Forschung zum Selbstmanagement bei Endometriose

In einer Übersichtsarbeit haben italienische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedene komplementäre Behandlungsmethoden bei Endometriose unter die Lupe genommen (Buggio et al., 2017). Insgesamt gibt es Hinweise, dass Endometriose-Patientinnen von solchen Behandlungsmethoden profitieren können. Allerdings wurden die Studien oft nur mit wenig Patientinnen durchgeführt oder haben andere methodische Probleme. Daher ist zu allen Behandlungsmethoden weitere Forschung notwendig, um positive Effekte eindeutig nachzuweisen.

Ernährung

  • Mehrere Studien zeigten einen positiven Einfluss von Fischöl/ ungesättigten Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken können.
  • Eine Studie fand einen Zusammenhang zwischen Endometriose-Risiko und einem erhöhten Konsum von rotem Fleisch. Andere Studien fanden dies nicht.
  • Eine Studie kam zum Ergebnis, dass ein erhöhter Konsum von Obst und Gemüse das Endometriose-Risiko senken kann.
  • Zwei Studien zeigten erste Ergebnisse, dass Frauen mit Endometriose von einer Gluten-freien Diät profitieren könnten.
  • Es konnte kein Nachweis gefunden werden, dass Kaffee das Endometriose-Risiko erhöht.

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Nahrungsergänzungsmittel

  • Einige Studien wiesen einen positiven Effekt von Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel nach, andere nicht.
  • N-Acetylcystein (NAC) ist ein Stoff, der in Lebensmitteln wie Brokkoli, roter Paprika, Knoblauch, Zwiebeln und Geflügel enthalten ist. Als Nahrungsergänzungsmittel konnte er in einer italienischen Studie nach drei Monaten Schmerzen reduzieren.
  • Resveratrol kann in Trauben, Beeren und Nüssen gefunden werden. Bisher zeigten Studien an Mäusen positive Effekte auf Endometriose-Gewebe. Studien an Menschen wurden dazu jedoch noch nicht durchgeführt.
  • Sogenannte Endokrine Disruptoren könnten einen negativen Einfluss haben. Sie sind Stoffe, die wir ungewollt durch Ernährung und Umwelt aufnehmen und die auf unser Hormonsystem wirken können. Beispielsweise Bisphenol A (BPA), das in Produkten aus Plastik enthalten sein kann.

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Osteopathie und Massage

  • Zwei kleine Studien konnten einen positiven Effekt von Osteopathie auf die Lebensqualität von Endometriose-Patientinnen zeigen.
  • Eine kleine iranische Studie wies einen positiven Effekt von Massagen auf Endometriose-Schmerzen nach.

Akupunktur und TENS

  • Drei kleine Studien konnten einen positiven Effekt von Akupunktur auf Endometriose-Schmerzen und Lebensqualität zeigen.
  • Eine Studie mit 22 Endometriose-Patientinnen wies einen positiven Effekt von TENS nach. Nach 8 Wochen waren die Schmerzen, die Lebensqualität, das emotionale Wohlbefinden, die soziale Unterstützung und das Selbstbild verbessert.

TCM/ Chinesische Kräuter-Medizin

  • Chinesische Kräuter-Medizin stellt einen Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) dar. Bisher konnten keine Belege gefunden werden, dass sie Endometriose-Symptome verbessern kann.

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Sport und Bewegung:

  • Positive Effekte von Sport sind insgesamt nachgewiesen.
  • Beispielsweise untersuchte Gonçalves et al. 15 Frauen mit Endometriose nach 8 Wochen Yoga Training. Die Frauen berichteten, dass Yoga ihnen im Umgang mit Schmerzen helfe. Ihr Gefühl von Kontrolle und Selbstbewusstsein war gestärkt, Selbstfürsorge und Selbstwertgefühl waren verbessert.

Psychologische Unterstützung

  • Die Autoren verweisen auf eine hohe psychische Belastung der Endometriose-Patientinnen.
  • In einer Studie mit 67 Patientinnen wurde der Nutzen von Psychotherapie untersucht (Meissner, 2016). Die Psychotherapie in dieser Studie kombinierte Elemente von achtsamkeitsbasierter Psychotherapie, Hypnotherapie, Problem-Löse-Training und kognitiv-behavioraler Therapie. Außerdem wurden Techniken der TCM genutzt, wie Akupunktur, Wärme (Moxibustion) und Schröpfen. Die Patientinnen wurden ermutigt, die Therapien zu Hause selbst weiterzuführen, z.B. Qi Gong Übungen, Kräutertees oder Wärmeanwendungen. Die Studie konnte zeigen, dass durch die Behandlung sowohl die Schmerzen als auch die körperlichen und psychischen Lebensqualität verbessert wurde. Der Effekt war nicht nur 3 Monate nach der Behandlung nachweisbar, sondern auch nach 6 und 24 Monaten.
  • Hansen et al. (2016) untersuchte die Effekte von einer 10-stündigen achtsamkeitsbasierten psychologischen Intervention (Einzel- und Gruppensetting). Teilnehmerinnen waren 10 Frauen mit chronischen Unterbauchschmerzen. Die Behandlung beinhaltete Achtsamkeitsübungen, Imaginationsübungen, Beratung, Unterstützung durch die Gruppe und Psychoedukation zu den Themen chronische Erschöpfung, Schlafqualität, Arbeit, Beziehung und Familie. Die Teilnehmerinnen zeigten eine langfristige Verbesserung in der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, die sogar noch nach 6 Jahren nachweisbar war.

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Gut zu wissen!

  • Fischöl/ungesättigte Fettsäuren können sich positiv auf die Entzündungshemmung auswirken.
  • N-Acetylcystein (NAC) konnte in einer italienischen Studie nach drei Monaten Schmerzen reduzieren.
  • Zwei kleine Studien konnten einen positiven Effekt von Osteopathie auf die Lebensqualität von Endometriose-Patientinnen zeigen.
  • Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass es gute Belege für den Nutzen von psychologischer Unterstützung gibt. Insbesondere Schmerzen scheint sie kurz- und langfristig verbessern zu können. Allerdings merken sie an, dass die psychologische Unterstützung sich nicht nur auf die Verbesserung der Symptome beschränken sollte. Sondern sie sollte auch die allgemeine Krankheitsverarbeitung und die Integration der Erkrankung in die Lebensgeschichte und die weibliche Identität der Betroffenen fördern.
  • Die Forscher sprechen sich zudem für eine psychologisch-sexualtherapeutische Beratung der Patientinnen aus, um Schmerzen beim Geschlechtsverkehr zu reduzieren. Gerade wenn sexuelle Probleme sehr belastend sind, ist Unterstützung von speziell ausgebildeten Fachleuten hilfreich. Betroffene können im geschützten Rahmen mit einer unterstützenden Fachperson auch über sehr persönliche Fragen sprechen.
  • Hilfreiche Tipps können z.B. sein:
    • Gleitgel, Vorspiel, verzögerte Penetration, ausprobieren verschiedener Sexstellungen mit langsamer und sanfter Penetration.
    • Ausprobieren, wann im Zyklusverlauf die Schmerzen beim Geschlechtsverkehr am geringsten sind. Oft rund um die Periode die schwierigste Zeit.
    • Entspannungstechniken
    • Kommunikationstechniken, um die Beziehung zu verbessern und eine offene und ehrliche Kommunikation zu fördern

Fazit
Insgesamt betonen die Wissenschaftler die Wichtigkeit eines multidisziplinären Teams bei der Behandlung von Endometriose. Ziel ist, dass die Behandlung auf die individuellen Symptome, Probleme, Bedürfnisse und Wünsche der Patientin zugeschnitten werden kann.

Referenzen

  • Buggio, L., Barbara, G., Facchin, F., Frattaruolo, M. P., Aimi, G., & Berlanda, N. (2017). Self-management and psychological-sexological interventions in patients with endometriosis: strategies, outcomes, and integration into clinical care. International journal of women’s health, 9, 281–293. https://doi.org/10.2147/IJWH.S119724
  • Gonçalves AV, Makuch MY, Setubal MS, Barros NF, Bahamondes L. A Qualitative Study on the Practice of Yoga for Women with Pain-Associated Endometriosis. J Altern Complement Med. 2016 Dec;22(12):977-982. doi: 10.1089/acm.2016.0021. Epub 2016 Aug 23. PMID: 27552065.
  • Hansen KE, Kesmodel US, Kold M, Forman A. Long-term effects of mindfulness-based psychological intervention for coping with pain in endometriosis: a six-year follow-up on a pilot study. Nord Psychol. 2017;69(2):100–109.
  • Meissner, K., Schweizer-Arau, A., Limmer, A., Preibisch, C., Popovici, R. M., Lange, I., de Oriol, B., & Beissner, F. (2016). Psychotherapy With Somatosensory Stimulation for Endometriosis-Associated Pain: A Randomized Controlled Trial. Obstetrics and gynecology128(5), 1134–1142. https://doi.org/10.1097/AOG.0000000000001691

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Teresa Götz
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