Blutverdünner während der Periode

Blutverdünner bringen wir häufig mit Schlaganfällen oder Thrombosen in Berührung. Dabei nehmen wir blutverdünnende Wirkstoffe selbst ab und an ein, zum Beispiel mit einer Aspirin.

Doch welche Folgen hat es, wenn wir die Blutverdünner während der Periode anwenden – verstärkt sich dadurch etwa die Monatsblutung?
Ich kläre für Dich heute diese wichtige Frage.

Wo begegnen uns Blutverdünner?

Blutverdünnende Medikamente werden zur Vermeidung von Thrombosen, Schlaganfällen oder Herzinfarkten verabreicht. Sie setzen die Gerinnung herab und wirken so der Bildung von Blutgerinnseln entgegen. Allerdings können sich blutverdünnende Medikamente auch ganz unbemerkt in unseren Alltag schleichen. Wusstest Du, dass Aspirin das Blut verdünnt? Als Schmerztablette zur Bekämpfung der Regelschmerzen nimmst Du so vielleicht unbewusst den gerinnungshemmenden Wirkstoff Acetylsalicylsäure ein. Von den Wirkstoffen, die die Gerinnung hemmen, gibt es übrigens einige. Dazu zählen neben Acetylsalicylsäure: Phenprocoumon, Dabigatran, Rivaroxaban, Ticlopidin, Trapidil und Clopidogrel.

Aspirin und Co. können die Monatsblutung verstärken

Arzneimittel, die einen gerinnungshemmenden Effekt mit sich bringen, können tatsächlich die Monatsblutung verstärken. Anders als die Alternativbezeichnung „Blutverdünner“ vermuten lässt, machen die Medikamente Dein Blut aber nicht tatsächlich dünner bzw. flüssiger. Sie setzen lediglich die Gerinnungsfähigkeit herab und können so beispielsweise Gerinnseln, sogenannten Thromben, entgegenwirken. Es gibt verschiedene Blutverdünner, die meisten von ihnen hemmen die Gerinnungsfaktoren. Eine unerwünschte Begleiterscheinung der Medikamente ist, dass die Blutung, zum Beispiel bei Verletzungen oder während der Periode, länger und stärker ausfallen kann.

Acetylsalicylsäure – kein geeignetes Schmerzmittel bei Regelschmerzen?

Wie bereits erwähnt, kann die in Aspirin enthaltene Acetylsalicylsäure die Blutung verstärken. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, Schmerzmittel ohne diesen Inhaltsstoff während der Periode zu bevorzugen. Das gilt vor allem für Frauen, die starke Menstruationsblutungen aufweisen. Der Bundesverband der Frauenärzte e.V. (BVF) rät konkret dazu, Acetylsalicylsäure, kurz ASS, bei einer ausgeprägten Periode zu vermeiden, um übermäßigen Blutungen keine Chance zu geben. Hierbei kommt es übrigens nicht unbedingt auf die Dosierung an – selbst eine einzige Tablette mit ASS kann den unerwünschten Effekt hervorrufen.[1] Natürlich kannst Du Regelschmerzen trotzdem mit Schmerzmittel bekämpfen. Dazu kannst Du zu Paracetamol oder Ibuprofen greifen.

Gut zu wissen!

Die gerinnungshemmende Wirkung von Acetylsalicylsäure kann bis zu einer Woche anhalten. Falls Du schon vor Deiner ausgeprägten Regelblutung Schmerzen hast, greif am besten bereits jetzt zu einem alternativen Wirkstoff.

Hypermenorrhoe kann ein Anzeichen für Endometriose sein

Wusstest Du, dass eine zu starke Regelblutung auch als Hypermenorrhoe bezeichnet wird? Bestimmt stellst Du Dir die Frage, was „zu stark“ eigentlich bedeutet. Gynäkologen gehen davon aus, dass bei einem Verlust von mehr als 150 Millilitern Blut täglich eine Hypermenorrhoe vorliegt, das sind ungefähr 20 Esslöffel oder mehr als fünf volle Binden täglich. Frauen mit einer übermäßig starken Periode bemerken auch häufig die Ausscheidung von Blutklumpen. Die Ursachen für eine ausgeprägte Monatsblutung sind vielfältig: Myome, Polypen, Entzündungen oder Krebs der weiblichen Geschlechtsorgane sind nur einige Beispiele. Besonders häufig leiden aber Frauen mit Endometriose unter Hypermenorrhoe.[2] Bei Endometriose oder ganz allgemein bei einer Hypermenorrhoe kann es sinnvoll sein, auf blutverdünnende Wirkstoffe zu verzichten. Nimmst Du die Medikamente aufgrund einer Erkrankung ein, ist es wichtig, dass Du Dir vor dem Verzicht die Zustimmung Deines Arztes einholst.

Wichtig: Starke Regelblutungen solltest Du stets von Deinem Gynäkologen abklären lassen. Bis zu 30 % der Frauen wenden sich im gebärfähigen Alter übrigens mit einer Hypermenorrhoe an einen Arzt, es handelt sich also offenkundig um kein seltenes Phänomen.[3]

Kurz und knapp

Blutverdünner können die Monatsblutung verstärken, dazu zählen im Übrigen auch blutverdünnende Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure (ASS). Wenn Du zu den Frauen gehörst, die eine starke Regelblutung (Hypermenorrhoe) haben, ist es vermutlich ratsam, bereits eine Woche vor der Periode auf entsprechende Medikamente zu verzichten. Das gilt aber nur, wenn Du blutverdünnende Substanzen in Form von Schmerztabletten wie Aspirin einnimmst.

Hat Dir Dein Arzt gezielt Blutverdünner verordnet, solltest Du ihn auf jeden Fall vor dem Absetzen um Rat fragen.

Übrigens: Eine starke Monatsblutung kann auf eine Endometriose hindeuten. Am besten wendest Du Dich bei ausgeprägten Periodenblutungen an Deinen Gynäkologen.

Referenzen

  1. Acetylsalicylsäure als Schmerzmittel bei Regelschmerzen ungeeignet: www.frauenaerzte-im-netz.de
  2. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Leitlinienprogramm. Diagnostik und Therapie der Endometriose. August 2020.
  3. Singh S, Best C, Dunn S, Leyland N, Wolfman WL. No. 292-Abnormal Uterine Bleeding in Pre-Menopausal Women. J Obstet Gynaecol Can. 2018 May;40(5):e391-e415. doi: 10.1016/j.jogc.2018.03.007. PMID: 29731212.

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Welche Erfahrungen hast du mit blutverdünnenden Medikamenten gemacht?

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Dipl.-Ges.oec. Jennifer Ann Steinort