Vulvodynie – Der mysteriöse Schmerz im Schambereich

Vor einiger Zeit kam in unserer Community das Thema Vulvodynie auf. Während die einen sofort wussten, wovon die Rede ist, war das Thema für viele total unbekannt.

Deshalb erklären wir euch heute, was es damit auf sich hat und was die Endometriose damit zu tun haben könnte. Außerdem haben wir eure besten Tipps gesammelt, wenn es untenrum mal wieder schmerzt oder juckt.

Vulvo….was?

Vulvodynie bezeichnet eine chronische Missempfindung im Bereich der äußeren Geschlechtsorgane der Frau – also der Vulva. Diese Missempfindungen können von Jucken über Brennen bis hin zu Schmerzen reichen und werden häufig durch Druck auf die betroffenen Stellen ausgelöst. Dabei kann bereits das Tragen von Unterwäsche ein Auslöser sein. Weitere Trigger sind zudem Sex, langes Sitzen oder gynäkologische Untersuchungen.

Doch so unbekannt wie der Begriff unter Laien ist, sind auch die möglichen körperlichen Ursachen. Diese sind sogar in der Fachwelt bislang ungeklärt. Deshalb kommen gleich mehrere unterschiedliche Bereiche infrage. Im Verdacht stehen folgende:

  • Zu starke/schwache Beckenbodenmuskulatur
  • Verletztes Nervengewebe (Nervenläsionen)
  • Erhöhte Anzahl an Nervenfaser im Bereich der Vulva
  • Erhöhte Anzahl an Entzündungsmarkern im Bereich der Vulva
  • Überempfindlichkeit gegenüber körpereigenen Substanzen (z.B. der eigenen Vaginalflora)
  • Starke Reaktion auf Infektionen oder Gewebeverletzungen
  • Genetische Prädisposition

Eine Vulvodynie kann jedoch eben nach überstandenen anderen Erkrankungen im Intimbereich auftreten. Besonders nach der nicht-ansteckenden, aber äußerst lästigen Hautkrankheit Lichen sclerosus kann es sein, dass Patientinnen eine Vulvodynie entwickeln. Lassen Beschwerden wie Brennen oder Schmerz nicht nach, obwohl ansonsten keinerlei Symptome eines Lichen sclerosus mehr vorhanden sind, solltest du auf jeden Fall auf Vulvodynie untersucht werden. [1]

Übrigens gaben bei einer Studie rund 45 % der Teilnehmerinnen an, neben der Vulvodynie noch von mindestens einem weiteren chronischen Schmerzzustand betroffen zu sein. Diese waren Reizdarmsyndrom, Fibromyalgie, interstitielle Zystitis (chronisch schmerzende Blase), chronische Fatigue sowie Endometriose. Dieses Zusammenspiel führte dazu, dass sich die Frauen meist mit ihren Schmerzen allein gelassen und in der Folge sozial isoliert fühlten. [2]

Doch wie genau stehen jetzt Endometriose und Vulvodynie eigentlich in Zusammenhang?

Vulvodynie und Endometriose – das schmerzvolle Duo

Nichts Genaues weiß man nicht! So könnte man die aktuelle Studienlage zum Thema wohl am besten beschreiben. Dass es zwischen beiden Krankheitsbildern eine Verbindung gibt, kann als gesichert gelten. Wie diese allerdings aussieht und was von beiden was bedingt, ist der Wissenschaft immer noch nicht so ganz klar.

Weist eine Patientin gleich mehrere schmerzbezogene Krankheitsbilder auf, kann das zum Beispiel mit dem sogenannten chronisch überlappenden Schmerzsyndrom (COPC) erklärt werden. Ähnlich wie in der oben beschriebenen Studie umfasst das COPC chronische Rückenschmerzen, Spannungskopfschmerzen und Migräne, Fibromyalgie, Fatigue, interstitielle Zystitis, Schmerzen im Kieferbereich sowie Endometriose und Vulvodynie. Die Ursache hierfür wird in der Lebensweise einer Person, genetischen Vorbedingungen oder auch speziellen Lebensereignissen, wie Traumata, vermutet. Zudem gehen die Forschenden davon aus, dass bei Patientinnen mit COPC die Reizverarbeitung durch die Nerven nicht richtig funktioniert. Dies führt dann schließlich zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit. [3]

Allerdings muss es sich gar nicht unbedingt um eine Vulvodynie handeln. So wird die äußerst seltene Vulvar-Endometriose oft fälschlicherweise als Vulvodynie diagnostiziert. Bei dieser Art der Endometriose kann es zu Knoten, Hautläsionen, Polypen oder Schwellungen im Bereich der Vulva kommen. Schmerzen treten dann meist zyklisch im Bereich der Vulva oder des Damms auf und werden während der Menstruation stärker. [4, 5]

Falls du auch bei dir diese Regelmäßigkeit feststellst, frage ruhig deine behandelnde Ärztin, was sie dazu denkt.

Was hilft denn nun?

Mithilfe unserer Community und einigen wissenschaftlichen Quellen, haben wir hier einmal zusammengetragen, was bei Vulvodynie helfen kann. Da die Ursachen des mysteriösen Schmerzes noch unbekannt sind, können in erster Linie nur die Symptome behandelt werden.

Doch auch ein interdisziplinärer Ansatz mit Ärzt:innen aus verschiedenen Fachbereichen sowie zusätzliche, alternative Behandlungen können einen positiven Einfluss auf die Symptomatiken der Vulvodynie haben.

Um einen besseren Überblick zu bekommen, haben wir alles in drei Kategorien unterteilt.

1. Arznei

  • Schmerzmittel (z.B. mit dem Wirkstoff Lidocain)
  • Atmungsaktive Schutzsalben oder Gels zur Befeuchtung
  • Kortisonsalben
  • Salben gegen Hautpilze (Antimykotikum)
  • Milchsäurekuren
  • Lokale Hormontherapie in Form von Salben
  • Antidepressiva
  • Antikonvulsivum (hemmt Erregbarkeit der Nerven)

2. Komplementärmedizin

  • Physiotherapie
  • Lasertherapie
  • Neurostimulation

3. Self-Care

  • Kälte
  • Bestimmte Ernährung
  • Was immer für dich persönlich Self-Care bedeutet!

Jetzt liegt es an dir, die passende Behandlung für dich zu finden. Sprich deine Gynäkologin doch einfach mal darauf an. Vielleicht könnt ihr gemeinsam einen Plan erarbeiten, der dir bei der Verringerung der Symptome hilft und dir langfristig untenrum ein besseres Gefühl verschafft.

Kurz und knapp zusammengefasst

Vulvodynie ist eine chronische Missempfindung der Vulva, die häufig mit anderen schmerzbezogenen Krankheiten einhergeht. Über mögliche Auslöser wird noch heiß diskutiert.

Ähnlich wie bei der Endometriose, bedarf auch das Thema Vulvodynie noch einiger Forschung, um Zusammenhänge besser zu verstehen und letztendlich gezieltere Behandlungsmöglichkeiten für Patientinnen zu schaffen. So könnte vermieden werden, dass sich Frauen nicht ausreichend ärztlich behandelt und in der Folge alleingelassen fühlen.

Begleiterscheinungen wie psychische Belastung oder Depression könnte dadurch ebenfalls abgemildert werden.

Fest steht nur, dass du für dich selbst den besten Umgang mit dem lästigen Brennen oder den andauernden Schmerzen finden musst.
Scheue außerdem nicht davor zurück, deine Frauenärztin auf die Thematik anzusprechen. Einen Versuch ist es wert!

Referenzen

  1. Lewis, F.M. et al. 2018. „British Association of Dermatologists guidelines for the management of lichen sclerosus 2018.“ http://medi-guide.meditool.cn/ymtpdf/93AE7142-CF55-F73B-78F4-90549715D9B7.pdf, Zugriff am 27.05.2022.
  2. Nguyen, R.H.N. et al. 2012. „Co-morbid pain conditions and feelings of invalidation and isolation among women with vulvodynia.“ Psychology, Health & Medicine 17 (5).
  3. Häuser, W. 2021. „Endometriose und chronische überlappende Schmerzsyndrome.“ Der Schmerz 35: 179-182.
  4. Adedipe, T. O., Chukwujama, U. 2021. „Vulvar Endometriosis Mimicking as Primary Vulvodynia in a Young Nulliparous Woman: Algorithm of Care Following a Rapid Literature Review.“ Journal of Clinical Gynecological Obstetrics 10 (2): 35-39.
  5. Maillard, C. et al. 2021. „Diagnosis and Treatment of Vulvo-Perineal Endometriosis: A Systematic Review.“ Frontiers in Surgery 8.

Hast du auch mit Vulvodynie zu kämpfen?

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Meike Fischer