Retroflektierter Uterus: Umgekippte/abgeknickte Gebärmutter

„Retroflektierter Uterus“ – so bezeichnen Mediziner eine Gebärmutter, die im Becken nach hinten gekippt ist. Was sich zunächst dramatisch anhört, ist bei etwa 10 % der Frauen der Fall [1]. Doch welche Auswirkungen hat eine umgekippte bzw. abgeknickte Gebärmutter und was hat diese besondere Lage mit Endometriose zu tun?

Ich verrate Dir heute, was hinter dem retroflektierten Uterus steckt und wie er behandelt wird.

So sieht eine „normale“ Gebärmutter aus

Deine Gebärmutter (Uterus) ist ein birnenförmiges, hohles Muskelorgan, dass sich in Deinem Becken befindet. Der Uterus ist eingebettet zwischen Enddarm und Blase. Er wird von sogenannten Ligamenten in der korrekten Position gehalten.

Zur Erklärung: Ligamente sind Haltebänder, die aus Bindegewebe bestehen.

Trotz der Haltebänder ist die Position der Gebärmutter ein Stück weit flexibel. Sie ist also nicht starr, sondern besitzt die Fähigkeit, sich an innere und äußere Einflüsse anzupassen. Das ist zum Beispiel während einer Schwangerschaft wichtig.

Üblicherweise ist die Gebärmutter leicht nach vorne gebeugt, sie zeigt also zu Deinem Bauchnabel hin. Diese Position bezeichnen Mediziner als Anteversion. Wenn Du Dir ein Bild einer Gebärmutter ansiehst, wirst Du feststellen, dass sie leicht nach vorne abgeknickt ist. Diese sogenannte Anteflexion ist völlig normal [2].

Vorwärtsgeneigte Gebärmutter:

Rückwärtsgeneigte Gebärmutter:

Was ist ein retroflektierter Uterus?

Was ist schon normal? In der Natur gibt es viele Abweichungen, zum Beispiel bei der Lage der Gebärmutter. Wie Du jetzt weißt, beugt sich die Gebärmutter üblicherweise nach vorne, bei manchen Frauen zeigt sie aber genau in die entgegengesetzte Richtung.

Wenn Deine Gebärmutter zur Wirbelsäule hin umgekippt oder abgeknickt ist, besitzt Du einen retroflektierten Uterus. In manchen Fällen liegt der Uterus sogar auf dem Rektum.

Es gibt zwei verschiedene Formen bei der umgekippten Gebärmutter: der bewegliche Retroflexio uteri mobilis und der unbewegliche Retroflexio uteri fixata. Wie die Bezeichnung bereits andeutet, ist die Position der Gebärmutter bei der einen Form beweglich und bei der anderen starr [1].

Gut zu wissen!

Im Vergleich zwischen der flexiblen und unflexiblen Form kommt es bei der unbeweglichen Retroflexio uteri fixata häufiger zu Symptomen.

Umgekippte Gebärmutter: Symptome

Ein wichtiger Hinweis vorweg: Selbst wenn Deine Gebärmutter anders liegt, als von der Natur vorgesehen, hat das nicht automatisch einen Krankheitswert. Viele Frauen verspüren mit einem retroflektierten Uterus keinerlei Beschwerden.

Das trifft aber nicht auf alle Patientinnen zu, denn die veränderte Lage im Becken kann andere Organe beeinträchtigen. Liegt der Uterus beispielsweise auf dem Darm auf, kann der Verdauungsablauf gestört sein.

Folgende Symptome kann eine umgekippte Gebärmutter auslösen:

Retroflektierter Uterus – ein Problem beim Kinderwunsch und bei Schwangerschaft?

Eine umgekippte Gebärmutter steht einem Kinderwunsch grundsätzlich nicht im Weg. Die Samenzellen können auf natürliche Weise ihr Ziel erreichen und zu einer Befruchtung führen. Bleibt eine Schwangerschaft langfristig aus, ist es jedoch wichtig, die genauen Ursachen der besonderen Gebärmutterposition zu erforschen. Eine Endometriose kann beispielsweise ursächlich sein und die Empfängnis deutlich erschweren.

Bist Du bereits schwanger, sind die Chancen groß, dass sich die Gebärmutter spontan aufrichtet. Nur sehr selten verbleibt sie in der umgekippten Position. Da sich der Uterus während der Schwangerschaft ausdehnt, kann er dann gegen die Symphyse drücken und verhindern, dass Du Deine Blase vollständig entleerst [1].

Die Sakkulation des Uterus – eine seltene Komplikation

Eine seltene aber ernstzunehmende Komplikation ist die sogenannte Uterussakkulation. Sie kann entstehen, wenn sich die umgekippte Gebärmutter während der Schwangerschaft nicht wieder aufrichtet. Dadurch wird das untere Uterinsegment, wozu die Harnblase, der Gebärmutterhals und der Uterus zählen, ungewöhnlich gedehnt. Infolgedessen kann sich in dem Bereich eine Ausbuchtung bilden [3].

Folgende Leitsymptome deuten auf die Sakkulation des Uterus hin:[3]

Es ist wichtig, dass Mediziner noch vor der Geburt eine entsprechende Diagnose stellen. Ansonsten kann es zu ausgeprägten Krankheitsbeschwerden und Komplikationen kommen. Mit der Magnetresonanztomographie gelingt es, die anatomische Lage zu bestimmen und einen Kaiserschnitt zu planen [3].

Übrigens: Die Sakkulation des Uterus hat in der Regel einen Kaiserschnitt zu folge, somit können Mediziner Risse an der Gebärmutter (Uterusruptur) oder Verletzungen an Blase oder Gebärmutterhals während der Operation verhindern [3].

Gut zu wissen!

Die Wahrscheinlichkeit, dass Du eine Sakkulation, also eine Ausbuchtung Deiner Gebärmutter entwickelst, liegt ca. bei 1 zu 3000 [4].

Retroflektierter Uterus: Ursachen

Auch hier müssen wir wieder zwischen der flexiblen und unflexiblen Form unterscheiden. Eine umgekippte Gebärmutter, die beweglich ist, kann schon in der Kindheit auftreten. Außerdem beobachten Mediziner das Phänomen im Anschluss an eine Schwangerschaft. Nämlich dann, wenn sich die Gebärmutter nach der Geburt nicht vollständig zurückgebildet hat. Eine weitere Ursache kann der sogenannte atrophische Uterus in der Postmenopause sein [1].

Bei der Uterusatrophie handelt es sich übrigens um eine völlig normale Entwicklung. Die Gebärmutter bildet sich zurück, da sie im Alter schlichtweg nicht mehr zur Fortpflanzung benötigt wird. Den Anstoß dazu gibt die veränderte hormonelle Lage im Körper der Frau.

Liegt eine unbewegliche umgekippte Gebärmutter bei Dir vor, ist es wahrscheinlich, dass Entzündungsgeschehen, Operationen oder eine vorliegende Endometriose zu dem Befund führen. Bei all diesen möglichen Ursachen können Verwachsungen zwischen der Gebärmutter und dem Rektum enstehen [1].

Endometriose und umgekippte Gebärmutter: die Zusammenhänge

Wie Du bestimmt weißt, wächst bei einer Endometriose gebärmutterschleimhautartiges Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle. Das kann zu unterschiedlichen Beschwerden führen, wobei das Hauptsymptom Unterleibsschmerzen sind. Sie treten vor allem während der Menstruation oder in Verbindung mit Geschlechtsverkehr auf und können von weiteren Symptomen wie Erbrechen, Durchfall oder Übelkeit begleitet werden [5].

Durch die Ansiedlungen von unerwünschtem Gewebe kann es zu Verwachsungen kommen – der Uterus kann so in seiner unüblichen Lage, nach hinten gekippt, fixiert werden.

Mediziner können sogar mit der umgekippten Gebärmutter einer Endometriose auf die Spur kommen. Eine direkte Darstellung von Verwachsungen im kleinen Becken ist häufig schwierig. Deshalb nutzen Gynäkologen sogenannte „soft marker“. Das sind indirekte Zeichen, die für Endometrioseverwachsungen sprechen. Genau hier kommt der retroflektierte Uterus ins Spiel. Ist er fixiert, nach hinten gekippt und geknickt erinnert er an ein Fragezeichen. Diese ungewöhnliche Form kann auf Endometrioseherde im kleinen Becken hindeuten [6].

Bewegt sich der Uterus im Ultraschall im Verhältnis zum umliegenden Gewebe nicht, kann dies auch auf ein „frozen pelvis“, also ein stark verwachsenes kleines Becken hindeuten, wie es bei starker Endometriose vorkommen kann.

So wird ein retroflektierter Uterus festgestellt

Da nur wenige Frauen Beschwerden verspüren, wenn ihre Gebärmutter umgeknickt ist, stellt die Diagnose häufig einen Zufallsbefund dar. So kann Dir Dein Gynäkologe während einer normalen Vorsorgeuntersuchung völlig überraschend mitteilen, dass sich Dein Uterus lieber nach hinten lehnt.

Mittels transvaginalem 2-D-Ultraschall oder im Rahmen von Tastuntersuchungen (vaginal oder rektal) können Gynäkologen Hinweise auf eine umgekippte Gebärmutter finden.

Vermutet ein Gynäkologe bei Dir eine Endometriose, kann er ganz gezielt nach einer veränderten Position der Gebärmutter suchen. Bei einer tief infiltrierenden Endometriose stellt sich die Gebärmutter beispielsweise häufig retroflektiert dar [7].

Auch bei der Adenomyose, bei der Drüsengewebe der Gebärmutterschleimhaut in das Gebärmutter-Muskelgewebe einwächst, trägt das Fragezeichenphänomen im Ultraschall zur Diagnosestellung bei [7].

Umgekippte Gebärmutter: Therapie

Wenn Du keine Beschwerden hast, muss eine umgekippte Gebärmutter nicht behandelt werden. Spürst Du jedoch Schmerzen oder hast Du Probleme beim Urinieren, gibt es verschiedene Therapieoptionen.

Bei Symptomen versuchen Mediziner, Deine Gebärmutter manuell aufzurichten. Dabei wird der Uterus mit den Händen in die korrekte Position gebracht. Außerdem gibt es die Möglichkeit, ein spezielles Pessar, das Smith-Hodge-Pessar, einzusetzen und so die Gebärmutter aufzurichten [1].

Sofern die manuelle Therapie Deine Beschwerden gebessert hat, kannst Du mit Deinem Gynäkologen besprechen, ob ein operativer Eingriff bei Dir Sinn macht. Während der Operation wird ein Halteband (Ligg. rotunda oder die Ligg. Sacrouterina) verkürzt [1, 8].

Vielleicht führen Endometrioseverwachsungen dazu, dass Deine Gebärmutter gekippt ist. Auch dann kommt ein operativer Eingriff infrage, um den Uterus wieder zu mobilisieren, also die Verwachsungen zu lösen und die Endometriose zu entfernen. Allerdings kann es sein, dass die Endometrioseherde zurückkehren [9].

Kurz und knapp

Für gewöhnlich orientiert sich Deine Gebärmutter in Richtung Bauchwand. Bei einem retroflektierten Uterus ist Deine Gebärmutter allerdings nach hinten gekippt. Das Phänomen betrifft etwa 10 % der Frauen und hat nicht unbedingt einen Krankheitswert. Viele Frauen leben damit, ohne jemals Beschwerden zu haben.

In einigen Fällen kann eine umgekippte Gebärmutter zu Kreuzschmerzen, Verstopfungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder einer schmerzhaften Menstruation führen. Nur wenn Du Beschwerden verspürst, ist eine Therapie nötig. Mediziner können dann die Gebärmutter mit den Händen oder einem Pessar in die richtige Position bringen. Alternativ können auch die Haltebänder gekürzt werden.

Eine umgekippte Gebärmutter kann übrigens bereits ab der Geburt bestehen, sich im Alter durch die Rückbildung der Gebärmutter ergeben oder die Folge von Entzündungen bzw. Verwachsungen sein. Der retroflektierte Uterus tritt beispielsweise in Verbindung mit Endometriose auf.

Referenzen

  1. Diedrich, Klaus. Gynäkologie und Geburtshilfe (Springer-Lehrbuch) (German Edition) (S.165). Springer Berlin Heidelberg. Kindle-Version.
  2. Pschyrembel Online | Uterus
  3. Linder N, Tauscher A, Borte G. Die Sakkulation des Uterus–Eine seltene, aber bedrohliche Komplikation in der Schwangerschaft [Sacculation of the uterus – a rare but ominous complication in pregnancy]. Rofo. 2015 Jan;187(1):57-8. German. doi: 10.1055/s-0034-1366598. Epub 2014 Aug 29. PMID: 25171503.
  4. Thieme E-Journals – Geburtshilfe und Frauenheilkunde Der fixierte retroflektierte Uterus in der Schwangerschaft mit Entwicklung einer hinteren Sakkulation – ein Fallbericht
  5. Gesundheitsinformation: Endometriose
  6. Di Donato N, Bertoldo V, Montanari G, Zannoni L, Caprara G, Seracchioli R. Question mark form of uterus: a simple sonographic sign associated with the presence of adenomyosis. Ultrasound Obstet Gynecol. 2015 Jul;46(1):126-7. doi: 10.1002/uog.14750. Epub 2015 May 27. PMID: 25486912.
  7. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Leitlinienprogramm. Diagnostik und Therapie der Endometriose. August 2020.
  8. Pschyrembel Online | Retroflexio uteri
  9. Diedrich, Klaus. Gynäkologie und Geburtshilfe (Springer-Lehrbuch) (German Edition) (S.166). Springer Berlin Heidelberg. Kindle-Version.
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Dipl.-Ges.oec. Jennifer Ann Steinort