Omega-3 Fettsäuren bei Endometriose

Omega-3 Fettsäuren

Gesunde Omega-3 Fettsäuren sind bei Endometriose empfehlenswert.

Omega-3-Fettsäuren sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren und ein wichtiger Bestandteil der gesunden Ernährung bei Endometriose. Weil Omega-3 Fettsäuren bei Endometriose entzündungshemmend wirken, positiv an der Hormonproduktion beteiligt sind und das Immunsystem unterstützen, [1] sollten sie regelmäßig konsumiert werden. Und dies nicht als sogenannte „Fischölkapseln“, sondern in Form von Lebensmitteln, in denen sie vorkommen: fetter Seefisch und heimische Öle, wie zum Beispiel Rapsöl.

Was sind Omega-3 Fettsäuren?

Um zu verstehen, was Omega-3 Fettsäuren sind, muss man zunächst wissen, dass es verschiedene Fettsäuren gibt. Alle Nahrungsfette sind aus Fettsäuren aufgebaut, welche sich in zwei grundsätzliche Gruppen einteilen lassen:

  • gesättigte Fettsäuren und
  • ungesättigte Fettsäuren

Das klingt erst kompliziert, ist aber schon beim Einkaufen leicht zu erkennen: gesättigte Fettsäuren sind bei Zimmertemperatur fest, ungesättigte Fettsäuren flüssig. Zu den gesättigten Fettsäuren gehören demnach tierische Fette (Speck, Butter …), aber auch manche pflanzliche Fette (Palmöl, Kokosöl) und zu den ungesättigten Fettsäuren die meisten pflanzlichen Öle.

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren müssen mit der Ernährung aufgenommen werden.

Die ungesättigten Fettsäuren werden weiter unterteilt in:

  • einfach ungesättigte Fettsäuren
  • mehrfach ungesättigte Fettsäuren

Einfach ungesättigte Fettsäuren, zum Beispiel in Olivenöl oder Rapsöl sind nicht essenziell, müssen also nicht durch die Nahrung aufgenommen werden, weil der Körper diese Fettsäuren selbst herstellen kann.

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind dagegen essenziell, müssen also mit der Nahrung aufgenommen werden, da der Körper sie nicht selbst herstellen kann. Zu dieser Gruppe gehören die Omega-3 Fettsäuren und die Omega-6 Fettsäuren. Wir konzentrieren uns hier zunächst auf die Omega-3 Fettsäuren.

Damit es noch ein wenig komplizierter wird, gibt es davon auch nicht nur eine einzige Omega-3 Fettsäure, sondern viele verschiedene. Die wichtigsten drei davon sind:

  • α-Linolensäure
  • Docosahexaensäure (DHA)
  • Eicosapentaensäure (EPA).

Die bekannteste dieser drei Omega-3 Fettsäuren, die α-Linolensäure, ist fast ausschließlich in Pflanzen zu finden, die beiden anderen Omega-3 Fettsäuren (DHA und EPA) kommen hauptsächlich in Fischen vor: je fetter der Fisch, zum Beispiel Makrele, desto mehr DHA und EPA. Rotalgen bilden eine Ausnahme: auch sie enthalten DHA und EPA.

Wirkung der Omega-3 Fettsäuren bei Endometriose

Fettsäuren verstrickt

Omega-3 Fettsäuren sind in viele Stoffwechselvorgänge „verstrickt“.

Omega-3 Fettsäuren übernehmen im Körper eine fast unendlich lange Liste an Funktionen, die schnell klarmacht: ohne geht schlecht! Es wird noch geforscht, aber schon jetzt weiß man, dass bei Menschen, die unter Alzheimer, Demenz, Krebs oder psychischen Krankheiten wie Depression und Schizophrenie auffallend niedrige Werte für Omega-3 Fettsäuren nachgewiesen wurden. Man fand auch heraus: das Risiko, an Endometriose zu erkranken, ist um 22 % niedriger, wenn die Ernährung viele Omega-3 Fettsäuren enthält. [6]

Im Hinblick auf Omega-3 Fettsäuren bei Endometriose muss man wissen, an welchen Prozessen im Körper diese Fettsäuren grundsätzlich beteiligt sind. Für Endometriose sind folgende Funktionen von Omega-3 Fettsäuren im Körper wichtig:

  • Korrekter Aufbau von Zellmembranen
  • Hormonproduktion (z. B. Prostaglandine)
  • Korrekte Nervenfunktion
  • Stärken das Immunsystem
  • Wirken entzündungshemmend

Bei einem Mangel an Omega-3 Fettsäuren kommt es zu Wachstumsstörungen und einer allgemeinen Infektanfälligkeit. Auch, dass das Risiko, an Endometriose zu erkranken steigt, wenn weniger von den gesunden Fettsäuren verzehrt werden. Im Tierversuch [2] wurde gezeigt, dass DHA und EPA Omega-3 Fettsäuren das Wachstum der Wucherungen bei Endometriose verlangsamen konnte. Eine weitere Studie zeigte, dass erhöhter Konsum dieser Omega-3 Fettsäuren (in Kombination mit Vitamin B) auch die Schmerzen senken konnte. [1]

Warum helfen Omega-3 Fettsäuren bei Endometriose?

Nervengewebe

Durch Omega-3 Fettsäuren werden Hormone und Schmerzen bei Endometriose positiv beeinflusst.

Omega-3 Fettsäuren unterstützen die ausgewogene Produktion des Körpers von Stoffen (Zytokine), die das Immunsystem, Entzündungen und Zellwachstum steuern. [4] Außerdem hemmen sie eine Gruppe von Hormonen (Prostaglandine), welche Schmerzen und Entzündungsprozesse fördern. [3] Da Endometrioseherde Entzündungsreaktionen im umgebenden Gewebe auslösen, greifen die Omega-3-Fettsäuren hier positiv ein. Vereinfacht lässt sich sagen: Je mehr Omega-3 Fettsäuren die Ernährung enthält, desto geringer sind Entzündungen und Schmerzen, die die Endometrioseherde verursachen.

Es kommt auf das Verhältnis der Fettsäuren an – Omega 6 Fettsäuren und Endometriose

Leider ist es mit den Fettsäuren nicht ganz so einfach, denn es reicht nicht zu wissen, dass Omega-3 Fettsäuren bei Endometriose und auch anderen entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis helfen können. Man muss auch wissen, welches Verhältnis dieser Fettsäuren untereinander besonders optimal ist. Insbesondere das Verhältnis von Omega-3 Fettsäuren zu Omega-6 Fettsäuren ist entscheidend, damit die Omega-3 Fettsäuren ihre gesundheitsfördernde Wirkung voll entfalten können. Denn auch die Omega-6 Fettsäuren haben Eigenschaften, die es in Hinblick auf Endometriose zu beachten gilt.

Eine bestimmte Omega-6 Fettsäure (Arachidonsäure) ist maßgeblich an der Produktion von Hormonen (Prostaglandine) beteiligt, die unter anderem für Schmerz, Blutgerinnung und Entzündungen verantwortlich sind. [3] Auch die Bildung des Hormons Estradiol, welches Wachstum und Durchblutung von Gebärmutterschleimhaut fördert, wird von Arachidonsäure unterstützt. Nimmt man also zu viel dieser häufigen Omega-6 Fettsäure auf, produziert der Körper vermehrt Estradiol und Prostaglandine und verstärkt damit Schmerzen und Entzündungen.

Pflanzenöle

Heimische Öle wie Rapsöl. Leinöl oder Walnussöl sind besonders geeignet.

Omega-3 Fettsäuren können aber genau diese für Endometriose ungünstige Wirkung von Omega-6 Fettsäuren abschwächen. Daher müssen die beiden Fettsäuren in einem ausgewogenen Verhältnis zueinanderstehen. Das optimale Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 ist unter 1:5. Je weniger Omega-6 im Verhältnis zu Omega-3, desto besser. Heimische Öle schneiden dabei sehr gut ab:

  • Leinöl (1 : 4)
  • Rapsöl (1 : 2)
  • Walnussöl (1 : 6)

Die Öle, die durch gutes Marketing oder niedrige Preise meist im Küchenschrank stehen, sind leider nicht so gesund, wie die Werbung suggeriert:

  • Olivenöl (1 : 11)
  • Maiskeimöl (1 : 54)
  • Sonnenblumenöl (1 : 122)!

Rapsöl ist somit eine gesunde, für Endometriose sogar gesundheitsfördernde, dazu auch noch günstige Alternative zu billigem (und weniger gesundem) Sonnenblumenöl und sollte im Hinblick auf die positive Wirkung der Omega-3 Fettsäuren in Zukunft die Hauptrolle beim Kochen spielen.

Regelmäßiger Fischverzehr ist gesund

Sardinen aus der Dose

Reich an gesunden Omega-3 Fettsäuren: Sardinen

Weil in pflanzlichen Ölen wie dem empfohlenen Rapsöl nur α-Linolensäure steckt, die beiden anderen wichtigen Omega-3 Fettsäuren DHA und EPA aber auch eine entscheidende Rolle für die gesundheitsfördernde Wirkung spielen, gehört auch Fisch regelmäßig auf den Speiseplan. Es muss kein teurer Lachs sein, die Dose Sardinen, die Makrele aus dem Kühlregal oder eine Konserve mit Hering sind genauso wirksam. Je kälter das Wasser, in dem der Fisch schwimmt, desto mehr gesundes Fett setzt er an. Ein tropischer Pangasius oder ein Viktoria Barsch sind im Hinblick auf die positive Wirkung der Omega-3 Fettsäuren daher keine gute Wahl. Leider ist Seefisch mittlerweile stark belastet mit Schwermetallen. Diese sammeln sich im Fettgewebe von Lebewesen an, sodass insbesondere fette Fischsorten auch besonders viele Schwermetalle enthalten. Eine Portion Fisch pro Woche ist gesund, öfter führt jedoch zu einer Schwermetallbelastung im eigenen Körper.

Rotalgen als vegane Alternative

Wer sich vegan ernährt und grundsätzlich keinen Fisch isst, sollte regelmäßig Rotalgen, zum Beispiel Lappentang auftischen, denn diese enthalten auch die Omega-3 Fettsäuren DHA und EPA. Diese gibt es meist getrocknet als knusprige Flocken, welche als Topping auf zum Beispiel Gemüse oder Suppen schmecken, aber auch lecker genug sind, um sie als Snack zu knabbern.

FAZIT:

Die Wirkung von Omega-3 Fettsäuren bei Endometriose ist ganz klar: Entzündungen und Schmerzen werden verringert. Damit die Omega-3 Fettsäuren jedoch ihre Wirkung voll entfalten können, dürfen nicht zu viele Omega-6 Fettsäuren in der Ernährung enthalten sein. Rapsöl statt Sonnenblumenöl und regelmäßiger Verzehr von fettem Fisch oder Rotalgen sorgen für eine gute Versorgung mit Omega-3 Fettsäuren und einem gesteigerten Wohlbefinden.

Referenzen

1.
Abokhrais IM, Denison FC, Whitaker LHR, Saunders PTK, Doust A, Williams LJ, et al. A two-arm parallel double-blind randomised controlled pilot trial of the efficacy of Omega-3 polyunsaturated fatty acids for the treatment of women with endometriosis-associated pain (PurFECT1). PLoS ONE. 2020;15(1):e0227695.
1.
Covens AL, Christopher P, Casper RF. The effect of dietary supplementation with fish oil fatty acids on surgically induced endometriosis in the rabbit. Fertil Steril. 1988 Apr;49(4):698–703.
1.
Halpern G, Schor E, Kopelman A, Halpern G, Schor E, Kopelman A. Nutritional aspects related to endometriosis. Revista da Associação Médica Brasileira [Internet]. 2015 [cited 2020 Apr 30];61(6):519–23. Available from: http://www.scielo.br/scielo.php?script=sci_abstract&pid=S0104-42302015000600519&lng=en&nrm=iso&tlng=en
1.
James MJ, Gibson RA, Cleland LG. Dietary polyunsaturated fatty acids and inflammatory mediator production. Am J Clin Nutr. 2000;71(1 Suppl):343S-8S.
1.
Khanaki K, Nouri M, Ardekani AM, Ghassemzadeh A, Shahnazi V, Sadeghi MR, et al. Evaluation of the Relationship between Endometriosis and Omega-3 and Omega-6 Polyunsaturated Fatty Acids. Iran Biomed J [Internet]. 2012 Jan [cited 2020 May 6];16(1):38–43. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3614254/
1.
Missmer SA, Chavarro JE, Malspeis S, Bertone-Johnson ER, Hornstein MD, Spiegelman D, et al. A prospective study of dietary fat consumption and endometriosis risk. Hum Reprod. 2010 Jun;25(6):1528–35.
1.
(PDF) Endometriosis and food habits: Can diet make the difference? [Internet]. ResearchGate. [cited 2020 May 6]. Available from: https://www.researchgate.net/publication/325092608_Endometriosis_and_food_habits_Can_diet_make_the_difference

Silke Neumann
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