Endometriose und Verstopfung
Häufig treten bei einer Endometriose auch Beschwerden im Zusammenhang mit der Verdauung auf. Dabei kann es zu Reizdarm-ähnlichen Symptomen wie Schmerzen beim Stuhlgang, Blut im Stuhl, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall kommen. Oft treten Verstopfung und Durchfall auch im Wechsel auf [1].
In diesem Artikel möchten wir dir die Zusammenhänge von Endometriose und Verstopfung erklären und was du dagegen tun kannst.
Was ist Verstopfung?
Als Verstopfung wird eine Störung des Magen-Darm-Trakts bezeichnet, die zu unregelmäßigem und erschwertem Stuhlgang mit Schmerzen führen kann. Wenn du weniger als 3 mal pro Woche Stuhlgang hast, der Stuhl sehr hart ist und nur durch verstärktes Pressen ausgeschieden werden kann, deutet dies auf Verstopfung hin [8]. Ursachen können neben einer genetischen Veranlagung, unzureichender Flüssigkeitsaufnahme, niedrigen Ballaststoffverzehr, Stress und mangelnder Bewegung auch eine Endometriose sein.
Wie hängen Verstopfung und Endometriose zusammen?
Einer Studie zufolge schwankt das Auftreten von Verstopfung bei Frauen mit Endometriose zwischen 12% und 85% und ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Einerseits wird berichtet, dass zyklische Entzündungen, Narbengewebe, eine Verkleinerung und Verkrümmungen der Darmwand sowie Schädigungen der autonomen Nerven im Becken eine Rolle spielen [6].
Bei Frauen mit Endometriose (vor allem mit ovarieller Endometriose) wurden vermehrt Funktionsstörungen der Beckenbodenmuskulatur beobachtet. Anhand von Ultraschalluntersuchungen wurde festgestellt, dass bei Endometriose-Betroffenen mit chronischer Verstopfung häufiger eine zu starke Anspannung der Beckenbodenmuskeln vorliegt. Daher können gezielte Maßnahmen, die auf die Beckenbodenentspannung abzielen, wie z.B. Physiotherapie und Entspannungsübungen, bei der Behandlung von chronischer Verstopfung für dich von Nutzen sein [6].
Eine andere Studie berichtet, dass sich Entzündungsreaktionen von Endometrioseherden, die sich in unmittelbarer Nähe des Enddarms befinden, auf die Darmentleerung auswirken können. Diese Symptome treten zyklisch auf und verstärken sich, insbesondere während der Menstruation. Es wird vermutet, dass die erhöhte lokale Freisetzung von Prostaglandinen zu einer veränderten Darmfunktion führt [7]. Um deinen Körper bestmöglich zu unterstützen, ist eine vitalstoffreiche und entzündungshemmende Ernährung für dich daher besonders empfehlenswert. Achte dabei auf eine Ernährung mit antioxidativen Vitalstoffen wie Vitamin A, C und E, Kupfer, Selen, Zink und Omega-3-Fettsäuren.
Bei einigen Endometriose-Betroffenen können auch Verwachsungen und Narbengewebe zu einem eingeschränkten Darmlumen (Darmdurchgang) führen, wodurch die Funktion des Darms ebenfalls stark beeinträchtigt wird. Allerdings betrifft das nur sehr wenige Frauen mit Endometriose [1]. Eine Überweisung an einen Gastroenterologen kann zur Verbesserung der Symptome beitragen. Studien zeigen, dass sich die Verdauungssymptome und die Lebensqualität nach einer Darmresektion zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit deutlich verbesserten [3].
Reizdarm und Endometriose
Es wird berichtet, dass die Häufigkeit eines Reizdarmsyndroms bei etwa 32 % bei Frauen mit Endometriose liegt [1]. Demnach kann eine Ursache für Verstopfung auch ein Reizdarm sein. Das Reizdarmsyndrom ist eine Darmerkrankung, die durch Bauchschmerzen oder Unwohlsein in Verbindung mit veränderten Stuhlgewohnheiten wie z.B. Verstopfung oder Durchfall gekennzeichnet ist, ohne dass eine organische Erkrankung vorliegt [9]. Wenn du einen Reizdarm mit Verstopfung hast, dann kann die Einnahme von Ballaststoffpräparaten hilfreich sein, um die Symptome der Verstopfung zu verbessern [1]. Eine FODMAP-arme Ernährung kann sich bei Reizdarm ebenfalls sehr wirksam auswirken [3].
FODMAP ist die englische Abkürzung für fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und (and) Polyole. Gemeint sind damit schnell vergärende Kohlenhydrate, wie sie etwa in Süßigkeiten, Brot (besonders Weizen), Milchprodukten, Steinobst oder Kohl stecken [10].
Mikrobiom und Endometriose
Zu weiteren Ergebnissen kommen andere Studien, die zeigen, dass es auch Unterschiede in der Zusammensetzung des Mikrobioms von Frauen mit und ohne Endometriose gibt [2].
Was ist das Mikrobiom?
Das Mikrobiom umfasst das gesamte genetische Material der Mikroben, einschließlich Bakterien, Pilze und Viren, die im Wirt leben und verschiedene physiologische Funktionen regulieren [2].
Es ist gut belegt, dass das Mikrobiom einen Einfluss auf die Immunmodulation und die Entwicklung verschiedener Entzündungskrankheiten hat [2]. Angesichts des entzündlichen Geschehens bei Endometriose ist es sehr naheliegend, dass das Mikrobiom daran beteiligt ist.
Die Forschung zeigt, dass das Darmmikrobiom bei der Regulierung des Östrogenspiegels im Körper eine zentrale Rolle spielt und somit das Risiko der Entwicklung hormonbedingter Krankheiten wie Endometriose beeinflussen kann [11]. Bei einem gesunden Darmmikrobiom wird in den Eierstöcken genau die richtige Menge des Enzyms Beta-Glucuronidase, das für die Regulierung des Östrogenspiegels zuständig ist, produziert. Ein unausgewogenes Mikrobiom (Darmdysbiose) kann die Aktivität dieses Enzyms beeinträchtigen und so zu einer abnormalen Konzentration zirkulierender Östrogene führen [2].
Da es sich bei der Endometriose um eine östrogendominierte Erkrankung handelt, könnte die Behandlung einer Darmdysbiose eine wichtige Rolle für dich spielen. Östrogene fördern das Gewebewachstum, daher ist die Vermeidung einer Überproduktion sehr wichtig [5]. Eine Darmdysbiose kann sich ebenfalls durch Beschwerden wie Blähbauch, Durchfall, Reizdarm, Verstopfung oder Bauchschmerzen äußern [5]. Um deinen Darm zu unterstützen, können pro- und präbiotische Lebensmittel und Probiotika hilfreich sein. Allerdings sind die wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit von Probiotika bei Verstopfung noch uneinheitlich [19]. Probiotika enthalten gesundheitsfördernde Bakterien wie Laktobazillen und Bifidobakterien, die dazu beitragen können, deinen Darm mit nützlichen Bakterien zu besiedeln. Zu den pro-und präbiotischen Lebensmitteln zählen z.B. Chicoree, Topinambur, frisches Sauerkraut oder Kefir.
Was kannst du noch tun?
Neben der medizinischen Behandlung der Endometriose kannst du viele weitere Dinge tun, um Verstopfung zu lindern, und zwar durch eine ausgewogene Ernährung und eine Veränderung des Lebensstils, einschließlich ausreichender Bewegung.
Ernährungshinweise
Ballaststoffe
Achte auf eine Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen. Ballaststoffe erhöhen das Stuhlgewicht und sorgen für eine schnellere und regelmäßigere Entleerung des Darms. Sie regen außerdem die im Dickdarm angesiedelten nützlichen Bakterienstämme zum Wachstum an [12]. Laut Empfehlung der Fachgesellschaften für Ernährung in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist es wichtig, täglich 30g Ballaststoffe zu dir zu nehmen. Um dies zu erreichen, kann es für dich hilfreich sein, zu wissen, wie hoch der Ballaststoffanteil in verschiedenen Produkten ist. Die folgende Tabelle zeigt dir, welche Lebensmittel ballaststoffarm und welche ballaststoffreich sind.
Tab.1 Ballaststoffgehalt von Lebensmitteln
| Ballaststoffarme Lebensmittel | Ballaststoffreiche Lebensmittel |
| Weißbrot, Weizenbrötchen, Toastbrot | Weizen-, Dinkel- und Roggenvollkornbrot, Vollkornbrötchen, Vollkorntoastbrot, Roggenmischbrot, Pumpernickel |
| Weizenmehl Type 405, Nudeln aus Hartweizengrieß, polierter Reis | Weizenmehl Type 1050, Vollkornnudeln, Wildreis, Naturreis, Grünkern |
| Cornflakes | Müsli mit frischem Obst, Vollkornflocken, Hafer- oder Weizenkleie, Trockenfrüchte |
| Kartoffel (geschält), Kartoffelbrei | Kartoffel (mit Schale), Topinambur, Süßkartoffel |
| Melone, Weintraube, Ananas, Fruchtsaft | Apfel, Beerenobst (z.B. Brombeere, Johannisbeere, Himbeere, Heidelbeere), Birne, Kaki, Pflaume |
| Gurke, Tomate, Radieschen, Kopfsalat, Zucchini | Kohlgemüse (z.B. Brokkoli, Rosenkohl, Blumenkohl), Hülsenfrüchte (z.B. Erbsen, Bohnen, Linsen), Karotten, Paprika, Pfifferlinge, Schwarzwurzel |
| Pudding, Milchreis, Eiscreme | Obstsalat, rote Grütze |
| Butterkeks, Vollmilchschokolade, Chips | Vollkornkeks, Bitterschokolade, Nüsse |
| Fleisch | Fleischspieß mit Gemüse |
Quelle: [12]
Hier ein konkretes Tagesbeispiel:
- 2 Scheiben Vollkornbrot → 7,8g
- 2 Äpfel → 5g
- 175g Vollkornnudeln → 9g
- 100g Brokkoli → 2,6g
- 100g Karotten → 3,6g
- 40g Mandeln → 4,5g
- 100g Naturreis → 1,4g
= 33,9g Ballaststoffe
Unterstützend kannst du auch Akazienfasern oder Flohsamen einnehmen – bis zu zweimal täglich 1 Esslöffel in einem großen Glas Wasser, möglichst 30 Minuten vor einer Mahlzeit.
Trinken
Damit Ballaststoffe aufquellen und ihre positive Wirkung auf die Verdauung entfalten können, solltest du ausreichend Flüssigkeit zu dir nehmen. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt mindestens 1,5 Liter am Tag an Wasser oder ungesüßten Tee aufzunehmen.
Versuche das Aufnehmen von genügend Flüssigkeit über den Tag für dich persönlich zu einer Priorität werden zu lassen. Ein einfacher Trick kann zum Beispiel sein, dass du dir ein Gefäß (z.B. eine Thermosflasche) aussuchst und abmisst, wie viel Flüssigkeit hineinpassen. Wenn du z.B. eine Flasche hast, wo 1,5l hineinpassen, kannst du dir vornehmen, diese Flasche bis zum Ende des Tages ausgetrunken zu haben. Zusätzlich kannst du dir auch kleine Erinnerungen machen, wie z.B. Erinnerungszettel an gut sichtbare Stellen ankleben.
Bewegung
Leider ist unser heutiger Lebensstil durch einen starken Mangel an körperlicher Betätigung gekennzeichnet. Langes Sitzen bei der Arbeit, Autofahren und das Benutzen des Aufzugs statt der Treppe tragen zu diesem Bewegungsmangel bei. Ausreichend Bewegung ist bei Verstopfung sehr wichtig, denn sie bringt deinen Stoffwechsel und die Darmtätigkeit wieder in Schwung. Bei zu wenig Bewegung wird die Darmmuskulatur nicht ausreichend beansprucht und erschlafft, so dass der Darm zu wenig muskuläre Führung hat [14]. Empfehlenswert ist es für dich, täglich mindestens 10.000 Schritte zu gehen (zwischen 5-7 km) und zusätzlich ca. 150 Minuten aerobe körperliche Aktivität pro Woche [15]. Aerobe Aktivität bedeutet übersetzt „mit Sauerstoff“ und beschreibt Ausdauer- und Cardio-Übungen wie z.B. Laufen, Radfahren und Schwimmen.
Untersuchungen zeigen außerdem, dass auch die richtige Toilettenhaltung den Stuhlgang erleichtert. Die natürliche Hockhaltung soll die Darmentleerung effektiver machen [16]. Eine Studie hat mit Hilfe von Röntgenaufnahmen gezeigt, dass in der Hocke die Beckenbodenmuskeln entspannter sind sowie der Austrittskanal eine Gerade bildet und damit die Entleerung des Darms erleichtert wird [17]. Es gibt auch spezielle Hocker, die du für diese natürliche Toilettenhaltung verwenden kannst.
Stress
Stress und psychische Belastung aktivieren dein zentrales Nervensystem. Die ausgeschütteten Stresshormone aktivieren dann wiederum das enterische Nervensystem im Darm. Daher wirkt sich Stress auf deinen Darm aus, indem die Darmtätigkeit sowie die Verdauungsprozesse beeinträchtigt werden [18].
Diese Tipps können dir helfen Stress abzubauen:
- Entspanne dich bewusst nach einem anstrengenden Tag mit einer Tasse Kräutertee, einer Entspannungs-CD, einem heißen Bad oder einem Spaziergang in der Natur.
- Nimm deine Mahlzeiten in Ruhe ein, ohne dabei zu Lesen oder Fernzusehen.
- Versuche Yoga, Meditation und Atemübungen in deinen Alltag einzubauen.
- Plane morgens genügend Zeit für das Frühstück und den Gang zur Toilette ein.
- Achte auf eine gute Schlafroutine, indem du zu regelmäßigen Zeiten ins Bett gehst, auf Blaulicht von Bildschirmgeräten, wie das Smartphone, vor dem Schlafengehen verzichtest und das Schlafzimmer dunkel hältst.
- Schlafe mindestens 7-8 Stunden.
Zusammenfassung
Bei Endometriose-Betroffenen treten häufig Symptome wie Verstopfung auf.
Ursachen können neben einer ungünstigen Ernährungs- und Lebensweise auch Funktionsstörungen der Beckenbodenmuskulatur, zyklische Entzündungsprozesse, Narbengewebe und Verwachsungen, ein verkleinerter Darmdurchgang, ein Reizdarm oder eine Darmdysbiose sein.
Was du unterstützend tun kannst sind:
- Physiotherapie und Entspannungsübungen für die Beckenbodenmuskulatur
- Entzündungshemmende Ernährung mit reichlich Vitalsstoffen
- Eventuell eine Überweisung an einen Gastroenterologen
- Bei Reizdarm eine FODMAP-arme Ernährung
- Ballaststoffreiche Ernährung, genügend Flüssigkeit, zusätzlich eventuell Ballaststoffpräparate einnehmen
- Stressabbau
- Zur Darmunterstützung: prä- und probiotische Lebensmittel, eventuell Probiotika.
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Referenzen
- Psychrembel Online. Vegetatives Nervensystem. https://www.pschyrembel.de/Vegetatives%20Nervensystem/K0F3H#:~:text=FeedbackAutonomer%20Teil%20des%20Nervensystems%2C%20welcher,Parasympathikus%20und%20das%20enterische%20Nervensystem. Abgerufen am 20.12.2022
- Coss-Adame E, Rao SS. Brain and gut interactions in irritable bowel syndrome: new paradigms and new understandings. Curr Gastroenterol Rep. 2014 Apr;16(4):379. doi: 10.1007/s11894-014-0379-z. PMID: 24595616; PMCID: PMC4083372.
- Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten. Reizdarm. https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/reizdarm/was-ist-ein-reizdarm.html. Abgerufen am 20.12.2022
- MAGDA – Informationsforum für Magen-Darm-Erkrankungen. Das Krankheitsbild: Reizdarmsyndrom. https://www.magendarm-forum.de/reizdarmsyndrom.html. Abgerufen am 20.12.2022
- Medical Tribune. “Das Reizdarmsyndrom ist keine Verlegenheitsdiagnose mehr“. https://www.medical-tribune.de/medizin-und-forschung/artikel/das-reizdarmsyndrom-ist-keine-verlegenheitsdiagnose-mehr. Abgerufen am 20.12.2022
- Das Gastroenterologieportal. Reizdarmsyndrom. https://dasgastroenterologieportal.de/Reizdarmsyndrom.html#a2. Abgerufen am 20.12.2022
- Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten. Behandlung des Reizdarms. https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/reizdarm/behandlung-des-reizdarms.html. Abgerufen am 20.12.2022
- McKenzie YA, Bowyer RK, Leach H, Gulia P, Horobin J, O’Sullivan NA, Pettitt C, Reeves LB, Seamark L, Williams M, Thompson J, Lomer MC; (IBS Dietetic Guideline Review Group on behalf of Gastroenterology Specialist Group of the British Dietetic Association). British Dietetic Association systematic review and evidence-based practice guidelines for the dietary management of irritable bowel syndrome in adults (2016 update). J Hum Nutr Diet. 2016 Oct;29(5):549-75. doi: 10.1111/jhn.12385. Epub 2016 Jun 8. PMID: 27272325.
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