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Osteopathie bei Endometriose

Endometriose führt oft zu chronischen Schmerzen, Darmbeschwerden und auch Beckenbodenverspannungen. Daher wird manchmal als Teil einer multimodalen Therapie auch die Osteopathie als zusätzliche Option empfohlen.

Viele Frauen berichten von guten Ergebnissen. Auch wenn große Studien fehlen, es gibt kleine die Hoffnung machen! Sie weisen darauf hin, dass Osteopathie Beschwerden und Symptome lindern kann.

1. Was ist Osteopathie?

Osteopathie

Osteopathie ist eine relativ neue Form der Medizin die im 19. Jahrhundert von Andrew Still entwickelt wurde.

Die Osteopathie legt ein besonderes Augenmerk auf die Faszien –  dünne Schichten Bindegewebe die die Muskeln, Organe und andere Strukturen umhüllen. Dabei gehen diese Bindegewebshüllen ineinander über, sodass sie die Strukturen auch miteinander verbinden und eine große Einheit bilden, die Körperfaszie. [3]

Das Ziel der Osteopathie ist es, Gewebeblockaden oder Bewegungseinschränkungen der Körperfaszie zu finden und zu behandeln, um so die optimale Funktion des Körpers wiederherzustellen. Je nach Krankheitsbild gibt es mehr oder weniger Studien zu den Ergebnissen.

Osteopathie ist eine Heilkunde und darf nur von Ärzten oder Heilpraktikern ausgeübt werden. Häufig eingesetzt wird die Osteopathie in der Orthopädie, aber auch zur Begleitung von chronischen Erkrankungen. Es gibt neben der muskulär ausgerichteten Osteopathie auch die viszerale Osteopathie bei der die inneren Organe im Vordergrund stehen. Beide können für Frauen mit Endometriose von Bedeutung sein.

Im Bauchbereich konzentrieren sich die Osteopathen darauf, die normale Funktion und Beweglichkeit der Organe wiederherzustellen indem bindegewebige Spannungen gelöst werden. Das betrifft beispielsweise auch Verwachsungen zwischen den Organen. Auch Narben werden behandelt.

2. Wirkung bei Endometriose und Beckenbodenverspannungen

Osteopathie

Beckenbodenverspannungen können durch Osteopathie verbessert werden.

Frauen mit chronischen Unterbauchschmerzen hatten in Studien deutlich mehr Verspannungen im Beckenbodenbereich. Auch bei Frauen mit Endometriose wurden diese schmerzhaften Verspannungen vermehrt festgestellt. [6]

Der Frauenarzt kann dies in der vaginalen Untersuchung ertasten. Bei der Endometriose können aufgrund der Beschwerden Verspannungen des Beckenbodens entstehen. Sie führen aber wiederum auch zu eigenständigen Schmerzen.

Beckenbodenverspannungen können für krampfartige Schmerzen im Unterbauchbereich und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang mitverantwortlich sein.

Während eine reine Wirbelsäulenbehandlung bei Regelbeschwerden keinen Effekt zeigte [5], konnten andere osteopathische Techniken bessere Ergebnisse erzielen. [1,2,7,8]

Eine Studie mit 28 Teilnehmern zeigte eine signifikante Verbesserung der Schmerzen in Patienten mit chronischen Unterbauchschmerzen und Beckenbodenverspannungen.[7]

Die stärkste Besserung erfuhren die Frauen mit Endometriose und Beckenbodenverspannungen. 10 von 14 Frauen, also 71% der Frauen mit Endometriose und Beckenbodenverspannungen spürten eine Besserung der Beschwerden nach der osteopathischen Behandlung. [7]

Auch bei Rückenschmerzen und Blasenbeschwerden konnten in Studien positive Ergebnisse gezeigt werden.

3. Wirkung bei tief infiltrierender Endometriose

Osteopathie

Osteopathie am Bauch zielt darauf die Beweglichkeit der Musklen aber auch der Organe (vor allem des Darmes) zu verbessern.

Die Osteopathie zielt auf die Beweglichkeit der inneren Organe durch Bindegewebslockerungen.

Bei der Endometriose, vor allem bei der tief infiltrierenden Endometriose, ist die Beweglichkeit der Organe durch die Endometrioseherde und die dadurch ausgelösten Verwachsungen eingeschränkt. Auch nach Operationen können Verwachsungen entstehen.

Ein Organ, für das die Bewegung in der Funktion unerlässlich ist, ist der Darm. Eine französische Studie untersuchte die Wirkung von Osteopathie auf Frauen mit Endometriose am Enddarm (colorectal).

46 Patienten wurden mit Osteopathie behandelt und der Effekt auf Lebensqualität und Symptome untersucht. Nach einem Monat mit regelmäßiger Osteopathie Behandlung konnte ein positiver Effekt nachgewiesen werden. [1]

Die Osteopathie verbesserte

  • Gynäkologische Symptome
  • Symptome der Verdauung
  • Allgemeine Symptome
  • Psychisches Wohlbefinden
  • Gesamtlebensqualität. [1]

In einer kleinen Studie wurden auch 6 Wochen nach einer Bauchmassagebehandlung noch weniger Schmerzen als vor der Untersuchung angegeben. [8]

Die Verbesserung der Lebensqualität ergibt sich wahrscheinlich direkt aus der Schmerzverbesserung, denn die Schmerzen werden oft als größtes Problem und Ursache der meisten Einschränkungen gesehen.

4. Welche Osteopathische Behandlung ist richtig für mich?

In den Studien wurden osteopathische Behandlungen des Bauches, des Zwerchfells, des unteren Rückens und natürlich individuelle Punkte je nach Beschwerden durchgeführt. Einen zertifizierten Osteopathen findest du hier: https://www.osteopathie.de/therapeutenliste. Dort wird dann auch die genaue Therapie nach deinen Symptomen festgelegt.

Einzelne Osteopathen bieten bei Regelschmerzen die sogenannte Touché Technik an, bei der auch intravaginal massiert wird. Darüber gibt es aber keine wissenschaftlichen Ergebnisse, sodass wir hierzu keine Aussage treffen können. Für die hier genannten Ergebnisse wurde dies NICHT durchgeführt. Eine „normale“ Osteopathische Behandlung sollte also ausreichend sein.

Fazit

Leider gibt es zu Osteopathie und Endometriose nur begrenzt Forschungsergebnisse. Die vorhandenen Studien und Erfahrungen der Frauen mit Endometriose zeigen aber einen schmerzlindernden, positiven Effekt. Osteopathie (beispielsweise des Bauches und des Rückens) wird mittlerweile auch von führenden Ärzten der Endometriose (z.B. Prof. Dr. Sylvia Mechsner) als möglicher Baustein in der ganzheitlichen Therapie der Endometriose gesehen. [9]

Frauen mit Endometriose leiden oft an Beckenbodenverspannungen, die starke Schmerzen auslösen können. Die Entspannung dieser Verspannungen durch Physiotherapie und Osteopathie kann Linderung bringen. Aber auch für alle anderen Frauen kann die Osteopathie zu weniger Schmerzen und mehr Lebensqualität führen.

In Betracht ziehen sollten die Osteopathie vor allem Frauen mit tief infiltrierender Endometriose, Beckenbodenverspannungen, Problemen beim Wasserlassen, Verdauungsbeschwerden oder Rückenschmerzen. Dabei ist die Osteopathie natürlich immer nur ein Zusatz zur gynäkologischen Therapie.

Da die Studienlage noch dünn ist, sollte jede für sich herausfinden ob Osteopathie hilfreich bei den individuellen Beschwerden ist. Die Datenlage macht auf jeden Fall Hoffnung.

Referenzen

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Daraï C, Deboute O, Zacharopoulou C, Laas E, Canlorbe G, Belghiti J, et al. Impact of osteopathic manipulative therapy on quality of life of patients with deep infiltrating endometriosis with colorectal involvement: results of a pilot study. European Journal of Obstetrics & Gynecology and Reproductive Biology [Internet]. 2015 [cited 2020 May 4];188:70–3. Available from: https://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S030121151500072X
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Goyal K, Goyal M, Narkeesh K, John Samuel A, Sharma S, Chatterjee S, et al. The effectiveness of osteopathic manipulative treatment in an abnormal uterine bleeding related pain and health related quality of life (HR-QoL) - A case report. J Bodyw Mov Ther. 2017 Jul;21(3):569–73.
1.
Langer W, editor. Lehrbuch Osteopathie. Stuttgart: Haug; 2012.
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Mechsner S. Endometriose: Eine oft verkannte Schmerzerkrankung. Schmerz [Internet]. 2016 [cited 2020 May 13];30(5):477–90. Available from: http://link.springer.com/10.1007/s00482-016-0154-1
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Proctor ML, Hing W, Johnson TC, Murphy PA. Spinal manipulation for primary and secondary dysmenorrhoea. Cochrane Database Syst Rev. 2001;(4):CD002119.
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Sedighimehr N, Manshadi FD, Shokouhi N, Baghban AA. Pelvic musculoskeletal dysfunctions in women with and without chronic pelvic pain. J Bodyw Mov Ther. 2018;22(1):92–6.
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Sillem M, Juhasz-Böss I, Klausmeier I, Mechsner S, Siedentopf F, Solomayer E. Osteopathy for Endometriosis and Chronic Pelvic Pain – a Pilot Study. Geburtshilfe Frauenheilkd [Internet]. 2016 Sep 22 [cited 2020 May 4];76(09):960–3. Available from: http://www.thieme-connect.de/DOI/DOI?10.1055/s-0042-111010
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Valiani M, Ghasemi N, Bahadoran P, Heshmat R. The effects of massage therapy on dysmenorrhea caused by endometriosis. Iran J Nurs Midwifery Res. 2010;15(4):167–71.
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Endometriose: Sanfte Therapien und wie sie wirken [Internet]. Available from: https://www.mdr.de/nachrichten/ratgeber/gesundheit/endometriose-frauen-yoga-ernaehrung-therapie-100.html

Nadine Rohloff
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