Wie geht man mit einem schlecht informierten Arzt um?

Heute geht es um das Thema Kommunikation mit Ärzten: Denn während es viele gute und auch engagierte Ärzte gibt, gibt es auch ein paar, die noch nicht genug über Endometriose wissen und dann vielleicht Dinge sagen, die nicht stimmen, die verletzend sind oder bei denen ihr euch nicht ernst genommen fühlt.

Was dies für Themen sein können, warum diese nicht stimmen – und womit ihr eurem Arzt dann auch entgegnen könnt – wann ihr euch einen neuen Frauenarzt oder Hausarzt suchen solltet, damit ihr jemanden habt, der euch wirklich unterstützt – all das besprechen wir in diesem Artikel.

Der folgende Text ist eine Zusammenfassung aus einem Facebook-Live, in dem ich diese häufig gestellte Frage in unserer Facebook-Gruppe beantwortet habe.

In diesem Artikel geht vor allen Dingen um die schlecht informierten Frauenärzte, die Halb- und Unwahrheiten über Endometriose preisgeben und vielleicht auch die richtige Diagnose oder Behandlung damit ein bisschen hinauszögern. Hierzu werde ich oft gefragt, was man als Betroffene dann antworten könnte, wie man damit umgeht und wann man den Frauenarzt wechseln sollte.

Ich bin immer wieder überrascht, welche Halb- und Unwahrheiten Patientinnen teilweise von ihren Gynäkologen zu hören bekommen. Während meiner Arbeit im Endometriosezentrum hatte auch ich viel Kontakt mit Frauenärzten – auch in Fortbildungen – und ich hatte immer das Gefühl, die Leute wissen wirklich, worum es geht. Aber natürlich ist das ein Personenkreis, der sich schon mit dem Thema Endometriose beschäftigt.

Was ich häufig lese und auch erschreckend finde, ist, dass die Schmerzen (auch während der Periode) gar nicht so ernst genommen werden. Dazu möchte ich vorab noch sagen, Frauenärzte sind auch nur Menschen. Manchmal fehlt ihnen das Wissen. Aber es ist ein Unterschied, ob man etwas nicht weiß, dies zugibt und dann weiter überweist – wogegen, wie ich finde, nichts spricht – oder ob man wirklich die Beschwerden kleinredet oder sich sicher ist, dass sein Wissen korrekt ist.

„Ihre Schmerzen bilden Sie sich nur ein…“

Oft höre ich von Patientinnen, dass Frauenärzte ihnen gesagt haben, sie sollen sich nicht so anstellen, Schmerzen während der Periode sind normal. Ich brauche euch nicht zu erzählen, dass diese Aussage falsch ist.

Leichte Schmerzen während der Periode sind normal, aber das, was du als Endometriose-Patientin oft an Schmerzen verspürst, ist offensichtlich nicht normal. Wenn ein Frauen- oder auch Hausarzt sagt, diese Schmerzen wären normal, macht es Sinn, vielleicht darauf hinzuweisen, dass es die Krankheit Endometriose gibt, dies eine physiologische Erkrankung ist und dass die Schmerzen nicht normal sind.

Aber natürlich ist es auch so, dass man sich von solchen Aussagen auch entmutigen lässt, wenn man noch nicht ganz sicher ist, welche Ursache diese Schmerzen überhaupt haben, und dann denkt, es wäre tatsächlich normal.

Deshalb machen viele Prominente, Betroffene und Vereinigungen darauf aufmerksam, dass starke Periodenschmerzen eben nicht normal sind.

Wenn du selbst schon den Verdacht hast, dass du Endometriose haben könntest, ist es wichtig, selbstbewusst zu bleiben und vielleicht auch nicht zu viel Energie damit zu verschwenden, es dem Frauenarzt zu erklären, sondern sich weiter auf die Suche nach einem anderen Arzt macht.

Man kann auch ohne Überweisung zu Endometriosezentren gehen – in den meisten Fällen geht das tatsächlich. Falls eine Überweisung erforderlich ist, kannst du deinen Haus- oder Frauenarzt ansprechen.

Viele Betroffene berichten auch immer wieder, ihnen würde gesagt, dass ihre Schmerzen eingebildet wären oder Endometriose etwas Psychologisches wäre. Dafür gilt das Gleiche: Wenn ein Arzt so wenig Verständnis für diese Erkrankung hat, sollte man wechseln.

Endometriose ist natürlich keine psychische Erkrankung, sondern eine Erkrankung, die im Bauchraum stattfindet, die von Zellen ausgelöst wird und psychologische Effekte haben kann, aber natürlich keine rein psychologische Erkrankung ist.

„Die Endometriose wurde doch operiert – da kann ja nichts mehr sein!“

Bei diesem Satz würde ich denken, dass man mit dem Arzt evtl. noch mal darüber reden und widersprechen kann. Wenn es aber zu viel Kraft kostet, wechsle lieber den Arzt.

Je nach Studie kommt die Endometriose trotz Operation wieder zurück, die Beschwerden sind häufig chronisch. Lasse dich mit solchen Aussagen also bitte nicht verunsichern!

Wünschenswert wäre natürlich, wenn alle (Frauen-)Ärzte über Endometriose aufgeklärt wären. Dies ist aber einfach oft nicht der Fall. Deshalb finde ich es immer wichtig, dass du dich auch außerhalb der Ärzte informierst, damit du dein eigenes Wissen hast – Wissen, auf das du dich verlassen kannst, weil es aus zuverlässigen Quellen stammt – und du dich nicht verunsichern lässt.

Empfehlenswerte Bücher über Endometriose findest du übrigens in dieser Zusammenfassung: Buchempfehlungen

„Man kann Endometriose nur im Ultraschall feststellen – wenn dort nichts zu sehen ist, dann ist da auch nichts.“

Das stimmt nicht. Vor allem die peritoneale Endometriose ist häufig sehr schlecht im Ultraschall sichtbar. Der zuverlässigste Weg, ob Endometriose vorhanden ist oder nicht, ist die Bauchspiegelung. Manchmal kann man Anzeichen im Ultraschall sehen – manchmal aber auch nicht.

Zysten kann man beispielsweise gut im Ultraschall sehen; manche spezialisierten Ultraschallexperten können auch Adenomyose ganz gut im Ultraschall erkennen. Es ist jedoch immer von der Endometriose abhängig: Es gibt kleine Endometrioseherde, die starke Schmerzen verursachen können und die man nicht im Ultraschall sieht.

Zusätzlich ist es so, dass es auch auf die Expertise des Arztes ankommt. Ärzte, die Erfahrung mit Endometriose haben, wissen natürlich viel genauer, wonach sie (beispielsweise im Ultraschall) suchen müssen.

„Deine Schmerzen sind nicht zyklusabhängig, also kann es keine Endometriose sein!“

Auch diese Aussage stimmt so nicht. Natürlich sind Unterbauchschmerzen während der Periode das häufigste Symptom bei Endometriose (siehe dazu auch unseren Symptom Explorer).

Andersherum kann man Endometriose aber auch nicht automatisch ausschließen, wenn man während der Periode keine Schmerzen hat.

Viele Betroffene haben außerhalb der Periode Schmerzen. Gerade, wenn diese Schmerzen häufiger sind oder selbst nach einer OP nach Jahren wieder auftreten, kann dies mit der Endometriose zusammenhängen. Deshalb macht es bei einer solchen Aussage Sinn, sich an einen Experten zu wenden.

Beinschmerzen sind beispielsweise ein Symptom, das gar nicht so selten auftritt, welches aber häufig nicht mit Endometriose in Verbindung gebracht wird.
Endometriose ist ja eine Erkrankung, die sich sehr häufig auch an den Nerven orientiert und sich häufig auch an den Beckenwänden anheftet – es laufen einige Nerven durch das Becken, unter anderem auch Nerven für die Bein-Innervierung und die Beinmuskulatur. Dazu gehören auch die Nerven, die zur Blase führen und für die Blasenfunktion verantwortlich sind.

Das heißt, Symptome wie häufiges Wasserlassen oder aber auch Beinschmerzen, sogar motorische Probleme bei der Beinbewegung können mit Endometriose zusammenhängen.

Häufig wird man dann an einen Orthopäden überwiesen, was nicht grundsätzlich falsch ist. Hast du jedoch bereits die Diagnose Endometriose und bekommst plötzlich regelmäßig Beinschmerzen, solltest du auch das im Hinterkopf behalten und dich an einen Spezialisten im Endometriosezentrum wenden.

Denn Endometriose, die die Nerven betrifft, braucht einen erfahrenen Operateur, der wirklich an den Nerven gut operieren kann.
Es gibt sogar eine Fachrichtung – die Neuropelviologie – die sich tatsächlich mit diesen Nerven und Operationen im Beckenbereich beschäftigt.

„Manche Ärzte überweisen nicht gerne weiter.“

Das finde ich problematisch, weil es zeigt, dass man nicht so richtig anerkennt, dass da ein Problem vorliegt, oder aber – das ist auch eine Art der Nichtweiterüberweisung von Ärzten, die manchmal ambulante Operationen durchführen – zu sagen, sie operieren selber, sie schauen selber nach der Endometriose. Das können gute Operateure sein, trotzdem muss man vielleicht ehrlich mit dem Arzt besprechen, ob es Sinn macht, wenn sich bei der OP herausstellt, dass es ein größerer Eingriff ist.

Wenn der Verdacht auf Endometriose relativ stark ist, würde ich immer empfehlen, für die Operation zu einem Operateur zu gehen, der viele große Operationen macht. Dadurch kann verhindert werden, dass man am Ende vielleicht zweimal operiert werden muss – einfach, weil man evtl. noch andere Fachrichtungen mit einbeziehen muss oder das Leistungsspektrum des ambulanten Operateurs für eine größere OP nicht ausgelegt ist.

Wenn es aber tatsächlich daran liegt, dass ein Arzt dich nicht weiter überweisen will, weil er die Erkrankung bzw. deine Beschwerden nicht ernst nimmt, ist es tatsächlich Zeit, sich einen anderen Arzt zu suchen.

Dasselbe betrifft beispielsweise auch ein verharmlosendes Verhalten des Arztes: „Sie bilden sich das nur ein, machen Sie mal mehr Sport oder ändern Sie Ihre Ernährung, das ist alles gar nicht so schlimm“.

Sport und Ernährung können ja tatsächlich helfen, aber es geht auch darum, wie man das Ganze angeboten bekommt – wenn es beispielsweise darum geht, was man selber zusätzlich zur Therapie noch machen kann. Richtig formuliert, mögen dies auch sinnvolle Ratschläge sein.

Ich weiß, dass viele Frauen mit Endometriose sehr frustriert sind, weil sie nicht ernst genommen werden – ob nun von Ärzten, von denen man eigentlich erwartet, Informationen oder Unterstützung zu erhalten, oder vom eigenen Umfeld.

Deshalb möchte ich sagen: Gebt die Hoffnung nicht auf! Es gibt wirklich Ärzte, die euch ernst nehmen – und es werden immer mehr, auch wenn es derzeit noch viel zu wenige sind.

Empfehlungen könnt ihr unter anderem in den sozialen Medien oder auch bei der Stiftung Endometriose-Forschung oder der Endometriose Vereinigung bekommen.

Es gibt viele engagierte Ärzte, die sich auch zum Thema Endometriose weiterbilden. Nur leider ist es (noch) schwierig, diese dann auch zu finden.

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Dr. med. Nadine Rohloff
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