Darf ich Fleisch bei Endometriose essen?

Rotes Fleisch – lecker aber schmerzverstärkend!

Grundsätzlich gibt es keine Verbote, sondern nur Ratschläge und dazu gehört, dass Fleisch bei Endometriose und häufigem Verzehr die Beschwerden verstärken und die Entstehung von Endometriose sogar fördern kann. Dies zeigte eine große und qualitativ hochwertige amerikanische Studie mit über 100.000 Frauen: Wer mehr als zwei Portionen rotes Fleisch pro Tag isst, hat ein um 56 % höheres Risiko, an Endometriose zu erkranken als Frauen, die seltener als einmal wöchentlich rotes Fleisch essen.[3] Warum ist das so?

Fleischverzehr beeinflusst den Hormonhaushalt

chronische Schmerzen

Chronische Schmerzen werden von der Ernährung beeinflusst.

Viele Lebensmittel, die wir verzehren, haben einen Einfluss auf unseren Hormonhaushalt. Manche Lebensmittel wirken sich positiv aus – können also die Entstehung oder Beschwerden von Endometriose vorbeugen – andere wirken sich negativ aus, indem sie Endometriose und daraus entstehende Beschwerden fördern. Fleisch hat einen im Hinblick auf Endometriose negativen Einfluss auf unsere Geschlechtshormone. Insbesondere die Konzentration von einem Hormon, dem Estradiol, wird durch Fleischkonsum besonders erhöht.

Das Hormon Estradiol gehört zu den Östrogenen, den wichtigsten weiblichen Geschlechtshormonen. Diese sind unter anderem für das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut verantwortlich und fördern die Durchblutung der Gebärmutter. Und genau diese beiden Eigenschaften von Estradiol sorgen dafür, dass der Konsum von Fleisch bei Endometriose die Beschwerden verstärkt und die Entstehung fördert.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund, warum vor allem rotes Fleisch bei Endometriose eher nicht verzehrt werden sollte: Es fördert Entzündungen und Schmerzen. Auch das hat mit dem Einfluss von Fleisch auf den Hormonhaushalt zu tun, denn das Geschlechtshormon Estradiol fördert nicht nur die Bildung von Gebärmutterschleimhaut, sondern es fördert auch die Bildung weiterer Hormone, die Prostaglandine. Und diese sind verantwortlich für die Regulierung von Schmerz, Blutgerinnung und Entzündungen im Körper.

Histamin verstärkt Schmerzen

Wurstwaren enthalten viel Histamin

Wurstwaren enthalten viel Histamin

Manche Fleischprodukte, zum Beispiel Wurstwaren und Schinken, enthalten außerdem viel Histamin, einen Stoff, der fast in allen Lebensmitteln enthalten ist, der aber bei Reife-, Gär- und Fermentierungsprozessen zusätzlich entsteht. Hartkäse und Wein enthalten daher beispielsweise auch viel Histamin. Histamin ist ein natürlicher Botenstoff, der bei jedem gesunden Menschen vom Körper selbst gebildet wird und dort unter anderem an Entzündungsreaktionen und dem Schmerzempfinden beteiligt ist.

Histamin wirkt nicht nur schmerzverstärkend und anschwellend, sondern hat auch Auswirkungen auf die Psyche: Eine amerikanische Studie konnte zeigen, dass Frauen, die mit ihrer Ernährung viel Histamin aufnehmen, ein bedeutend höheres Risiko haben, an Depression oder Angststörungen zu leiden. [2]

Bitte verwechsele dies nicht mit Histamin-Intoleranz, einer Krankheit, bei der Menschen bis hin zum Schock auf zu hohe Histaminaufnahme reagieren. Bei Endometriose sollte lediglich beachtet werden, dass Histamin die Beschwerden der Krankheit (Schmerzen, Entzündungen, …) verschlimmern und auch die Psyche negativ beeinflussen kann. Von Wurstwaren und Schinken ist aufgrund des erhöhten Histamingehaltes bei Endometriose abzuraten.

Verzichte besser auf Fleisch bei Endometriose

Kurz gesagt: der Verzehr von Fleisch und Wurstwaren hat einen solchen Einfluss auf bestimmte Geschlechtshormone, dass sich einige Faktoren negativ auf Endometriose auswirken. Wer viel Fleisch bei Endometriose verzehrt:

  • Verstärkt das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut
  • Steigert die Durchblutung der Gebärmutter
  • Fördert Entzündungen
  • Verstärkt Schmerzen
  • Beeinflusst die Blutgerinnung.

Rotes Fleisch sollte bei Endometriose nur selten verzehrt werden.

Ob in Hinblick auf Endometriose generell nur auf rotes Fleisch (Rind, Schwein, Lamm, …) oder auch auf weißes Fleisch (Huhn, Pute, …) verzichtet werden soll, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Die Faktenlage für rotes Fleisch ist eindeutig, bei weißem Fleisch wird noch geforscht. Nicht nur in Hinblick auf Fleisch bei Endometriose sollte der Fleischkonsum grundsätzlich eingeschränkt werden: dass rotes Fleisch zu Darmkrebs führen kann [1], ist schon länger bekannt. Es ist daher grundsätzlich ganz einfach: je weniger Fleischprodukte in der Ernährung, desto besser!

Referenzen

1.
Aykan NF. Red Meat and Colorectal Cancer. Oncol Rev [Internet]. 2015 Dec 28 [cited 2020 May 2];9(1). Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4698595/
1.
Orazov MR, Radzinskiy VY, Khamoshina MB, Nosenko EN, Tokaeva ES, Barsegyan LK, et al. [Histamine metabolism disorder in pathogenesis of chronic pelvic pain in patients with external genital endometriosis]. Patol Fiziol Eksp Ter. 2017 Jun;61(2):56–60.
1.
YAMAMOTO A, HARRIS HR, VITONIS AF, CHAVARRO JE, MISSMER SA. A prospective cohort study of meat and fish consumption and endometriosis risk. Am J Obstet Gynecol [Internet]. 2018 Aug [cited 2020 Apr 30];219(2):178.e1-178.e10. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6066416/
Silke Neumann
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