Psychische Belastungen und Endometriose – Unterstützung suchen

Müde FrauEs ist völlig normal und in Ordnung, dass du mal gute und mal schlechte Tage hast. Auch Gefühle wie Traurigkeit, Wut oder Angst gehören zum Leben dazu. Darüber hinaus stellt eine Endometriose-Erkrankung eine erhebliche psychische Belastung für Betroffene dar [1]. Insbesondere durch häufige Schmerzen aber auch andere Symptome kann die Lebensqualität stark eingeschränkt werden. Die Erkrankung kann zu Problemen im sozialen Umfeld, bei der Sexualität oder im Beruf führen und das Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Bei diesen vielfältigen Belastungen, die Endometriose mit sich bringen kann, wundert es nicht, dass sie mit einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angsterkrankungen einhergeht. Daher ist es besonders wichtig, dass du neben deinem körperlichen Wohlbefinden auf dein psychisches Wohlbefinden achtest.

Hinweise, dass du mit jemandem über deine Belastungen sprechen solltest, können sein,

  • dass es dir psychisch gar nicht gut geht
  • dass du nicht weißt, wie es privat oder beruflich weiter gehen soll
  • dass du dich völlig überfordert fühlst
  • dass du alleine keine Lösung findest
  • dass du deine Lebensfreude verloren hast
  • dass du mit vielen Ängsten und Sorgen zu kämpfen hast
  • dass es dir seit einigen Wochen immer schlechter geht

Vielleicht gibt es Personen in deiner Familie oder in deinem Freundeskreis, die du ins Vertrauen ziehen kannst. Oft geht es einem schon besser, wenn man mit seinen Problemen nicht mehr allein ist und sie sich von der Seele reden kann. Oder du kannst dir professionelle Hilfe suchen.

Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen

Und du kannst auch professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. Eine mögliche Anlaufstelle können Beratungsstellen sein. Unter www.dajeb.de (Beratungsführer online) findest du alle Beratungsstellen bei dir vor Ort – von Familienberatung über Lebensberatung bis zur Suchtberatung. Die Beratung ist in der Regel kostenlos.

In Selbsthilfegruppen findest du Menschen mit ähnlichen Problemen und Sorgen. Gleichgesinnte können sich dort zu ganz unterschiedlichen Themen austauschen und sich gegenseitig unterstützen. Wenn dich insbesondere deine Krankheit belastet, kann die Endometriose-Vereinigung Deutschland (e.V. www.endometriose-vereinigung.de) hilfreich für dich sein. Es gibt in Deutschland Selbsthilfegruppen zu vielen weiteren Themen. Diese kannst du unter www.nakos.de/ finden.

Akute Hilfe

Stimmst du einer der untenstehenden Aussagen zu, solltest du dir tatsächlich schnellstmöglich Hilfe suchen!

  • wenn du deine momentane Lebenssituation nicht mehr ertragen kannst
  • wenn du deinen Lebensmut komplett verloren hast
  • wenn du unter extremen Ängsten leidest
  • wenn du völlig die Kontrolle über dich verlierst
  • wenn du manchmal denkst, dass du lieber tot wärst
  • wenn du dein Leben beenden willst

Gute Ansprechpartner können auch hier Personen deines Vertrauens sein. Falls du einen guten Draht zu ihnen hast, können dir zudem deine behandelnden Ärzte in einer solchen Situation zur Seite stehen. Oder du kannst dich anonym und kostenlos rund um die Uhr an die Telefonseelsorge wenden (0800 1110111). Ebenso ist der ärztliche Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen (116 117) immer zu erreichen. Wenn eine unmittelbare Gefahr für dich selbst oder andere besteht, solltest du nicht zögern, den Rettungsdienst (112) oder die Polizei (110) zu rufen. Niemand muss sich für seine psychische Beschwerden oder für Suizidgedanken schämen. Sie kommen weitaus häufiger vor als man vermuten könnte. Und sie sind Ausdruck einer seelischen Notlage, in der die betroffene Person schnell Unterstützung braucht.

Psychotherapie

Wenn es dir psychisch nicht gut geht, kann dir eine Psychotherapie helfen. Du brauchst dazu keine Überweisung, sondern kannst selbst Psychotherapeuten suchen unter:

www.psychotherapiesuche.de

https://www.bundesaerztekammer.de/service/arztsuche/

https://www.bptk.de/

https://www.kbv.de/

Oder du fragst bei deiner Krankenversicherung nach Therapeuten vor Ort. Die Behandlung wird von den Krankenkassen übernommen. Leider sind die Wartezeiten zum Teil lang. Daher ist es wichtig, frühzeitig Kontakt zu Therapeuten aufzunehmen und sich auf mehrere Wartelisten setzen zu lassen. Im nächsten Schritt bekommst du einen Termin zur psychotherapeutischen Sprechstunde. In der Sprechstunde erhältst du eine Empfehlung für die weitere Behandlung. Dies kann eine Psychotherapie sein oder auch andere Unterstützungsangebote. Anschließend haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf 2 bis 4 Probesitzungen. Danach stellt die Psychotherapeutin/der Psychotherapeut die Diagnose und beantragt die Kostenübernahme bei der Kasse.

Du hast also vor einer Psychotherapie Anspruch auf mehrere Probesitzungen. Diese Probesitzungen dienen dazu, zu prüfen, ob zwischen dir und der Therapeutin/ dem Therapeuten die Chemie stimmt, und ob du deine Therapie bei dieser Therapeutin/ dem Therapeuten machen möchtest. Es ist sehr wichtig, dass du dich gut aufgehoben, unterstützt und verstanden fühlst. Diese Dinge sind wesentlich für den Erfolg deiner Therapie. Solltest du dich folglich in den Probesitzungen nicht wohlfühlen, solltest du dir eine andere Therapeutin/ einen anderen Therapeuten suchen.

Es gibt verschiedene Verfahren der Psychotherapie, die nachweislich wirken und daher von den Krankenkassen bezahlt werden. Du kannst selbst überlegen, welches Verfahren am ehesten zu dir passen könnte. Weitere Informationen findest du hier:

Referenzen

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De Graaff AA, D’Hooghe TM, Dunselman GAJ, Dirksen CD, Hummelshoj L, WERF EndoCost Consortium, et al. The significant effect of endometriosis on physical, mental and social wellbeing: results from an international cross-sectional survey. Human Reproduction [Internet]. 2013 Oct 1 [cited 2021 Apr 15];28(10):2677–85. Available from: https://doi.org/10.1093/humrep/det284
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Della Corte L, Di Filippo C, Gabrielli O, Reppuccia S, La Rosa VL, Ragusa R, et al. The Burden of Endometriosis on Women’s Lifespan: A Narrative Overview on Quality of Life and Psychosocial Wellbeing. International Journal of Environmental Research and Public Health [Internet]. 2020 Jan [cited 2021 Apr 15];17(13):4683. Available from: https://www.mdpi.com/1660-4601/17/13/4683
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Facchin F, Barbara G, Dridi D, Alberico D, Buggio L, Somigliana E, et al. Mental health in women with endometriosis: searching for predictors of psychological distress. Human Reproduction [Internet]. 2017 Sep 1 [cited 2021 Apr 15];32(9):1855–61. Available from: https://doi.org/10.1093/humrep/dex249
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Flückiger, C., Del Re, A. C., Wampold, B. E., & Horvath, A. O. The alliance in adult psychotherapy: A meta-analytic synthesis. Psychotherapy [Internet]. 2018 [cited 2021 Apr 15]. Available from: https://doi.apa.org/fulltext/2018-23951-001.html
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Laganà AS, Rosa VLL, Rapisarda AMC, Valenti G, Sapia F, Chiofalo B, et al. Anxiety and depression in patients with endometriosis: impact and management challenges [Internet]. International Journal of Women’s Health. 2017 [cited 2021 Apr 15]. Available from: https://www.dovepress.com/anxiety-and-depression-in-patients-with-endometriosis-impact-and-manag-peer-reviewed-article-IJWH
Teresa Götz
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