterien, Enterobacteriaceae, Streptococcus und Escherichia coli [5]. Bekanntermaßen kann ein Ungleichgewicht in der Darmflora Durchfall auslösen.

Durchfall muss nicht auf Endometriose am Darm hindeuten

Wenn bei Dir Endometriose festgestellt wurde und Du unter Durchfall leidest, hast Du vielleicht die Sorge, dass sich die gutartigen Wucherungen nun auch im Darm ausgebreitet haben. Tatsächlich ist der Magen-Darm-Trakt der häufigste Angriffspunkt von Endometrioseläsionen, die außerhalb des Beckens wachsen [6]. Gastrointestinale Symptome wie Durchfall können auf Endometriose im Darm hindeuten, wie eine Studie zeigt. Hierbei haben sich 355 Frauen einer Bauchspiegelung unterzogen. Bei 290 von ihnen konnte im Anschluss eine Endometriose festgestellt werden. Besonders spannend: Zwar hatten 90 % der Frauen Magen-Darm-Beschwerden, aber nur bei 7,6 % der Patientinnen ließen sich Läsionen am Darm entdecken. Die Autoren schlussfolgerten, dass gastrointestinale Symptome fast genauso häufig wie gynäkologische Beschwerden bei Endometriose auftreten. Allerdings sind die Beschwerden kein eindeutiges Anzeichen für Endometriose-Wucherungen im Darm [7].

Unliebsame Partner: Endometriose und Reizdarmsyndrom

Eine Metaanalyse hat gezeigt, dass Frauen mit Endometriose ein mindestens doppelt so hohes Risiko besitzen, ein Reizdarmsyndrom zu entwickeln [8]. In der Praxis kann ebenfalls beobachtet werden, dass Betroffene begleitend unter einem Reizdarmsyndrom leiden können. Doch was ist das überhaupt? Bei einem Reizdarmsyndrom handelt es sich um eine Funktionsstörung des Darms. Noch sind die zugrunde liegenden Ursachen nicht gänzlich geklärt. Forscher nehmen jedoch an, dass ein Wechselspiel aus verschiedenen Faktoren das Syndrom entstehen lassen. So werden Stress, eine gestörte Darmflora und Lebensmittelunverträglichkeiten diskutiert. Ein Reizdarmsyndrom führt bei Betroffenen zu Bauchschmerzen oder Verdauungsproblemen wie Durchfall oder Verstopfung. Das sind genau die Beschwerden, die auch bei einer Endometriose auftreten können [2]. In dem Zusammenhang ist es wichtig, herauszufinden, auf welche Erkrankung das Symptom Durchfall zurückgeführt werden kann. In Studien haben sich Pfefferminzöl und Probiotika sowie die FODMAP Diät im Kampf gegen die Reizdarmsyndrom-Beschwerden hilfreich gezeigt [9,10]. Allerdings muss hier noch mehr Forschung betrieben werden, um klare Handlungsempfehlungen für Patientinnen geben zu können.

Gründlich durchchecken bei Durchfall

Durchfall kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Sozialer Rückzug kann sogar die Folge sein, wenn Verabredungen durch häufige oder unvorhergesehene Toilettenpausen nicht mehr möglich sind. Durchfall kann durchaus auf eine Endometriose hindeuten. Allerdings ist es auch möglich, dass Begleiterkrankungen wie Lebensmittelunverträglichkeiten oder ein Reizdarmsyndrom die Beschwerden auslösen. Aus diesem Grund ist eine differenzierte Diagnostik hier besonders wichtig. Untersuchungsverfahren wie eine Tastuntersuchung durch den Darm oder die Scheide, eine Ultraschalluntersuchung des Bauchs und in begründeten Verdachtsfällen auch ein MRT (Magnetresonanztomographie) oder eine Bauchspiegelung können dazu beitragen, möglichen Darmwucherungen auf die Spur zu kommen. Eine Darmspiegelung ist ebenfalls denkbar. Da die Endometrioseläsionen häufig von außen auf dem Darm wachsen, bleibt die Erkrankung in der Darmspiegelung aber nicht selten unentdeckt.

Übrigens: Ein Hinweis auf eine Darmbeteiligung können Blutbeimengungen im Stuhl sein. Bei Blut (rot oder schwarz) im Stuhl, ohne dass du die Ursache kennst, solltest du auf jeden Fall schnellstmöglich mit deinem Arzt darüber reden.

Gut zu wissen!

Endometriose sollte in Absprache mit dem Arzt gezielt behandelt werden. Dafür stehen Medikamente und operative Eingriffe zur Verfügung [11]. Egal, ob eine Beteiligung des Darms vorliegt oder nicht, die Endometriose-Behandlung kann auch den Durchfall lindern.

Kurz und knapp

Unterbauchschmerzen werden häufig als Leitsymptom bei Endometriose angegeben. Untersuchungen zeigen jedoch, dass gastrointestinale Beschwerden, zu denen auch Durchfall zählt, fast genauso häufig sind. Forscher diskutieren in diesem Zusammenhang eine Beeinflussung der Darmflora. Auch eine Funktionseinschränkung durch die Krämpfe oder eine Beteiligung des Darms sind denkbar. Da bei Endometriose-Patientinnen häufig zeitgleich ein Reizdarmsyndrom auftritt, kann der Durchfall womöglich auch darauf zurückgeführt werden. Liegt bei Dir eine Endometriose vor, ist es wichtig, festzustellen, ob sich Wucherungen am Darm zeigen. Die Endometriose sollte zudem in Absprache mit Deinem Arzt im Allgemeinen behandelt werden. Durchfall kann sich auch dadurch verbessern.

Referenzen

  1. Diedrich, Klaus. Gynäkologie und Geburtshilfe (Springer-Lehrbuch) (German Edition) (S.303). Springer Berlin Heidelberg. Kindle-Version.
  2. Endometriose-Vereinigung: Endometriose kommt selten allein Begleitende Beschwerden und Krankheiten. Broschuere Begleiterkrankungen 2019_web.pdf
  3. Gesundheitsinformation.de: Endometriose
  4. Shapiro H, Thaiss CA, Levy M, Elinav E. The cross talk between microbiota and the immune system: metabolites take center stage. Curr Opin Immunol. 2014 Oct;30:54-62. doi: 10.1016/j.coi.2014.07.003. Epub 2014 Jul 26. PMID: 25064714.
  5. Leonardi M, Hicks C, El-Assaad F, El-Omar E, Condous G. Endometriosis and the microbiome: a systematic review. BJOG. 2020 Jan;127(2):239-249. doi: 10.1111/1471-0528.15916. Epub 2019 Sep 19. PMID: 31454452.
  6. Charatsi D, Koukoura O, Ntavela IG, Chintziou F, Gkorila G, Tsagkoulis M, Mikos T, Pistofidis G, Hajiioannou J, Daponte A. Gastrointestinal and Urinary Tract Endometriosis: A Review on the Commonest Locations of Extrapelvic Endometriosis. Adv Med. 2018 Sep 26;2018:3461209. doi: 10.1155/2018/3461209. PMID: 30363647; PMCID: PMC6180923.
  7. Maroun P, Cooper MJ, Reid GD, Keirse MJ. Relevance of gastrointestinal symptoms in endometriosis. Aust N Z J Obstet Gynaecol. 2009 Aug;49(4):411-4. doi: 10.1111/j.1479-828X.2009.01030.x. PMID: 19694698.
  8. Chiaffarino F, Cipriani S, Ricci E, Mauri PA, Esposito G, Barretta M, Vercellini P, Parazzini F. Endometriosis and irritable bowel syndrome: a systematic review and meta-analysis. Arch Gynecol Obstet. 2021 Jan;303(1):17-25. doi: 10.1007/s00404-020-05797-8. Epub 2020 Sep 19. PMID: 32949284.
  9. Alammar N, Wang L, Saberi B, Nanavati J, Holtmann G, Shinohara RT, Mullin GE. The impact of peppermint oil on the irritable bowel syndrome: a meta-analysis of the pooled clinical data. BMC Complement Altern Med. 2019 Jan 17;19(1):21. doi: 10.1186/s12906-018-2409-0. PMID: 30654773; PMCID: PMC6337770.
  10. Moayyedi P, Ford AC, Talley NJ, Cremonini F, Foxx-Orenstein AE, Brandt LJ, Quigley EM. The efficacy of probiotics in the treatment of irritable bowel syndrome: a systematic review. Gut. 2010 Mar;59(3):325-32. doi: 10.1136/gut.2008.167270. Epub 2008 Dec 17. PMID: 19091823
  11. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Leitlinienprogramm. Diagnostik und Therapie der Endometriose. August 2020.
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