Starke Regelblutung als Symptom bei Adenomyose

Manche Menschen haben während ihrer Periode regelrecht das Gefühl, „auszulaufen“. Dabei wissen viele nicht, dass eine starke Regelblutung auch ein Symptom von Adenomyose sein kann, ebenso von Endometriose. Wir erklären dir, ab wann man von einer starken Menstruationsblutung spricht, welcher Zusammenhang mit einer möglichen Adenomyose-Erkrankung besteht und wie du am besten damit umgehst, wenn du regelmäßig stark blutest.

Ab wann gilt eine Regelblutung als stark?

Im Durchschnitt verlieren Menschen während ihrer Menstruation insgesamt etwa 60 Milliliter Blut, also ungefähr eineinhalb Schnapsgläser. Dabei dauert es circa vier Stunden, bis ein Tampon oder eine Binde normaler Größe voll ist und gewechselt werden muss. An den ersten Regeltagen kann die Blutung allerdings stärker ausfallen als an den letzten. Es besteht also nicht zwangsläufig ein Grund zur Sorge, wenn kurzzeitig ein häufigerer Tampon- oder Bindenwechsel erforderlich ist. Ebenso harmlos ist es, wenn eine Menstruationsblutung einmal stärker ausfällt als sonst. [1]

Von einer starken Regelblutung, einer sogenannten Hypermenorrhö, sprechen Mediziner:innen erst, wenn insgesamt und regelmäßig mehr als 80 Milliliter Blut verlorengehen. Ein Hinweis darauf kann zum Beispiel sein, dass bereits alle ein bis zwei Stunden ein neuer Tampon oder eine neue Binde normaler Größe fällig wird, sodass mehr als fünf Tampons oder Binden pro Tag verbraucht werden. Auch wenn viele dicke Blutklumpen ausgeschieden werden, kann das auf eine starke Regelblutung hindeuten und außerdem ein weiteres, typisches Symptom von Adenomyose sein.

Kommen noch Schwäche, Müdigkeit und Antriebslosigkeit hinzu, sollte in jedem Fall eine ärztliche Abklärung erfolgen. Dabei empfiehlt es sich, die Anzahl der verwendeten Binden oder Tampons über zwei Zyklen hinweg zu notieren, sodass dem behandelnden Gynäkologen beziehungsweise der behandelnden Gynäkologin ein Anhaltspunkt für die Blutmenge gegeben werden kann. [1]

Warum eine starke Regelblutung häufig als Symptom einer Adenomyose auftritt

Die Ursache für eine verstärkte Regelblutung besteht häufig darin, dass sich die Gebärmutter nicht richtig zusammenziehen kann. Dadurch lockert sich die Schleimhaut in der Gebärmutter nur unzureichend, wodurch der Blutabfluss erschwert wird. [1] Dafür können insbesondere Entzündungen und Verwachsungen verantwortlich sein, wie sie mitunter als Folge einer Adenomyose, aber auch einer Endometriose, entstehen.

Bei der Adenomyose bettet sich das endometriumartiges Gewebe, das normalerweise die Gebärmutterschleimhaut auskleidet, in die Muskelschicht der Gebärmutter ein und wächst dort. Dadurch wird die Gebärmutterwand verdickt und der Uterus vergrößert sich insgesamt.

Weitere Ursachen für eine starke Regelblutung

Adenomyose ist eng verwandt mit der Endometriose, bei der sich das endometriumartige Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle im Körper ansiedelt und wächst. Nicht selten leiden Frauen gleichzeitig an beiden Erkrankungen, und beide können eine starke Regelblutung als Symptom haben. Eine Adenomyose kann allerdings auch unabhängig von einer Endometriose vorkommen, wobei umgekehrt, aber häufig eine Endometriose mit einer Adenomyose kombiniert vorliegt. [2]

Allerdings ist es auch wichtig zu wissen, dass es neben der Adenomyose und Endometriose noch andere Gründe für eine starke Regelblutung gibt. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Hormonelle Veränderungen, z. B. während der Stillzeit oder Wechseljahre
  • Erkrankungen der Schilddrüse
  • Myome, also gutartige Tumore, die in der Gebärmutter wachsen können
  • Polypen, sprich kleine, gutartige Wucherungen, die sich in der Gebärmutter bilden können
  • Blutungsstörung wie Hämophilie
  • Die Einnahme bestimmter Medikamente
  • In seltenen Fällen: Gebärmutterkrebs

In jedem Falle solltest du deine starke Regelblutung ärztlich abklären lassen! Wenn dein Gynäkologe oder deine Gynäkologin andere Ursachen ausschließen konnte, sich selbst aber nicht oder nur unzureichend mit den Erkrankungen Adenomyose und Endometriose auskennt, solltest du dich an eine:n spezialisierte:n Mediziner:in oder an ein zertifiziertes Endometriose-Zentrum wenden. Für eine erste Einschätzung kannst du auch unseren Endometriose-Selbsttest nutzen.

Hinweis

Eine starke Regelblutung kann auf eine Adenomyose hindeuten. Andersherum kann eine Adenomyose aber nicht ausgeschlossen werden, wenn keine starke Regelblutung vorliegt. Denn in rund 30 Prozent der Fälle verläuft eine Adenomyose ohne Symptome. [3]

Welche Folgen kann eine starke Regelblutung haben?

Ganz gleich, ob deine starke Regelblutung als Symptom einer Adenomyose oder Endometriose auftritt, oder ob sie eine andere Ursache hat – im Alltag kann sie ziemlich belastend sein.

Mitunter musst du deine Aktivitäten einschränken oder Verabredungen absagen – vor allem, wenn du befürchten musst, zu wenig Gelegenheiten zum Tampon- oder Bindenwechsel zu haben. Einige Betroffene sind während ihrer Periode deshalb kaum mobil und können ihren privaten und beruflichen Aufgaben nur noch unzureichend nachkommen – was zusätzlich durch eine Schlappheit und Müdigkeit bedingt sein kann. Werden die Nächte durch einen mehrmaligen Tampon- oder Bindenwechsel gestört, wird die Müdigkeit noch verstärkt. Die starke Regelblutung kann außerdem mit Schmerzen verbunden sein. Dies alles kann emotionalen Stress verursachen. Manche Betroffene sind auch übermäßig besorgt, wenn sie zusätzlich einen unregelmäßigen Zyklus haben und dadurch befürchten müssen, in ungünstigen Situationen von ihrer starken Regelblutung überrascht zu werden. Dadurch können sie sich zum Beispiel beim Sex gehemmt fühlen.

Darüber hinaus kann die überstarke Blutung zu einem Verlust von Eisen und anderen Nährstoffen im Blut führen. Dadurch kann eine sogenannte Anämie entstehen, eine Blutarmut. Das bedeutet, dass das Blut weniger rote Blutkörperchen oder roten Blutfarbstoff enthält. Symptomen können unter anderem Erschöpfung, Schwindel, verminderte Leistungsfähigkeit und blasse Haut sowie blasse Schleimhäute sein. Dein Arzt beziehungsweise deine Ärztin kann deinen Eisenwert im Blut überprüfen und dir gegebenenfalls Eisen als Tabletten oder Tropfen verschreiben. In schweren Fällen kann er oder sie dir auch eine Infusion verordnen, um deine Eisen-Vorräte im Körper wieder aufzufüllen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei starker Regelblutung als Adenomyose-Symptom?

Die Behandlung einer durch Adenomyose bedingten starken Regelblutung verhält sich wie bei anderen zugrundeliegenden Ursachen auch: Im medizinischen Sinne ist sie erst angezeigt, wenn durch den hohen Blutverlust eine Anämie entsteht. Ansonsten solltest du individuell abwägen, wie schwer dich die starke Regelblutung beeinträchtigt und ob eine Behandlung mit Medikamenten oder Operationsverfahren notwendig ist. Dabei ist auch die Frage entscheidend, ob du einen Kinderwunsch hegst oder nicht, denn die meisten Behandlungsmöglichkeiten wirken sich kurz- oder langfristig auf die Fruchtbarkeit aus.

So können beispielsweise hormonelle Verhütungsmittel wie die Antibabypille, das Hormonpflaster oder die Hormonspirale eine starke Regelblutung abschwächen, indem sie das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut hemmen. Gleichzeitig verhindern sie eine Schwangerschaft, solange du sie verwendest. Auch bestimmte Schmerzmittel können die Blutmenge etwas verringern.

Wenn du sehr starke Beschwerden hast und keine Kinder (mehr) bekommen möchtest, ist es außerdem möglich, die Gebärmutterschleimhaut zu entfernen oder zu veröden. Der Fachausdruck dafür ist Endometriumresektion oder Endometriumablation. In schwerwiegenden Fällen kann auch eine operative Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) infrage kommen. [1]

Starke Regelblutung als Adenomyose-Symptom: Was kann ich selbst tun?

Eine orang-rote Menstruationsscheibe aus Silikon vor beigem Hintergrund.

Eine Menstruationsscheibe ist flacher als eine Menstruationstasse und hat ein noch größeres Fassungsvermögen.

Wenn du unter deiner starken Regelblutung leidest, solltest du versuchen, den Alltag während deiner Periode etwas ruhiger angehen zu lassen. Dabei können Entspannungsübungen hilfreich sein. Vielleicht gehörst du aber auch zu den Personen, denen Sport am besten dabei hilft, zur Ruhe zu kommen. Möglicherweise kannst du während deiner Periode von zuhause aus arbeiten, wenn du dich dort am sichersten fühlst. Versuch offen mit deinem Arbeitgeber beziehungsweise deiner Arbeitgeberin darüber zu sprechen – periodenbedingte Beschwerden müssen endlich enttabuisiert werden!

Nachts oder unterwegs kannst du dir ein sichereres Gefühl verschaffen, indem du Tampons mit Binden kombinierst. Denke daran, immer ein paar zusätzliche Hygieneartikel an deinem Arbeitsplatz und in deiner Tasche zu deponieren – falls du einmal überrascht wirst oder vergessen hast, etwas einzustecken. Einen Versuch wert können auch Menstruationstassen sein, da sie mehr Flüssigkeit aufnehmen können als viele Einweghygieneartikel. Menstruationstassen gibt es in verschiedenen Größen – du solltest ein Modell mit entsprechend großem Fassungsvermögen wählen. Noch mehr Fassungsvermögen bieten sogenannte Menstruationsschreiben, die flacher und breiter sind als Menstruationstassen und im Aussehen einem Diaphragma ähneln. In jedem Fall können Menstruationstassen wie auch Menstruationsscheiben eine nachhaltige und sparsame Alternative sein – vor allem, wenn dein Tampon- und Bindenverbrauch aufgrund deiner starken Regelblutung sehr hoch ist.

Bei einer starken Regelblutung ist es außerdem wichtig, ausreichend zu trinken und eisenreiche Nahrungsmittel wie Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide und grünes Blattgemüse zu verzehren. Nicht-Veganer:innen können darüber hinaus natürlich auch tierische Lebensmittel wie Eier und Fleisch zu sich nehmen, um einer Blutarmut vorzubeugen. Möglicherweise ist langfristig gesehen auch eine Ernährungsumstellung sinnvoll, um deine Beschwerden im Zusammenhang mit der Adenomyose oder Endometriose zu lindern: So können beispielsweise bestimmte Fettsäuren, Vitamine und Ballaststoffe hilfreich sein. Auf unserem Blog und in unserer Endometriose-App findest du zahlreiche Rezepte.

Hier haben wir weitere Tipps bei starker und langer Regelblutung von Betroffenen für dich aufgelistet.

Fazit

Eine starke Regelblutung sollte immer abgeklärt, aber nicht in jedem Falle behandelt werden – es sei denn, es liegt eine Anämie vor, die sich vor allem durch Schwäche und Konzentrationsstörungen bemerkbar macht. Mit Hilfe von Spezialisten beziehungsweise Spezialistinnen solltest du herausfinden, ob deine starke Regelblutung das Symptom einer Adenomyose oder Endometriose ist, oder ob ihr eine andere Ursache zugrunde liegt. Womöglich findest du selbst einen Weg, mit der starken Blutung umzugehen – auch ohne Medikamente oder Operationsverfahren. Trotzdem solltest du regelmäßig deinen Eisenwert checken lassen, um einer Blutarmut vorzubeugen.

Referenzen

1. Bundesministerium für Gesundheit, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). https://gesund.bund.de/starke-regelblutung#leben-und-alltag (abgerufen am 15.04.2023)

2. Experten-Interview mit Dr. med. Franz-Ferdinand Bitto vom MIC-Zentrum-München auf „One in Ten“. https://www.one-in-ten.de/interview-experte-dr-bitto/ (abgerufen am 15.04.2023)

3. Hutmacher, J., Imesch P., Fink D. Die Adenomyose. 2018. https://www.rosenfluh.ch/media/gynaekologie/2018/01/Die-Adenomyose.pdf (abgerufen am 15.04.2023)

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Friederike Grigoleit