Hilft Mönchspfeffer bei Endometriose?

Mönchspfeffer bei EndometrioseMönchspfeffer (Vitex agnus-castus) ist eine bewährte Heilpflanze, die traditionell bei Frauenleiden eingesetzt wird. Die Wirksamkeit bei Prämenstruellem Syndrom, Kinderwunsch und unregelmäßigem Zyklus ist belegt. [6] Aber kann Mönchspfeffer bei Endometriose auch helfen?

Mönchspfeffer wird umgangssprachlich auch „Keuschbaum“ genannt, was einen Hinweis auf die naturheilkundliche Anwendung gibt. Seit Jahrhunderten wird die Pflanze (übrigens kein Baum, sondern ein großer Strauch) insbesondere bei Männern zur Unterdrückung des Sexualtriebs eingesetzt und wächst deswegen auch in Klostergärten. Die Samen schmecken nämlich scharf und können als Gewürz verwendet werden – mit willkommenem Nebeneffekt für Mönche. Doch wie kann Mönchspfeffer Frauen für Frauen nützlich sein?

Wie wirkt Mönchspfeffer?

Mönchspfeffer bei Endometriose

Bei Symptomen des Prämenstruellen Syndroms, z.B. Brustschmerzen, ist Mönchspfeffer wirksam.

Der genaue Wirkmechanismus wie Mönchspfeffer über die Hirnanhangdrüse das Hormonsystem reguliert, ist noch nicht abschließend geklärt. Vermutet wird eine Wirkung über Dopamin-, Opioid- oder östrogenartige Bestandteile im Mönchspfeffer. [8] Sicher ist jedoch, dass Wirkstoffe aus der Frucht des Strauches unabhängig vom Geschlecht in den menschlichen Hormonhaushalt eingreifen. [7]

Eine sehr bekannte Wirkung von Mönchspfeffer ist beispielsweise, dass die Freisetzung des Hormons Prolaktin gehemmt wird. [1] Prolaktin ist ein Hormon, welches auf die Brustdrüse wirkt und zum Beispiel in der Stillzeit zur Milchbildung führt. Bei Brustschmerzen (Mastodynie) als Symptom des Prämenstruellen Syndroms (PMS) wird daher Mönchspfeffer erfolgreich zur Linderung eingesetzt. Andere Symptome des PMS wie Wassereinlagerungen können mit Mönchspfeffer auch gelindert werden.

Mönchspfeffer fördert auch die Bildung des Gelbkörperhormons (Gestagene) und wird daher genutzt, um bei unerfülltem Kinderwunsch durch niedrigen Gestagenspiegel oder Gelbkörperschwäche die Hormone im Sinne einer möglichen Schwangerschaft positiv zu beeinflussen. 

Frauen, die einen unregelmäßigen Zyklus haben, können diesen mit Mönchspfeffer-Präparaten normalisieren. Mönchspfeffer wird also immer dann verwendet, wenn der weibliche Hormonhaushalt ein wenig „aus den Fugen“ geraten ist und sanft reguliert werden soll. [2] Egal, zu welchem Zweck und in welcher Dosierung Präparate auf der Basis von Mönchspfeffer eingesetzt werden: ihre hormonregulierende Wirkung setzt nicht sofort ein, weswegen empfohlen wird, diese mindestens drei Monatszyklen lang einzunehmen, um eine Wirksamkeit abschätzen zu können. [5]

Nebenwirkungen von Mönchspfeffer

Nebenwirkungen sind selten und reichen von Juckreiz über Kopfschmerzen bis hin zu Magen-Darm-Problemen und Schwindel. Allergische Reaktionen sind möglich und äußern sich unter anderem in Atemnot, anschwellendem Gesicht und Schluckbeschwerden. In solchen Fällen muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden!

Hilft Mönchspfeffer bei Endometriose?

Mönchspfeffer bei Endometriose

Das ätherische Öl des Mönchspfeffers wirkt schmerz- und entzündungshemmend.

Bisher gab es erst wenige wissenschaftliche Studien zu diesem Thema, aber es gibt vielversprechende wissenschaftliche Hinweise und Erfahrungsberichte.

Bei Endometriose wird ein niedrigerer Östrogen- und ein höherer Gestagenspiegel angestrebt.

Obwohl im Mönchspfeffer östrogenartige Bestandteile enthalten sind, zeigten die Studien mehrheitlich: Mönchspfeffer hatte dort keinerlei Auswirkungen oder sogar hemmende Wirkung auf den Östrogenspiegel. Die Einnahme von Mönchspfeffer könnte also dazu beitragen, das Wachstum der Endometrioseherde zu verlangsamen. [3]

Nur eine Einzige Studie beobachtete, dass die Wirkstoffe aus Mönchspfeffer ähnlich wie Östrogene wirken und somit das Wachstum der Endometrioseherde fördern. In einigen Studien zu anderen gynäkologischen Anwendungsgebieten konnten erhöhte Gestagenkonzentrationen nachgewiesen werden. Die Datenlage könnte also auf mögliche positive Wirkungen bei Anwendung von Mönchspfeffer bei Endometriose hinweisen, obwohl die wissenschaftlichen Studien sich diesbezüglich nicht ganz einig sind.

Eine Studie mit Mäusen [4] zur Wirkung des ätherischen Öls aus den Früchten des Mönchspfeffers konnte eine entzündungs- und schmerzhemmende Wirkung feststellen. Der schmerzstillende Effekt trat nach nur 15 Minuten ein. Inwieweit diese Ergebnisse auf Menschen übertragbar sind, muss noch erforscht werden.

Die Studienlage ist also noch kontrovers und dünn, sodass keine generelle Empfehlung zur Anwendung von Mönchspfeffer bei Endometriose gegeben werden kann. Je nach individueller Situation und Therapieplan kann es aber einen dreimonatigen Versuch wert sein!

Wann darf Mönchspfeffer nicht verwendet werden?

Mönchspfeffer bei Endometriose

Frauen, die Hormonpräparate einnehmen sollten auf Mönchspfeffer besser verzichten.

Frauen, die Hormonpräparate, Antidepressiva oder andere Medikamente nehmen, sollten auf die Einnahme von Präparaten mit Mönchspfeffer verzichten oder diese mit dem behandelnden Arzt genau absprechen. Auch Brustkrebs, Schwangerschaft und Stillzeit sprechen gegen die Anwendung von Mönchspfeffer, da die hormonregulierende Wirkung der Heilpflanze zu Komplikationen führen kann.

Fazit:

Die Wirksamkeit gegen Beschwerden des Prämenstruellen Syndroms (PMS) ist wissenschaftlich untersucht, jedoch tritt die Wirkung erst nach durchschnittlich drei Monatszyklen ein. Die Verwendung von Mönchspfeffer bei Endometriose ist noch nicht abschließend erforscht, es gibt aber erste Hinweise, dass Mönchspfeffer bei Endometriose entzündungs- und schmerzhemmend wirkt, einen hilfreichen Einfluss auf den Hormonhaushalt hat und das Wachstum der Endometrioseherde hemmen könnte.

Mönchspfeffer ist zwar eine Pflanze, aber wirkt durchaus wie ein Medikament und sollte daher grundsätzlich nicht ohne medizinische Beratung angewendet werden.

Referenzen

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Arentz S, Abbott JA, Smith CA, Bensoussan A. Herbal medicine for the management of polycystic ovary syndrome (PCOS) and associated oligo/amenorrhoea and hyperandrogenism; a review of the laboratory evidence for effects with corroborative clinical findings. BMC Complement Altern Med [Internet]. 2014 Dec 18 [cited 2020 Sep 18];14. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4528347/
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Wuttke W, Jarry H, Christoffel V, Spengler B, Seidlová-Wuttke D. Chaste tree (Vitex agnus-castus)--pharmacology and clinical indications. Phytomedicine. 2003 May;10(4):348–57.
Silke Neumann
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