Umweltgifte und Endometriose: warum „bio“?

Eigentlich könnte man das Thema in zwei Sätzen zusammenfassen: Frauen, die sich Umweltgiften aussetzen, haben ein höheres Risiko, an Endometriose zu erkranken und Obst und Gemüse, das nicht „bio“ ist, hat nur geringe positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Anders formuliert: Wer „bio“ isst, erkrankt seltener an Endometriose und wer auf „bio“ verzichtet, erhöht sein Risiko für Endometriose. Weitere Argumente um grundsätzlich nur noch Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau zu verzehren und deinen Lebensstil plastikfrei zu gestalten, erklären wir dir im Folgenden:

Plastik

Weichmacher in Plastik fördern die Entstehung von Endometriose

Phtalate und Bisphenol-A stehen in klarem, statistischem Zusammenhang mit Endometriose. [6] Frauen, die unter Endometriose leiden, hatten deutlich erhöhte Spiegel dieser beiden Stoffe im Blut. [1] Beide Stoffe sind hormonell wirksam und können bei Frauen und Männern gleichermaßen zu Unfruchtbarkeit führen.

Phtalate sind Weichmacher, die in vielen Plastik- und Gummiprodukten, aber auch Kosmetikprodukten wie Shampoo, Zahnpasta und Duschgel enthalten sein können. Phtalate sind besonders gut in Fett löslich und können daher aus Plastikverpackungen von Lebensmitteln herausgelöst werden. In der EU sind einige Phtalate mittlerweile aus Kosmetika und Kinderspielzeug verbannt, trotzdem werden im Alltag aber über die Luft und Haut (z.B. durch PVC-Böden, Möbel, Plastikgegenstände) sowie die Nahrung (in Plastik verpackte oder im Herstellungsprozess mit Plastik in Verbindung gekommene Lebensmittel) weiterhin Phtalate aufgenommen. [2]

Bisphenol-A

Bisphenol-A ist in vielen Plastikprodukten, aber auch Beschichtungen von Konservendosen oder Marmeladenglasdeckeln enthalten. Sie stecken auch in Trinkwasserflaschen und Wasserkochern aus Plastik. Insbesondere bei Hitze (warme Speisen, kochendes/warmes Wasser) und Säure (Limonaden, Cola, Sauerkonserven,…) geht Bisphenol-A in die Nahrung über. [2] Immerhin hat Deutschland die Verwendung von Bisphenol-A in Babyflaschen und auf Thermopapier für Kassenbons schon verboten. Dass das in Anbetracht der großen Plastikmengen in unserem Alltag nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein ist, kannst du dir sicher denken.

Vor Weichmachern kannst du dich aber recht einfach schützen, indem du zertifizierte (z.B. mit dem „Natrue“ Siegel) Naturkosmetik verwendest und möglichst verpackungsfrei einkaufst und plastikfrei lebst, also für Möbel und Alltagsgegenstände natürliche Materialien verwendest. Kaufst du im Bioladen, so sind die Schraubdeckel von Twist-off Gläsern dort meist auch ohne Bisphenol-A. Du erkennst das an einer etwas bläulichen Färbung der „Dichtlippe“ im Deckel. Es macht aber nicht nur im Hinblick auf Weichmacher mehr als Sinn, grundsätzlich nur im Bioladen oder anderen Geschäften Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau zu kaufen.

Pflanzenschutzmittel reduzieren den gesundheitlichen Nutzen von Obst und Gemüse

In einer Studie fand man heraus, dass Frauen, die besonders viel Obst und Gemüse aßen, keinen deutlichen gesundheitlichen Vorteil auf Endometriose ziehen konnten. [3] Man geht davon aus, dass der damit einhergehende erhöhte Konsum von Pflanzenschutzmitteln dazu führt, dass die antioxidative, also zellschützende Wirkung, reduziert wird, da der Körper mit einer unkontrollierten Mischung aus Giften belastet wird.

Das Problem bei Pflanzenschutzmitteln ist, dass diese in oft unbekannten Mischungen aus diversen Herbiziden, Fungiziden, Pestiziden und weiteren Stoffen wie Konservierungsmitteln und Wachsen auf Obst und Gemüse angewendet werden und es daher extrem schwer ist, die genauen gesundheitlichen Auswirkungen einzelner Gifte auf Endometriose und die allgemeine Gesundheit zu erforschen. [5]

Früher wurden nur wenige Pflanzenschutzmittel verwendet, heute haben sich durch die massenhafte Anwendung dieser Gifte Resistenzen entwickelt, sodass mit immer mehr verschiedenen Wirkstoffen im Anbau gearbeitet wird. [4] Die einzelnen Wirkstoffe werden vor einer Zulassung zwar auf ihre Schädlichkeit geprüft und Maximalwerte in Lebensmitteln dafür festgelegt, jedoch ist nicht untersucht, wie die Mischung dieser vielen unterschiedlichen Gifte im Zusammenspiel wirkt.

Es gibt Studien die nachweisen konnten, dass einzelne Wirkstoffe aus Pflanzenschutzmitteln (Dioxin, PCB, Dibenzofurane, Hexachlorbenzen, Dichlorodiphenyltrichloretan, Bipyridin, Organosphosphat, …) negativ auf die Entstehung von Endometriose, das Wachstum der Endometrioseherde, Entzündungen und/oder den Hormonhaushalt wirken. Wir möchten nicht in die Details der einzelnen Gifte und deren Wirkung auf den Körper und Endometriose im Speziellen eingehen, da sich der Sachverhalt mit zwei Wörtern zusammenfassen lässt: iss „bio“!

Umweltgifte

„Bio“ ist ein Plus für deine Gesundheit

Konsumierst du konsequent Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau, kannst du ausschließen, dass Umweltgifte deiner Gesundheit schaden und Endometriose verursachen oder fördern. Das betrifft auch tierische Lebensmittel wie Fleisch oder Milchprodukte oder Eier, denn wenn das Tierfutter mit Pflanzenschutzmitteln belastet ist, gehen diese Gifte natürlich auch in das Endprodukt über.

Fasse „bio“ dabei als Lebensstil auf, indem du darauf achtest, auch auf Plastik weitestgehend zu verzichten, um Gesundheitsschäden durch Weichmacher auszuschließen.

Verwende zertifizierte Naturkosmetik und kaufe Getränke in Glasflaschen, verzichte auf Konservendosen und achte darauf, dass auch Glas- und Metallverpackungen ohne Weichmacher auskommen. Insbesondere am Anfang ist es einfacher, im Bio-Supermarkt oder Bioladen einzukaufen, denn dort kann man viele Lebensmittel ohne Verpackung oder in Gläsern ohne Weichmacher kaufen und du gehst sicher, zertifizierte Bioprodukte zu kaufen, ohne auf Marketingslogans wie „natürlich“, „naturverbunden“, „regional“, „geprüft“, „zertifiziert“, „schadstoffkontrolliert“ etc. hereinzufallen.

Siegel, denen Du vertrauen kannst sind unter anderem das EU Biosiegel, Demeter, Bioland, Gäa, Naturland, wobei „Demeter“ die höchste Qualitätsstufe darstellt und das EU Biosiegel die geringsten Anforderungen zur Zertifizierung stellt.

Übrigens: „bio“ ist nicht nur für dich besser, sondern auch für deine Familie, denn Umweltgifte können weitaus mehr Krankheiten und Gesundheitsschäden verursachen oder beeinflussen als „nur“ Endometriose!

Referenzen

1.
Rashidi BH, Amanlou M, Lak TB, Ghazizadeh M, Eslami B. A case–control study of bisphenol A and endometrioma among subgroup of Iranian women. J Res Med Sci [Internet]. 2017 Jan 27 [cited 2021 Jul 23];22:7. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5361444/
1.
Warentest S. Phthalate - Was Sie über die Weichmacher wissen sollten - Stiftung Warentest [Internet]. [cited 2021 Jul 23]. Available from: https://www.test.de/Phthalate-Was-Sie-ueber-die-Weichmacher-wissen-sollten-5368775-0/
1.
Helbig M, Vesper A-S, Beyer I, Fehm T. Does Nutrition Affect Endometriosis? Geburtshilfe Frauenheilkd [Internet]. 2021 Feb [cited 2021 Jul 23];81(2):191–9. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7870287/
1.
Mehrfachrückstände von Pflanzenschutzmitteln - BfR [Internet]. [cited 2021 Jul 23]. Available from: https://www.bfr.bund.de/de/mehrfachrueckstaende_von_pflanzenschutzmitteln-195079.html
1.
Lebensmittelsicherheit DTGBL für G und. Lebensmittel: Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln tierischer Herkunft [Internet]. [cited 2021 Jul 23]. Available from: https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/pflanzenschutzmittel/pestizide_tierisch_lm/index.htm
1.
Buck Louis GM, Peterson CM, Chen Z, Croughan M, Sundaram R, Stanford J, et al. Bisphenol A and Phthalates and Endometriosis, The ENDO Study. Fertil Steril [Internet]. 2013 Jul [cited 2021 Jul 23];100(1):162-169.e2. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3700684/
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