Vivian: Sehr gerne. Ich bin jetzt schon lange bei einer sehr lieben Urologin, die auf die Blase spezialisiert ist, in Behandlung. Zunächst wurde versucht, die Beschwerden mit Medikamenten positiv zu beeinflussen. Ich habe zum Beispiel Entspannungsmedikamente für die Blase bekommen, damit sie nicht mehr zu stark verkrampft. Das hat ganz gut angeschlagen, aber ist für mich leider nicht ausreichend. Deswegen schauen wir, ob ein anderes Medikament infrage kommt. Herauszufinden, ob etwas anschlägt und wirkt, ist ein langer Prozess.
Xezal: Wurde dir ergänzend auch Beckenbodentraining, Physiotherapie oder etwas in diese Richtung verschrieben und empfohlen?
Vivian: Mir wurde Physiotherapie verschrieben und sie hat mir sehr gut geholfen, aber auch das ist individuell. Was ich außerdem sehr mochte, war die ganzheitliche Betrachtung durch Osteopathie, ergänzend zur schulmedizinischen Versorgung. Es gibt viele Möglichkeiten, etwas gegen solche Beschwerden zu machen.
Xezal: Dazu haben die liebe Luisa und ich vor einigen Wochen ein Live gemacht. Falls ihr noch einmal genau wissen wollt, was die Osteopathie ist und wie sie bei der Endometriose eingesetzt werden kann, schaut gerne in unserem Feed nach. Wollen wir auf die Fragen der ZuschauerInnen eingehen und sie nach und nach beantworten?
Vivian: Gern.
Xezal: Wir hatten schon über deine Symptome gesprochen. Du hattest mehrere Operationen. Du hast es bereits angerissen, aber würdest du sagen, dass du danach mehr Beschwerden mit der Blase hattest?
Vivian: Ich hatte bisher zwei Operationen, eine 2020 und eine 2022, beide sind gar nicht so lange her. Nach der ersten Operation war ich erst einmal geschockt, denn ich wusste gar nicht, was los war. Leider kann es nach einer Operation auch passieren, dass es schlimmer wird. Auch bei der zweiten Operation wurde Endometriose an der Blase gefunden und nach der Operation wurde es bei mir leider nicht besser. Es wurde aber auch nicht schlechter, wofür ich schon dankbar bin.
Xezal: Ich habe ein bisschen recherchiert, warum das so sein kann. Es gab eine Schweizer Studie, in der Neurolog:innen herausfanden, dass 40 Prozent der Endometriose-Betroffenen direkt nach der Operation Miktionsstörungen, also Störungen, Wasser zu lassen, haben. Bei Entlassung waren es noch 11 Prozent. Das heißt, dass bei vielen Betroffenen die Beschwerden besser wurden, aber es einen Anteil gibt, das war am Ende eine von 198 Personen, die langfristig Beschwerden mit der Harnblase haben.
Vivian: Das ist Wahnsinn. Dass die Operation bei so vielen anschlägt, ist ein gut, aber ich finde es sind dennoch viel zu viele, die am Ende Beschwerden haben. Eine Operation kann natürlich immer hilfreich sein, gerade wenn man vermeiden möchte, dass die Endometriose sich weiter an Organen herein frisst.
Xezal: Du hattest auch angerissen, dein Arzt habe die Beschwerden damals auf die Reizung von Harnblase und Harnleiter während der Operation zurückgeführt. Das stimmt auch. Ein Eingriff ist, vor allem abhängig vom Stadium der Endometriose, immer eine große Anstrengung für den Körper. Wichtig sind auch gewisse Nervengeflechte, die dort entlanglaufen, so wie der Plexus sacralis.
Die können bei der Entfernung tief infiltrierender Verwachsungen mit beschädigt werden. Die Ärzt:innen kennen die Anatomie gut und können sie gut darstellen. Sie versuchen es zu vermeiden, aber es besteht dennoch ein Risiko, dass diese Strukturen beschädigt werden. Wurde denn bei dir zum Beispiel nach der Operation noch einmal ein Ultraschall gemacht, um die Harnblase noch einmal anzuschauen, eine Restharnbestimmung?
Vivian: Nach der zweiten Operation wurde das noch nicht gemacht. Es ist auch eine Herausforderung, bei Spezialist:innen Termine zu bekommen. Momentan sind meine Beschwerden nicht so extrem und ich habe mich daran gewöhnt, sodass ich nicht den Bedarf habe, es weiter abklären zu lassen.
Xezal: Das ist gut. Bei anderen Betroffenen kann es jedoch leider so weit gehen, dass sie einen Katheter brauchen, da die Funktionsstörung sie an einer selbstständigen Entleerung der Blase hindert. Ein anderes Thema, über das ich sprechen wollte, sind häufig auftretende Blasenentzündungen. Hattest du damit auch Probleme?
Vivian: Bei mir wurde nie eine Blasenentzündung festgestellt. Das ist das Erste, was kontrolliert wird, wenn man Blasenbeschwerden äußert, und der Test war immer negativ.
Xezal: Das ist gut. Denn eine weitere Sache, die man bei der Endometriose an der Blase im Hinterkopf behalten muss, ist die interstitielle Zystitis. Das ist eine chronische, nicht bakteriell hervorgerufene Blasenentzündung. Da treten dann ähnliche Symptome wie diese Krämpfe auf. Das zeigt, dass diese Endometrioseherde langfristig Entzündungsreaktionen hervorgerufen und die Blasen geschädigt haben. Das kann ähnlich wie eine allgemeine Endometriose an der Blase mit Schmerzmedikamenten, Übungen und Blasentraining behandelt werden.
Wir haben bereits einen Artikel dazu geschrieben, in dem ihr das genauer nachlesen könnt. Falls man das Gefühl hat, doch häufiger Blasenentzündungen zu haben, kann man das abklären lassen. Einige Zuhörer:innen haben außerdem gefragt, ob es alternative Heilmethoden bei dem Harndrang gibt. Hast du da Erfahrungen, was noch dagegen getan werden kann?
Vivian: Osteopathie und allgemein der Besuch einer Heilpraktikerin hat sich bei mir sehr positiv darauf ausgewirkt. Den ganzheitlichen Ansatz mag ich sehr gerne als Unterstützung der Schulmedizin. Klassischerweise habe ich auch das Cranberrysaft-Trinken und ähnliche Methoden ausprobiert. Was mir sehr gut hilft, ist hoch dosiertes Magnesium, was ich täglich zu mir nehme. Dadurch ist meine Blase automatisch etwas entspannter.
Xezal: Magnesium ist ganz gut, um die Muskeln zu entspannen. Du hattest auch bereits Cranberrysaft genannt. Ich habe außerdem von Kürbissamen und Brennnesseltee gelesen. Von einer Person im Chat wurde auch noch die D-Mannose genannt, die wird vor allem bei Blasenentzündungen eingesetzt. Hast du schon Erfahrungen mit Wärme- oder Kältetherapie gemacht?
Vivian: Ich habe auch schon Wärme und Kälte ausprobiert, aber am meisten tut mir Wärme gut und hilft beim Entspannen meiner Muskeln. Was einem guttut, ist sehr individuell und das muss man für sich herausfinden.
Vivian: Eine weitere Frage, die gestellt wurde, ist, ob sich die Blasenendometriose auch auf den Rücken und die Beine auswirken kann?
Xezal: Häufig berichten Betroffene mit einer Blasenendometriose von sogenannten Flankenschmerzen, die sich am seitlichen Bauch bis hin in den Rücken befinden. Treten Beinschmerzen auf, kann es auch sein, dass die Beckennerven betroffen sind, die bis in die Beine ziehen. Das Thema klären wir in einem kommenden Beitrag mit Prof. Ibrahim Alkatout genauer.