Dr. Nadine Rohloff: Wir haben da ganz viele Ideen, was man für die Betroffenen machen könnte, um das zu verbessern. Wir haben noch ein paar Fragen aus der Community. Jemand hat gefragt, wie man den Anfang findet. Vielleicht möchtest du dazu noch etwas sagen.
Christel Fröse: Einfach ins Tun kommen. Ich glaube, über seinen Schatten springen, so ein bisschen aus seiner Komfortzone herauskommen. Sich vielleicht jemanden suchen, der das auch ausprobieren möchte. Sich Materialien, egal welcher Art, holen und wie ein Kind, frei von Zwängen, Normen, Regeln, die Materialien in die Hand nehmen und einfach das machen, wozu man Lust hat. Es kann so schön sein, eine Flasche zu öffnen und einfach die Farbe laufen zu lassen und da einmal mit dem Finger hineingehen und dann ergibt sich etwas. Oder im Bereich Tanztherapie: Es ist egal, welche Musik ich höre. Wenn ich Musik höre und ich mich danach fühle, kann ich mich in meinen vier Wänden so bewegen, wie ich es möchte. Man dürfte es auch draußen machen, aber es sieht natürlich draußen komisch aus, wenn jemand Kopfhörer aufhat und Musik hört. Aber wen soll es eigentlich stören? Wenn ich das Gefühl habe, ich gehe über die Straße und ich müsste einmal hüpfen. Es ist doch schade, dass wir uns nicht mehr trauen, wenn ein Impuls da ist, diesem einfach zu folgen. Ich glaube, deswegen sage ich manchmal, frei wie ein Kind. Ein freies Denken haben und sich trauen.
Dr. Nadine Rohloff: Hier gibt es noch die Frage: Gibt es auch Kreativtherapien, bei denen es nicht um das Malen geht? Wie kann man die anderen Kreativtherapien starten, ohne zu malen?
Christel Fröse: Bei Tanz habe ich es gerade schon gesagt, einfach durch Musik. Im Bereich Kunst kann man auch einfach sagen, ich gehe in das Museum und da schaut man, sammelt Postkarten oder irgendwelche witzigen Karten. Im Bereich der Musik gibt es auch eine Hemmung, weil viele der Meinung sind, alles muss sich schön anhören, alles muss einen bestimmten Rhythmus haben und so ist es nicht. Wir laufen auch nicht in einem bestimmten Rhythmus. Manchmal gerät man aus seinem Rhythmus heraus und vielleicht kann man da auch einfach irgendwelche Materialien suchen, ob das ein Eimer ist, ein Topf ist oder ob es Metall oder Holz ist. Und einfach einmal hören, was machen die Gegenstände für Klänge? Das auch einfach ausprobieren. Oder wie kann ich meine Stimme modulieren? Unsere Stimme hat auch Höhen und Tiefen. Wie ist es, wenn ich brumme? Habe ich vielleicht, wenn ich fröhlich bin, eine andere Stimme, als wenn ich traurig bin? Mit Sicherheit ja, aber das kann man auch spielen. Bei Theater oder Dramatherapie wird es ein bisschen schwieriger, weil man sich das nicht richtig vorstellen kann. Im Grunde genommen, wenn man zwischen zwei Stühlen sitzt, sagt man schon einmal gedanklich, mache ich etwas, mache ich etwas nicht? Dann kann man sich doch einmal zwei Stühle hinstellen und man setzt sich einmal auf den einen und vertritt die Meinung als einen Gedanken. Dann setzt man sich einmal auf den anderen Stuhl und lässt die miteinander kommunizieren. Oder ich schaue einfach, welche Gegenstände habe ich gerade hier und packe alle meine Lieblingsgegenstände auf den Tisch und versuche damit etwas zu kreieren. Deswegen sage ich, wir haben unendlich viele Möglichkeiten und unser Körper oder Geist freut sich, wenn wir der Fantasie einfach einmal freien Lauf lassen können.
Dr. Nadine Rohloff: Ja, das finde ich super. Das sind alles Möglichkeiten, den Emotionen und dem, was man denkt und fühlt, einfach einmal kreativ einen Ausdruck zu verleihen. Das ist einfach ein schöner Anfang.
Christel Fröse: Genau. Eigentlich ist Kreativität nichts anderes als ein Prozess, um eine Lösung zu finden. Wenn es ein Problem gibt, dann gibt es Stadien der Kreativität. Das erste ist, sich bewusst zu werden, dass überhaupt ein Problem existiert und vielleicht zu überlegen, was könnte weiterhelfen. Wenn man damit aber nicht weiterkommt, kann man das Problem erstmal zur Seite legen. In der zweiten Phase sucht unser Unterbewusstsein Lösungen in der Vergangenheit oder nach C.G. Jung, mit dem kollektiven Bewusstsein. Das ist spannend. Dann geht es darum, einfach einmal etwas auszuprobieren. Das ist dann die dritte Phase. Irgendwann kommt der leuchtende Moment. Viele sagen auch: „Lass mich einmal eine Nacht darüber schlafen.“ Oder man steht unter der Dusche und auf einmal denkt man: „Ich habe es, das könnte ich vielleicht machen. Das könnte mir weiterhelfen.“ Dann probiert man es aus und wenn es klappt, ist es gut. Wenn nicht, wartet man wieder ein bisschen. Es gibt einen kreativen Prozess. Im Grunde genommen kennt man aus der Wirtschaft ein Brainstorming. Alle kommen zusammen, jeder gibt seine Gedanken oder seine möglichen Lösungen dazu und nichts wird bewertet. Wertungsfrei erst einmal zu sehen, was wir alles haben und dann kann man das stehen und sacken lassen. Natürlich gibt es auch Grenzen, die manchmal von außen gesetzt werden. Aber im Grunde genommen modellieren wir sie. Je freier wir sind, desto mehr Möglichkeiten haben wir, wenn wir nicht so engstirnig sind bei dem Denken.
Dr. Nadine Rohloff: Eine letzte Frage haben wir hier noch. Wo bekomme ich kostenlose Online-Übungen?
Christel Fröse: Das ist schwer. Es gibt verschiedene Kanäle, bei denen man zum Beispiel Entspannungsverfahren gleich aktiv mitmachen kann. Das ist dann so gestaltet, dass man sich wirklich hinlegen oder hinsetzen kann und man hört einfach nur zu. So etwas gibt es auch, dass man nur lauschen und sich berieseln lassen braucht. Die beste Möglichkeit ist von unserer Endo-App, weil wir genügend Entspannungsmethoden, Traumreisen, Fantasiereisen, Körperreisen, Atementspannung und Yoga haben. Ansonsten findet man bestimmte Inhalte im Internet, was in den Entspannungsbereich geht. Aber für Kreativtherapien wird es umso schwieriger. Wenn man da etwas sucht, dann ist es oftmals eine Erklärung. Oder wenn man Kurse findet, dann sind die kostenpflichtig. Deswegen habe ich die erst gar nicht angeklickt, weil ich da gar nicht herein wollte. Was es aber gibt, sind Mandala-Bücher oder auch ein Buch „Malen gegen Stress“. Da sind verschiedene Übungen enthalten, was man alles machen könnte.
Dr. Nadine Rohloff: Genau. YouTube ist vielleicht manchmal auch ein guter Punkt, aber diese Übungen sind häufig auch ohne Erklärung. Deswegen ist es vielleicht manchmal gut, erst einen Kurs zu machen oder sich bei den Onlinesachen auszuprobieren. In der App haben wir auch ganz viele Sachen, um die Möglichkeit zum Ausprobieren zu geben. Wenn man aber dann etwas gefunden hat, dann kann man einen Kurs machen oder sich spezieller hereindenken. Das ist vielleicht auch bei der Kreativtherapie gut, wenn man erst einmal einen Anfang hat, sodass man dann vielleicht auch einfacher Online-Übungen einschätzen kann.
Christel Fröse: Wenn es online ist, kommt es auch immer noch darauf an, ob ich überhaupt etwas damit anfangen kann. Wir haben in unserer App auch das Autogene Training, was ich dann versucht habe, ein bisschen zu erklären und anzuleiten. Das gibt es bei verschiedenen Online-Anbietern nicht. Dann wird das autogene Training in den Formeln vorgesagt und wenn man dann nicht weiß, wie assoziiere ich denn oder was ist für mich gut, funktioniert es nicht. Natürlich ist es auch immer ein bisschen davon abhängig, ob ich die Stimme mag, wie die Schnelligkeit ist, komme ich mit den Pausen hin, in denen ich auch selbst fühlen kann, mir etwas vorstellen kann. Das ist auch schwer für die die Personen, die es gestalten. Wenn man Kurse mitmacht, bei denen man mit anderen Menschen in Beziehung steht, bekommt die Person, die den Kurs leitet, ein Gefühl dafür. Wir erkennen dann schon an der Reaktion der einzelnen Person, ob sie unruhig werden, ob ich jetzt abbrechen muss oder eine Formel nochmal wiederholen muss. Das ist auch ein Beispiel, warum man es mit Therapeuten lernen sollte. Während der Entspannung kann es auch zu Phänomenen kommen. Es kann sein, dass ich unruhig werde. Es kann sein, dass es einmal kribbelt. Es kann auch sein, dass mir die Tränen laufen. Das sind Entladungsphänomene und das sollte man wissen, dass die okay sind. Die sind willkommen, denn die zeigen nur, dass man wirklich voll mit Spannung ist und diese Spannung gerade versucht, auf irgendeiner Weise herauszukommen. Wenn man alleine ist, dann ist das Problem, dass man Ängste entwickeln könnte. Man denkt vielleicht: „Das ist nichts für mich, ich werde unruhig dabei.“ In diesem Moment ist diese Unruhe etwas sehr Positives, was herausdarf. Auch bei den Kreativsachen kann das immer passieren, wenn man es richtig als Therapie macht, denn es ist ein psychotherapeutisches Verfahren. Deswegen sage ich, es kann sein, dass es einmal nicht entspannt ist, sondern sehr aufwühlend. Aber dann sind Therapeuten dabei, die in das Gespräch gehen und das erklären können oder auch sagen: „Es ist gut, es darf so sein.“ Oder „Was brauchst du jetzt, damit es dir besser geht?“ Wenn man das als Übung macht und man hat das Gefühl, das hat ein bisschen etwas aufgewühlt, ist es natürlich auch gut, wenn man sich mit anderen darüber unterhält. Das sollte man dann auch ruhig machen oder nachfragen, wenn man das merkt. Es gibt demnächst ein paar Übungen und wenn dann eine Person merkt: „Das ist mir jetzt so nahe gegangen und seitdem merke ich so eine Traurigkeit oder ich bin so beunruhigt oder irgendeine Angst kommt hoch.“ Es ist trotzdem etwas Gutes, zu fühlen, weil es vorher geschlummert hat. Nichts ist schlimmer als etwas, was schlummert und weil es nicht herausdarf, in ein körperliches Symptom übergeht, sich also dann psychosomatisch zeigt. Wenn ich merke: „Ich komme da an meine Grenzen, ich weiß gar nicht damit umzugehen.“ Das ist auch ein Zeichen dafür, dass man sich professionelle Hilfe holen sollte, dass man mit Ärzten spricht, bei Psychologen oder psychologischen Psychotherapeuten, Psychiatern oder was auch immer. Dass man dann in einen Austausch geht, weil man dann weiß, da ist etwas, was wir einmal von der Seele aus beleuchten müssten.
Dr. Nadine Rohloff: Noch einmal zurück zu den kostenlosen Online-Übungen. Die gibt es natürlich. Generell sollte man immer schauen, ist das jetzt das, was ich möchte? Eine Onlineübung, einfach zum Ausprobieren, eine Onlineübung, weil ich weiß, was ich will? Oder suche ich vielleicht nach einem Kurs? Danach auszusuchen und dann zu sehen, was kann ich vielleicht über die Krankenkasse machen, was lohnt sich selbst zu zahlen? Wenn es dazu Fragen gibt, dann auch gerne noch einmal stellen. Auch im Nachgang beantworten wir die gerne noch. Jetzt möchte ich bin gern herzlich bei Christel bedanken. Schön, dass du da warst und bis zum nächsten Mal!