Die neue Leitlinie bringt einige wichtige Neuerungen mit sich. [1] Vor allem fällt auf, dass die Perspektive der Betroffenen stärker mit einbezogen wird. Endometriose verursacht nämlich nicht nur körperliche Beschwerden, sondern beeinflusst auch den Alltag, die psychische Gesundheit und die Lebensqualität. Ein weiteres Thema ist die Zeit bis zur Diagnose und die Versorgungsstrukturen. Im Durchschnitt vergehen von Symptombeginn bis zur endgültigen Diagnose ungefähr 10 Jahre. [2] Vielleicht hast auch du eine jahrelange Odyssee hinter dir, bevor du endlich ernst genommen wurdest. In der neuen Leitlinie wird deutlich hervorgehoben, dass Fachpersonen Endometriose früher in Betracht ziehen sollen, wenn typische Symptome wie starke Regelschmerzen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten. Nicht-invasive Methoden wie ein vaginaler Ultraschall oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) sollen zur schnelleren Diagnose häufiger eingesetzt werden. Auch wenn sie die endgültige Bestätigung durch eine Bauchspiegelung nicht ersetzen können, können sie hilfreiche Tools sein, um Endometriose schneller diagnostizieren zu können.
Auch bei den Therapieempfehlungen hat sich einiges geändert. Wie du weißt, gibt es vor allem bei der Endometriose nicht die eine richtige Behandlung für alle. Stattdessen wird stärker betont, dass die Therapie individuell auf dich abgestimmt sein sollte – je nachdem, welche Beschwerden im Vordergrund stehen, ob ein Kinderwunsch besteht oder wie deine eigenen Erfahrungen sind. Neben operativen und hormonellen Behandlungsmethoden wird nun auch stärker auf die Notwendigkeit einer multimodalen Therapie hingewiesen. Dazu gehören nicht nur Schmerzmittel, sondern auch Physiotherapie, Entspannungsverfahren, Bewegung und Ernährung. Gleichzeitig wird auch betont, dass Menschen mit Endometriose ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen und traumatische Erfahrungen haben. [3, 4] Deshalb sollten diese Punkte bei Verdacht auf Endometriose abgefragt und bei Bedarf behandelt werden. Die Leitlinie öffnet also den Blick für ein breiteres Behandlungsspektrum. Klar ist: Deine Therapie sollte so zusammengestellt werden, dass sie zu dir, deinen Beschwerden und deinem Alltag passt.